Wann machen Negativzinsen Sinn?

Vom Land, das die längste Erfahrung mit negativen Zinsen hat, lässt sich etwas darüber lernen, wie diese Geldpolitik funktioniert - oder auch nicht.
15.02.2016 14:01
Negativzinsen funktionieren - mindestens in Dänemark und der Schweiz. Im Bild: Dänische Kronen.
Negativzinsen funktionieren - mindestens in Dänemark und der Schweiz. Im Bild: Dänische Kronen.
Bild: Bloomberg

Nach Einschätzung von Skandinaviens grösster Bank hilft die extreme Massnahme nur Zentralbanken, die ein Währungsregime verteidigen wollen. Zum Ankurbeln der Wirtschaft seien negative Zinsen hingegen das falsche Mittel. Das sind gute Nachrichten für Dänemark und die Schweiz, aber schlechte für den Euroraum, Japan und Schweden.

"Wir haben gelernt, dass ein negativer Zinssatz ein Instrument ist, das funktioniert, um die Währung zu schwächen, aber es funktioniert nicht, um die Kreditvergabe anzutreiben", sagt Helge Pedersen, Chefökonom bei Nordea in Kopenhagen im Telefoninterview mit Bloomberg. "In Dänemark haben die negativen Zinsen funktioniert, weil es das Ziel war, die Währungspolitik zu verteidigen."

Dänemark und die Schweiz hatten Anfang 2015 zu extrem negativen Zinsen - minus 0,75 Prozent - gegriffen, um Spekulanten zu vertreiben, die ihre erstklassig mit "AAA" benoteten Staatsanleihen horteten. Die Schweiz schaffte überraschend ihren Mindestkurs für den Euro ab, Dänemark war in der Lage, die Anbindung der Krone an den Euro aufrechtzuerhalten.

Im Euroraum keine Erfolgsgeschichte

Hingegen seien im Euroraum "negative Zinsen wirklich keine Erfolgsgeschichte", sagt Pedersen. Die Geldpolitiker dort würden immer "verzweifelter" und die Europäische Zentralbank drohe, in einen "Teufelskreis" zu geraten.

Die Äusserungen folgen auf eine Serie kritischer Kommentare von prominenten Investoren, in denen die Zentralbanken beschuldigt wurden, die Turbulenzen an den Märkten mit ihrer Negativzins-Politik noch anzuheizen. So stellte Scott Mather, Managing Director bei Pacific Investment Management Co., in Frage, dass negative Zinsen die Inflation antreiben können. Diese Politik werde als "verzweifelte" Massnahme angesehen und sei daher "schädlich für die finanzielle und wirtschaftliche Stabilität", schrieb er in einem Bericht. Und Stephen Jen, Mitgründer von SLJ Macro Partners LLP, sagte die Zentralbanken "sind jetzt mehr ein Problem als eine Lösung."

Es gibt aber noch andere bemerkenswerte Fakten im Zusammenhang mit negativen Zinsen. In Dänemark, wo der Einlagensatz für den grössten Teil der letzten dreieinhalb Jahre unter null liegt - und Ökonomen keinen Ausstieg bis mindestens 2018 sehen - haben die Menschen nicht damit angefangen, ihr Bargeld unterm Kopfkissen zu horten. Das liegt zum Teil daran, dass Dänemark, ebenso wie Schweden, sich zu einer weitgehend bargeldlosen Gesellschaft wandelt. Es liegt auch daran, dass die Banken davon abgesehen haben, die negativen Zinsen an ihre Privatkunden weiterzugeben.

Banken unter Druck

Bei den Banken sind zwar die Erträge aus dem Kreditgeschäft gesunken, doch konnten sie davon profitieren, dass es weniger notleidende Darlehen gibt und die Finanzierungskosten niedriger sind. Auch sind die Kunden dazu übergegangen, Mittel aus Einlagenkonten in Produkte zur Vermögensverwaltung umzuschichten, was sich bei den Banken in Gebühreneinnahmen niederschlägt.

"Niedrige Zinsen bringen den Bankensektor unter Druck. Aber dennoch haben sich die Ergebnisse der dänischen Banken in den letzten Jahren deutlich erholt", sagt Jesper Berg, Generaldirektor der dänischen Finanzaufsicht in Kopenhagen gegenüber Bloomberg.

Um der Finanzbranche entgegenzukommen, hat die dänische Zentralbank eine Fazilität - das Kontokorrentkonto - ausgeweitet, bei der der Zins bei null liegt. Damit ist der negative Einlagensatz zu einer Grenzsteuer für überschüssige Gelder geworden, die von den Banken nicht mehr in das Kontokorrentkonto gestopft werden konnten, was den Hieb gedämpft hat.

Jedoch sind die Störungen an den Kreditmärkten schwer zu ignorieren. Die kurzfristigen Hypothekenzinsen in Dänemark sind negativ und die Immobilienpreise sind geklettert - insbesondere in der Hauptstadt Kopenhagen. Das Land, das 2008 den jüngsten Zusammenbruch am Immobilienmarkt erlebte, stehe nun vor der "Gefahr von Blasen", sagt Pedersen.

Nichtsdestotrotz müsse Dänemarks Geldpolitik als ein Erfolg gewertet werden, "wegen der Ziele der Politik", sagt Jes Asmussen, Chefvolkswirt bei Handelsbanken in Kopenhagen. Hingegen sei in der Eurozone "der Übertragungsmechanismus kaputt."

(Bloomberg)