Währungen - Die Dollar-Erholung könnte schmerzhaft werden

Die überraschende Stärke des Dollars birgt ein erhebliches Risiko für Konsensgeschäfte von Aktien über Währungen bis hin zu Rohstoffen.
29.04.2018 14:48
Der US-Dollar hat sich in den letzten Wochen zum Euro aufgewertet.
Der US-Dollar hat sich in den letzten Wochen zum Euro aufgewertet.
Bild: 401(K) 2012

Eine Dollar-Short-Position war laut der jüngsten Umfrage der Bank of America Merrill Lynch unter Fondsmanagern der am zweithäufigsten überlaufene Trade. Und bullishe Wetten von Hedgefonds auf den Euro erreichten ein Rekordhoch, wie aus den neuesten Daten der Commodity Futures Trading Commission hervorgeht. Wetten auf steigende Rohölpreise waren den Daten zufolge ebenfalls nahe an einem Rekord.

"Bei nahezu jedem Konsens-Makro-Trade ist eine implizite Dollar-Short-Sicht eingebaut", schrieb Stratege Charlie McElligott von Nomura Holdings am Dienstag in einer Einschätzung. "Ein Dollar-Squeeze ist ein grosses Risiko für Long-Positionen, darunter Emerging Markets, Rohöl, Nasdaq, Euro, Yen und Industriemetalle."

Der Bloomberg-Dollar-Index ist seit Mitte Februar, als er sich auf einem mehr als dreijährigen Tiefstand befand, um etwa 1,9 Prozent gestiegen. Der MSCI Emerging Markets Index ist im selben Zeitraum um mehr als vier Prozent gefallen (Stand 25.04.18).

Korrektur des Bärenmarktes?

"Wir vermuten, dass eine Dollar-induzierte Rally wahrscheinlich rücksichtslos durch die niedriger rentierenden G-10-Währungen wie Euro, Pfund, Schweizer Franken und Yen hindurchfegen wird, schrieb Mark McCormick, der nordamerikanische Chef der Devisenstrategie bei der Toronto-Dominion Bank vergangene Woche. "Wir bleiben mittelfristig Dollar-Bären, aber die Sterne sind in den kommenden Wochen auf eine Korrektur des Bärenmarktes ausgerichtet."

Der Euro sei der "optisch offensichtlichste" Verlierer des Momentums, sollte es zu einer Dollar-Rally kommen, aufgrund der extremen Euro-Long-Positionierung, sagt Nomuras McElligott. Schwellenmarktaktien seien ebenfalls sehr exponiert.

Euro-Long-Investoren müssten auf einen schmerzhaften "Pain Trade" gefasst sein, sollte sich der Dollar erholen, sagt Ugo Lancioni, Leiter globale Währung bei Neuberger Berman Group. Er geht davon aus, dass sich der Dollar in diesem Quartal um zwei bis drei Prozent erholen wird.

"Das wäre kein verrückter Schritt, aber es ist ein Schritt, den zu verdauen die Anleger wahrscheinlich noch nicht geplant haben", sagt Lancioni. "Mein Bauchgefühl ist, dass viele Leute auf diesen Dollar-Short zu spät aufgesprungen sind."

(Bloomberg)