Währungen - Händler sehen im kommenden Jahr kein Ende der Dollar-Baisse

Für den Dollar war 2017 nichts weniger als miserabel. Das kommende Jahr könnte noch schlimmer werden.
17.12.2017 07:05
Gebündelte 100-Dollar-Noten.
Gebündelte 100-Dollar-Noten.
Bild: Pixabay

Trotz eines kürzlichen Aufschnellens sind Analysten und Investoren der Meinung, dass der Greenback gegenüber Euro und Yen mehr Terrain verlieren könnte. Der Grund: die Aussichten auf ein starkes Wirtschaftswachstum und eine straffere Geldpolitik ausserhalb der USA gleichen höhere Zinsen zu Hause mehr als aus. Der Dollar ist dieses Jahr um mehr als 7 Prozent gegenüber den wichtigsten Währungen der Welt gesunken - der grösste Rückgang seit über einem Jahrzehnt.

Das Wirtschaftswachstum, das "wir in Europa, den Schwellenländern und dem Rest der Welt beobachten, wird wahrscheinlich dazu führen, dass der Dollar wieder ausverkauft wird", sagte Erin Browne, Leiterin Vermögensallokation bei UBS Asset Management, die rund 770 Milliarden US-Dollar betreut. Wenn es darum gehe, was die Zentralbanken in Europa und Japan tun dürften, "ist sehr wenig eingepreist."

Browne zufolge könnte der Euro 2018 bis auf 1,30 Dollar steigen, was einem Plus von 10,7 Prozent entspräche - und das nach der Rally von etwa 12 Prozent bislang in diesem Jahr. Browne erwartet auch weitere Gewinne für den Yen.

Optimismus verfliegt

Zu Beginn des Jahres waren die Strategen gegenüber dem Dollar fast einheitlich optimistisch und die Händler jubelten über die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten, weil er eine wachstumsorientierte Politik mit niedrigeren Steuern und höheren Infrastrukturausgaben versprochen hatte. Zudem war die Federal Reserve bereit, die Zinsen zu erhöhen, was den Dollar ebenfalls unterstützen sollte.

Ein grosser Teil dieses Optimismus schwand jedoch bald. Zwar hat die  Fed hat die Zinsen dreimal erhöht. Aber die Rallye kam nie zustande, weil die schwache Inflation und der Pessimismus über die Fähigkeiten von Trump und seinen Republikanern, ihre legislativen Versprechen zu erfüllen, ihren Tribut forderten.

Händler kaufen Euro und Yen

Devisenhändler verkauften den Dollar in diesem Jahr trotz eines Anstiegs der Forward-Zinsswaps, was im Wesentlichen eine Wette auf eine geldpolitische Straffung durch die Fed widerspiegelte. Stattdessen kauften sie Euro und Yen.

Nun sehen viele die Fed näher am Ende ihres Straffungszyklus, und der Devisenmarkt an dem täglich 5,1 Billionen US-Dollar umgesetzt werden, konzentriert sich stärker auf die Europäische Zentralbank und die Bank of Japan. Hintergrund ist, dass für die Weltwirtschaft 2018 ein Wachstum von 3,7 Prozent erwartet wird - das höchste in sieben Jahren.

Beim Euro könnten Anzeichen für eine stärkere Konjunktur, die die EZB dazu veranlassen, ihre Anleihekäufe einzustellen, weitere Kursgewinne gegenüber dem Dollar auslösen.

«Wesentlich schwächer»

"Die meisten Leute, mit denen wir reden, wären nicht besonders überrascht, wenn der Dollar gegen Ende des nächsten Jahres wesentlich schwächer wäre", sagte Daniel Katzive, Leiter FX-Strategie Nordamerika bei BNP Paribas.

Und es ist nicht nur Gerede. Auf dem Futures-Markt haben Hedgefonds und Vermögensverwalter bullishe Wetten auf den Euro angehäuft und sie netto auf ein Sechs-Jahreshoch gehievt.

Im Hinblick auf den Yen sind Spekulanten weniger überzeugt. Aber für Alan Ruskin von der Deutschen Bank bedeutet dies nur, dass es ein höheres Potenzial für eine grössere Bewegung gibt, wenn die Bank of Japan sich aus ihrer Politik der Ausrichtung an Anleiherenditen zurückzieht. Der Yen hat sich seit September 2016, als die Massnahme, die als eine Art geldpolitische Lockerung fungiert, eingeführt wurde, abgeschwächt.

"Der Yen ist tatsächlich extrem billig, und wenn er dreht, könnte er sich ziemlich scharf drehen", sagte Ruskin, globaler Co-Leiter Devisenanalyse der Deutschen Bank.

Zwar erkennen selbst Dollar-Bären an, dass es eine gute Chance gibt, dass Trumps Steuersenkungen dem Greenback in der ersten Jahreshälfte einen Ansporn geben könnten. Aber nur wenige erwarten, dass der Schub bis in die zweite Jahreshälfte anhält - auch wenn die Fed die Zinsen anhebt. Analysten zufolge wird der Greenback bis Ende nächsten Jahres gegenüber 13 der 16 meistgehandelten Währungen der Welt nachgeben.

(Bloomberg)

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