Warren Buffett kappt Anleihe-Derivate ganz

Warren Buffett hat einen weiteren Schritt unternommen, um den Berg an Derivaten seiner Investmentholding Berkshire Hathaway zu vereinfachen.
14.08.2016 15:37
Warren Buffett ist US-amerikanischer Grossinvestor
Warren Buffett ist US-amerikanischer Grossinvestor
Bild: youtube

Das Unternehmen aus Omaha in Nebraska zahlte im Juli 195 Mio. Dollar, um den letzten Kontrakt abzuwickeln, bei dem Berkshire eine Absicherung gegen Anleiheverluste anbot. Das geht aus einer US-Pflichtmitteilung hervor. Wer die Gegenpartei war, ist den Dokumenten nicht zu entnehmen. Mit Stand vom 30. Juni lag das maximale Risiko aus der Kreditausfallabsicherung bei rund 7,8 Mrd. Dollar.

Im Jahr 2003 hatte Buffett Derivate zwar als "finanzielle Massenvernichtungs-Waffen" bezeichnet. Dennoch ging er in den Folgejahren eine Reihe solcher Kontrakte ein.

Der Milliardär argumentierte, dass die von ihm geschlossenen Vereinbarungen attraktiv seien, weil sie ihm vorab Geld liefern würden, welches er investieren könne. Die Berkshire-Derivate unterscheiden sich von jenen, die während der Finanzkrise einige Banken in die Knie gezwungen hatten, weil sie weniger erdrückende Sicherheits-Anforderungen beinhalten.

Dennoch haben die Berkshire-Derivate einen gewissen Leidensdruck bei dem Unternehmen verursacht. Im Jahr 2008 forderte die Börsenaufsicht U.S. Securities and Exchange Commission (SEC) die Holding dazu auf, "robuster" offenzulegen, wie sie Kontrakte bewertet - was das das Unternehmen letztlich auch tat. Moody’s Investors Service und Fitch Ratings beriefen sich derweil auf Derivate, als sie Berkshire die Top-Bonitätsnote aberkannten. Und Veränderungen beim Wert der Kontrakte spiegelten sich in der Bilanz von Berkshire wider und sorgten manchmal bei den Quartalsgewinnen für wilde Schwünge.

Interessantes Kapitel

"Das war ein sehr interessantes Kapitel für Berkshire und dessen Aktionäre", sagt David Rolfe, Investmentchef beim Berkshire-Investor Wedgewood Partners in St. Louis. "Und es sieht so aus, als komme dieses Kapitel zu einem Ende."

Berkshires letztes Credit-Derivat verfügte über eine potenziell derart lange Lebenszeit, das es womöglich noch unter dem nächsten Vorstandschef weitergelaufen wäre.

Der Kontrakt aus der Juli-Vereinbarung war 2008 aufgesetzt worden und bezog sich auf Kommunalanleihen mit Fälligkeiten zwischen 2019 und 2054, wie aus Pflichtmitteilungen hervorgeht. Buffett reagierte außerhalb der normalen Bürozeiten nicht auf die Bitte von Bloomberg um eine Stellungnahme.

Schon seit langem ist der 85-jährige Milliardär dabei, Derivate abzuwickeln oder sie auslaufen zu lassen. Im Jahr 2012 erreichte er bereits einen Deal, um Kontrakte im Zusammenhang mit Kommunalanleihen zu beenden. Andere, die an Unternehmensanleihen gebunden waren, liefen im darauffolgenden Jahr aus.

Bilanz könnte geschwächt werden

Sorgen rund um Derivate-Bestände könnten sich in Krisenzeiten als unbequem entpuppen - also gerade in jenen Zeiten, in denen Berkshire typischerweise seine finanzielle Stärke nutzte, um Chancen am Markt wahrzunehmen und viel Geld zu verdienen.

"Wenn man diese Kontrakte in einem Abschwung wie dem von 2008 zum Marktwert anpassen muss, sieht es so aus, als sei die starke Bilanz von Berkshire geschwächt", erklärt Richard Cook von Cook & Bynum Capital Management in London. "Ich würde es bevorzugen, wenn Berkshire so viel Flexibilität wie möglich hat, wenn die Ebbe einsetzt."

Berkshire verfügt jetzt noch über einige Derivate, die mit der Entwicklung von Aktien-Indizes in Verbindung stehen. Hier sind die potenziellen Verpflichtungen angesichts der Rally an den Märkten in den vergangenen Jahren jedoch gesunken.

(Bloomberg)