War da was? SMI wetzt Brexit-Scharte aus

Die Schweizer Börse hat am Freitag zugelegt und die nach dem Brexit-Votum eingefahrenen Verluste mehr als wettgemacht.
01.07.2016 17:30
Niederlassung der UBS beim Bahnhof Altstetten ZH: Die Aktien der Grossbank waren am Freitag gefragt.
Niederlassung der UBS beim Bahnhof Altstetten ZH: Die Aktien der Grossbank waren am Freitag gefragt.
Bild: cash

Die Anleger griffen zum Quartalsanfang zu und setzten auch auf positive Impulse von der bevorstehenden Bilanzsaison. Zusätzliche Unterstützung erhielten die Dividendenpapiere von überraschend guten US-Konjunkturzahlen: Der Einkaufsmanagerindex stieg im Juni stark.

Der SMI legte 0,8 Prozent auf 8085 Punkte zu. Nach der Entscheidung der Briten, die Europäische Union zu verlassen, war der Leitindex bis auf 7475 Zähler gefallen. In der zu Ende gehenden Woche hat der SMI 4,3 Prozent zugelegt - kräftigste Wochenplus seit Ende 2011.

Händler sagten, die Nervosität der Anleger wegen des Brexit habe sich etwas gelegt, die Nachwehen ebbten allmählich ab. "Der Volatilitätsindex steht so tief wie seit Anfang Juni nicht mehr", sagte ein Händler. Auch Spekulationen auf weitere Geldspritzen der Europäischen Zentralbank (EZB) wirkten kursstützend.

Die Aktienstrategen der Credit Suisse warnen aber vor zu grosser Zuversicht. "Unseres Erachtens wird die Unsicherheit hoch bleiben und wir raten davon ab, Aktien auf dem aktuellen Niveau zu kaufen", schrieb die Bank in ihrem täglichen Marktkommentar. Die Brexit-Abstimmung sorge zusätzlich für Unsicherheit in ein bereits schwierigen Marktumfeld mit ausgereizten Bewertungen. Zudem erwarte die Bank Bilanzsaison ohne positive Überraschungen.

Nach wie vor verunsicherte Anleger

Auch die rekordtiefen Renditen an den Bondmärkten zeigen, dass nicht alles in Ordnung sei. "Die Bonds zeigen, dass die Anleger nach wie vor verunsichert sind", sagte ein Händler.

Getragen wurde der SMI-Anstieg einmal mehr von den Index-Schwergewichten. Die Aktien des Lebensmittelkonzerns Nestle stiegen um 1,2 Prozent. Die Anteile des Pharmakonzerns Novartis legten 0,4 Prozent zu, während die Titel von Rivale Roche 0,2 Prozent anzogen.

Die Aktien der Banken, die wegen der Ungewissheit über die Folgen des Brexit unter die Räder geraten waren, setzten zu einer Erholung an. Die Titel der beiden Grossbanken Credit Suisse und UBS stiegen über zwei Prozent. Der Vermögensverwalter Julius Bär gewann 0,7 Prozent an Wert. Die Versicherungstitel tendierten ebenfalls höher.

Auch die Anteile zyklischer Firmen waren mehrheitlich in der Gewinnzone zu finden. Die Aktien des Uhrenherstellers Swatch zogen 1,1 Prozent an. Die Titel von Rivale Richemont rückten ebenfalls 1,1 Prozent vor. Anfänglich hatten Kurszielsenkungen der Analysten von JPMorgan und SocGen die beiden Luxusgüterwerte belastet.

Die Aktien von Adecco stiegen um 1,5 Prozent. Auch die Anteile von ABB, Clariant, LafargeHolcim und Geberit waren gefragt.

Syngenta aber ermässigten sich um 0,5 Prozent. Händler sagten, manche Anleger verkaufen ihre Aktien, weil sie unsicher seien, dass die Übernahme durch ChemChina zustande kommt. US-Behörden wollen die Transaktion im Hinblick auf die Versorgungssicherheit des Landes überprüfen.

Am breiten Markt kletterten Temenos 3,1 Prozent. Die Bankensoftware-Firma hat von der Grossbank Standard Chartered einen Auftrag für ein Wealth-Management-System in mehr als 30 Märkten erhalten.

Dei Aktien von Barry Callebaut kletterten 2,5 Prozent auf den höchsten Stand seit rund zwei Jahren. Der Kakao- und Schokolade-Hersteller legt kommende Woche Umsatzzahlen für die ersten neun Monate des Geschäftsjahres vor. Auch die Aktein von Lindt & Sprüngli legten 1,3 Prozent zu. Das Übernahmeangebot des Nahrungsmittelkonzerns Mondelez für den US-Schokoladekonzern Hershey sorgte für Fantasie, sagte ein Händler.

(Reuters)