Währungsvergleich beweist - Schweizer sind nicht die grössten Bargeldliebhaber

Immer mehr Geschäfte werden digital abgewickelt, ohne Einsatz von Münzen und Noten. Doch wie viel trägt Bargeld überhaupt noch zur Wirtschaftsleistung bei? Eine Studie gibt Auskunft.
27.07.2017 18:40
Von Pascal Züger
Schweizer Banknoten und Münzen machen nur noch einen kleinen Teil der Wirtschaftsleistung aus.
Schweizer Banknoten und Münzen machen nur noch einen kleinen Teil der Wirtschaftsleistung aus.
Bild: pixabay.com

Die Herausgabe einer neuen Banknotenserie durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) ist jeweils ein grosses Happening. In der Presse wird die neue Note bis aufs kleinste Detail vorgestellt, intensiv sind jeweils auch die Diskussionen in der Bevölkerung über das neue Design. Die einen lieben es, die anderen hassen es. Jüngst geschehen bei der Einführung der neuen 20-Franken-Note diesen Mai.

Das beweist: In der Schweiz nimmt Bargeld noch immer einen sehr hohen Stellenwert ein. Und dies in einer Zeit, wo Transaktionen zunehmend elektronisch durchgeführt werden und die vollständige Bargeldabschaffung immer mal wieder zum Thema wird.

Doch so bargeldliebend die Schweizerinnen und Schweizer auch sind, andere Nationen hängen noch viel mehr an ihren Noten und Münzen. Dies zeigt eine Analyse des deutschen Finanzdienstleister Vexcash. Von 20 Währungen wurde berechnet, wie viel Bargeld zur jeweiligen Wirtschaftsleistung (Bruttoinlandsprodukt, BIP) beiträgt (siehe Tabelle unten).

Schweizer Franken nicht in «Top Five»

Gerade noch 11 Prozent der Schweizer Wirtschaftsleistung wird durch Bargeld generiert. Das ist zwar (etwas) mehr als in der Eurozone (10 Prozent). Reicht aber bei weitem nicht, um den Titel der grössten "Bargeldliebhaber-Nation" zu gewinnen.

Wichtiger als in der Schweiz ist Cash in Südafrika (29 Prozent vom BIP), Japan (22 Prozent), Hongkong (17 Prozent), Tschechien (13 Prozent) und Malaysia (12 Prozent). Auf die Frage, weshalb ausgerechnet diese Länder vorne liegen, wissen die Erheber der Studie auf cash-Anfrage keine Antwort.

Über die Gründe kann daher nur gemutmasst werden: Moderne Länder wie Hongkong und Japan haben eine stabile und eher tiefe Inflationsrate, so dass durch die Bargeldhaltung nicht ein starker Wertverlust droht. Anders ist die Situation im Schwellenland Südafrika: Hier ist die Kluft zwischen Arm und Reich sehr gross, so dass womöglich viele gar keinen Zugang zu digitalen Zahlsystemen haben und daher auf Bargeld angewiesen sind.

Auffallend ist auch, dass in Norwegen und Schweden der Anteil von Bargeld an der Wirtschaftsleistung  mit einem Prozent vernichtend klein ist. Diese Länder gelten als Vorreiter des digitalen Bezahlens. Auch Indien hat kaum mehr Bargeld, was allerdings auf eine sehr umstrittene Reform – die Regierung erklärte 2016 die zwei höchsten Geldnoten plötzlich für wertlos – zurückzuführen ist.

Was, wenn das Zahlungssystem komplett ausfällt?

Ein Grund weshalb Bargeld noch immer sehr geschätzt wird, ist die Angst vor Cyberattacken auf digitale Zahlsysteme. Jüngst verbreitete Viren wie Wannacry und Petya waren für das Vertrauen in die Digitalisierung nicht förderlich.

Doch was, wenn es einem Hacker tatsächlich gelingen sollte, das ganze Online-Zahlungssystem lahmzulegen? Vexcash hat in der Studie zusätzlich berechnet, wie viele Tage die Volkswirtschaften ihre Wirtschaftsleistung nur mit Bargeld aufrechterhalten könnten (vorausgesetzt, dass jeder Schein nach dem Bezahlen dem Wirtschaftskreislauf entzogen wird).

Dem Schweizer Franken würde dies 41 Tage gelingen, dem südafrikanischen Rand sogar 106 Tage. Schweden und Norwegen könnten gerade noch 5 Tage ihre Wirtschaft am Leben erhalten.

Aber natürlich sind solche Überlegungen rein theoretisch, zumal das Bargeld genau am richtigen Ort in der richtigen Menge vorhanden sein müsste, um die Wirtschaft in einem solchen Worst-Case-Szenario effektiv am Leben zu halten. Was jedoch klar ist: Ein längerer Ausfall der Zahlungssysteme hätte fatale Folgen für jede betroffene Volkswirtschaft.

Wirtschaftliche Abhängigkeit vom Bargeld

Währung Anteil Bargeld am BIP BIP mit Bargeld kompensieren (in Tagen)
Südafrikanischer Rand 29% 106
Japanischer Yen 22% 80
Hongkong-Dollar 17% 61
Tschechische Krone 13% 47
Malaysischer Ringgit 12% 43
Schweizer Franken 11% 41
Euro 10% 38
Polnische Zloty 10% 37
US-Dollar 8% 31
Israelischer Schekel 7% 25
Mexikanischer Peso 6% 23
Türkische Lira 5% 18
Australischer Dollar 4% 15
Kanadischer Dollar 4% 15
Britisches Pfund 3% 12
Isländische Krone 3% 12
Dänische Krone 3% 12
Indische Rupie 2% 6
Norwegische Krone 1% 5
Schwedische Krone 1% 5

Studie von Vexcash, Quellen: Zentralbanken der Länder, IWF