Warnung vor Blase beim Rohölpreis

Seit Mitte Januar hat sich der Rohölpreis deutlich erholt. Nun warnen Analysten einer Schweizer Grossbank aber vor Spekulationsexzessen - und nennen Aktien von Unternehmen, welche von einem tieferen Ölpreis profitieren.
29.05.2015 07:44
Von Lorenz Burkhalter
Noch nie zuvor wurde an den Märkten so exzessiv auf einen steigenden Ölpreis spekuliert.
Noch nie zuvor wurde an den Märkten so exzessiv auf einen steigenden Ölpreis spekuliert.
Bild: Bloomberg

Totgesagte leben länger, so sagt man. Das gilt in diesen Tagen ganz besonders für Rohöl. Allen Unkenrufen zum Trotz kostet der Preis für ein Fass der Sorte Brent mittlerweile wieder 63 Dollar. Das ist gut ein Drittel mehr als noch Mitte Januar. Anfang Mai wurde gar Notierungen von fast 69 Dollar erreicht.

In einer Strategiestudie warnt die Credit Suisse nun vor Spekulationsexzessen. Noch nie zuvor in der Geschichte seien die Nettopositionen der Marktteilnehmer so hoch gewesen wie in diesen Tagen, so schreiben die Studienverfasser. Bei früheren Gelegenheiten habe der Ölpreis nach vergleichbaren Exzessen jeweils zwischen 12 und 60 Prozent verloren.

Kampf Saudi-Arabiens um Marktanteile

Und die Grossbank legt gleich noch mit einer Statistik nach: In der Zeit seit dem Jahr 1860 habe ein Bärenmarkt beim Rohöl jeweils zwischen 11 und 28 Jahre gedauert. Im vorliegenden Fall sei der Bärenmarkt aber erst sieben Jahre alt.

Den Studienverfassern zufolge stellt die Erholung beim Ölpreis den von Saudi-Arabien angezettelten Kampf um weltweite Marktanteile in Frage. Dieser sei vom weltweit grössten Ölproduzenten bei einem Preis von rund 80 Dollar je Fass lanciert worden.

Gemäss Erhebungen der Credit Suisse arbeiten die Frackingfirmen in Nordamerika ab einem Fasspreis von 65 Dollar rentabel. Alleine schon deshalb rechnen die Strategen über die kommenden Wochen und Monaten wieder mit rückläufigen Ölnotierungen, bevor diese gegen Ende des vierten Quartals in der Nähe von 71 Dollar je Fass einpendeln sollten. Auch der wiedererstarkte Dollar spreche kurzfristig für einen tieferen Ölpreis, so die Studienverfasser.

Der eigenen Anlagekundschaft raten die Experten zu gezielten Wetten auf Aktien aus Wirtschaftszweigen und von Unternehmen, welche von einem tieferen Ölpreis profitieren. Dazu zählen die Titel von Fluggesellschaften wie IAG, easyJet oder Ryanair sowie solche von Chemieherstellern wie AkzoNobel. Zur Vorsicht wird hingegen bei Aktien von Firmen mit einem hohen Ergebnisbeitrag aus Russland wie Oriflame, Adidas oder TeliaSonera gemahnt.