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Wann erwacht die Nestlé-Aktie endlich?

Seit Wochen fristet die Aktie von Nestlé ein Schattendasein. cash sagt, mit welchen Massnahmen das Vorzeigeunternehmen dem eigenen Aktienkurs neues Leben einhauchen könnte.
05.06.2015 04:33
Lorenz Burkhalter
Nestlé-Slogan: Gutes Essen, gutes Leben. Letzteres auch für die Aktionäre?
Nestlé-Slogan: Gutes Essen, gutes Leben. Letzteres auch für die Aktionäre?
Bild: Bloomberg

In den letzten Tagen sorgte Nestlé mit Qualitätsproblemen für Schlagzeilen. Bei in Asien unter der Traditionsmarke "Maggi" verkauften Masala-Nudeln sind erhöhte Bleiwerte gefunden worden. Blei haftet derzeit auch an der Aktie des in Vevey beheimateten Nahrungsmittelherstellers: Nach einem Kursrückschlag von 4 Prozent in den letzten Tagen, errechnet sich seit Jahresbeginn sogar ein leichtes Minus.

Die Nestlé-Aktie im laufenden Jahr, Quelle: cash.ch

Nach der Finanzkrise der Jahre 2007/08 standen Unternehmen mit einer soliden Bilanz und einem weitestgehend von der Wirtschaftsentwicklung unabhängigen Geschäftsmodell hoch in der Gunst der Anleger. Davon profitierte auch die Nestlé-Aktie. Doch solche Attribute sind im mittlerweile siebten Jahr der Börsenhausse immer seltener gefragt.

Nestlé muss sich neu erfinden

Nach einer wachstumsreichen Vergangenheit stösst das Westschweizer Vorzeigeunternehmen zusehends an seine Grenzen. In den letzten zwei Jahren blieb das organische Umsatzwachstum mit jährlich 4,5 Prozent hinter der firmeneigenen Zielbandbreite von 5 bis 6 Prozent zurück. Gerade in den Schwellenländern, zuvor ein schier unerschöpflicher Wachstumsquell, machte sich zuletzt eine Wachstumsverlangsamung bemerkbar.

Kommt dazu, dass die Bereinigung des Firmenportfolios weit fortgeschritten ist. Mit dem Teilverkauf des am französischen Kosmetikkonzern L'Oréal gehaltenen Aktienpakets vom Frühjahr 2014 erreichte diese ihren vorläufigen Höhepunkt.

Im Aktionariat werden Forderungen laut

Ob Nestlé mit weiteren Portfoliobereinigungen aufwarten kann, ist deshalb fraglich. Im Aktionariat werden immer öfter Stimmen laut, welche eine Bilanzoptimierung fordern. Der Nahrungsmittelhersteller verfügt denn auch über eine sehr solide Bilanz. Ende 2014 lag die Nettoverschuldung bei 12,3 Milliarden Franken. Auf den ersten Blick scheint das zwar viel. Allerdings liessen sich die Schulden mit dem freien Cash Flow eines einzigen Jahres auf einen Schlag zurückzahlen.

Im April dieses Jahres entrichtete das Unternehmen den Aktionären für das vergangene Geschäftsjahr eine Dividende von 2,20 Franken je Aktie. Aktuell entspricht das einer Rendite von 3,1 Prozent. Parallel dazu läuft ein 8 Milliarden Franken schweres Aktienrückkaufprogramm über eine zweite Handelslinie. Und hier setzen die Forderungen aus dem Aktionariat an: Einige findige Aktionäre verlangen nämlich ein fremdfinanziertes Aktienrückkaufprogramm nach dem Vorbild von Adecco.

Analysten sind nur wenig begeistert

Da Nestlé über eine sehr solide Bilanz verfügt und zu äusserst vorteilhaften Konditionen an frisches Fremdkapital herankäme, liessen sich mit einem solchen Programm im grossen Stil Aktionärswerte schaffen.

Dennoch stösst die Aktie von Nestlé in Analystenkreisen nur auf wenig Begeisterung. Gemäss Erhebungen der Nachrichtenagentur awp empfehlen von 24 Experten gerade mal acht den Titel zum Kauf, vier sogar zum Verkauf. Die andere Hälfte der Analysten schätzt das Indexschwergewicht neutral ein.

Daran wird sich so schnell auch nichts ändern, sofern man am Hauptsitz von Nestlé in Vevey nicht doch dem Druck aus dem Aktionariat nachgibt und sich für eine Bilanzoptimierung entscheidet.