Währungspolitik - Grossbanken rechnen mit anhaltender Franken-Abschwächung

Die Ökonomen der Credit Suisse und der UBS gehen davon aus, dass die Abwertung des Frankens auch im kommenden Jahr anhalten wird. Aber auch dann bleibt für die Experten der Franken überbewertet.
22.11.2017 09:55
Schwächer, aber nach Meinung von CS- und UBS-Ökonomen immer noch überbewertet: der Schweizer Franken.
Schwächer, aber nach Meinung von CS- und UBS-Ökonomen immer noch überbewertet: der Schweizer Franken.
Bild: ZVG

Die Ökonomen der Credit Suisse (CS) sehen aufgrund der Abwertung die Schweizer Währung allerdings nicht mehr länger als "deutlich überbewertet". Vor diesem Hintergrund revidieren die Währungsexperten der CS ihre Prognosen und rechnen nun mit einem EUR/CHF von 1,18 (bisher 1,15) im Zeitraum von drei Monaten und von 1,20 (bisher 1,10) in zwölf Monaten. Für ein weitere Abwertung spreche auch das charttechnische Momentum, schreiben die Experten. Die UBS geht gar von einem Wechselkurs von 1,22 bis Ende 2018 aus.

Der Franken bleibe aber sowohl auf Basis Kaufparität als auch Leistungsbilanzüberschuss überbewertet, schreiben die UBS-Ökonomen in ihrer jüngsten "Global Macro Strategy". Ursache dafür sehen die Experten in den "Safe haven"-Zuflüssen in den Franken seit Ausbruch der Finanzkrise 2008. Eine Rückkehr der helvetischen Devise zu einem fairen Wert bedinge eine Umkehrung der Kapitalflüsse, schreiben die Experten.

Erhöht die SNB die Zinsen vor der EZB?

Weil sich der Franken abwerten dürfte, werfen die CS-Ökonomen die Frage auf, ob die Schweizerische Nationalbank (SNB) die Leitzinsen noch vor der Europäischen Zentralbank (EZB) anheben könnte. Ein solches Szenario würde gemäss der Experten wahrscheinlicher, wenn sich drei Entwicklungen gleichzeitig einstellen würden: Erstens müsste sich der Schweizer Franken weiter markant abschwächen, zweitens müsste es Hinweise auf eine anziehende Inflation geben und schliesslich müsste sich das Wirtschaftswachstum in der Schweiz robust fortsetzten.

Derzeit rechnen die Experten aber nicht damit, dass die SNB vor der EZB die Zinsen anheben wird: In ihrem gegenwärtiges Basisszenario gehen sie davon aus, dass die SNB erst eine geldpolitische Straffung durch die EZB abwartet, bevor sie selbst entsprechende Massnahmen ergreifen wird.

Gänzlich ausschliessen wollen sie aber nicht, dass die SNB vorpreschen könnte. Sollten der Wechselkurs und die wirtschaftlichen Entwicklungen die erwähnten Bedingungen erfüllen, werde sich die SNB möglicherweise anlässlich ihrer Lagebeurteilung im März 2018 in diese Richtung bewegen, schreiben die Experten.

(AWP)