Warten auf EZB und Fed - SMI weiter leicht im Minus

Der Schweizer Aktienmarkt ist am Donnerstag mit etwas schwächeren Kursen in den Handel gestartet und bewegt sich seither mehr oder weniger seitwärts auf diesem etwas tieferen Niveau.
09.03.2017 12:40
Ampel bei der Schweizer Börse in Zürich zeigt rot.

Händler erklären die Verluste in erster Linie mit den eher schwachen Vorgaben aus den USA und aus Asien. Nun warte man aber auf den Entscheid und die Medienkonferenz der Europäischen Zentralbank (EZB) am frühen Nachmittag, wobei keine Überraschungen zu erwarten seien.

Fast noch wichtiger für die Investoren seien die am Freitag zur Veröffentlichung anstehenden US-Arbeitsmarktdaten, heisst es. Sie dürften einen weiteren Hinweis geben, ob nächste Woche in den USA mit höheren Zinsen zu rechnen ist. Unterdessen gehen praktisch alle Marktteilnehmer davon aus, dass die US-Notenbank Fed bereits bei der kommenden Sitzung am 15. März wieder an der Zinsschraube drehen wird.

SMI tiefer

Der Swiss Market Index (SMI) notiert zur Mittagszeit 0,32% tiefer bei 8'599,21 Punkten. Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, büsst 0,30% auf 1'364,33 und der breite Swiss Performance Index (SPI) 0,32% auf 9'480,65 Zähler ein. Von den 30 wichtigsten Titeln stehen 19 im Minus und elf im Plus.

Am Schluss der Blue-Chips-Tabelle liegen vor allem konjunktursensitive Werte, wobei unter ihnen aktuell Richemont (-1,5%), ABB (-1,2%), Swatch (-1,1%), Geberit (-0,7%) und Dufry (-0,6%) die grössten Einbussen hinnehmen müssen.

Relativ stark belastet werden die Indizes aber vor allem vom relativ grossen Kursrückgang bei Roche (-0,7% auf 256,90 CHF). Negative News sind dazu allerdings keine vorhanden; zumeist ist die Rede von Gewinnmitnahmen nach den Avancen letzte Woche (positive Studie) bzw. von Bedenken im Hinblick auf die US-Gesundheitspolitik von Donald Trump. Die Titel werden im Gegenteil von Analysten weiter empfohlen. Der US-Broker Jefferies etwa hat für Roche das Kursziel gleich um 20 auf 295 CHF erhöht.

Etwas besser halten sich derweil Novartis (+0,1% auf 75,40 CHF). Hier sieht Jefferies ein Kursziel von 95 CHF. Der Titel gehöre nach wie vor zu seinen bevorzugten Werten in der Branche, meint der zuständige Analyst. Das dritte SMI-Schwergewicht Nestlé (-0,4%) entwickelt sich derweil am Berichtstag kursmässig dazwischen.

CS im Minus

Ins Minus gerutscht sind unterdessen die Papiere der Credit Suisse (-0,8%). Das US-Haus Bernstein hat am Berichtstag eine besonders pessimistische Einschätzung mit Rating "Underperform" und einem Kursziel bei 9 CHF bestätigt. Nach der Kapitalerhöhung bei der Deutschen Bank sei die Credit Suisse der am schwächsten kapitalisierten Broker weltweit, heisst es. Die Lücke zu den Branchennachbarn könne auch nicht mit einem Teil-IPO der Schweizer Einheit aufgeholt werden, es brauche eine Kapitalerhöhung.

An der Spitze der Tabelle sind derweil Clariant (+0,8%) zu finden. Berichte über gescheiterte Gespräche zwischen Clariant und seinem amerikanischen Mitbewerber Huntsman über einen Zusammenschluss haben an der Börse neue Phantasien geweckt. Der Muttenzer Spezialchemiekonzern gilt seit Jahren als einer der Top-Kandidaten für eine Übernahme oder einen Zusammenschluss. Prompt wurden von Analysten mögliche Hochzeitskandidaten genannt.

Gut halten sich auch weiter Actelion (+0,6%). JPMorgan hatte das Rating für das Baselbieter Pharmaunternehmen am Vortag überraschend auf "Overweight" und das Preisziel auf 292 CHF angehoben. Letzteres liegt damit über dem von Johnson&Johnson offerierten Kaufpreis von 280 USD. Zu den grössten Gewinnern im Blue Chips Bereich gehören ausserdem die eher defensiven Sonova (+0,7%), Givaudan (+0,5%) oder Swisscom (+0,4%).

Im breiten Markt haben derweil diverse Firmen ihre Zahlen zum vergangenen Geschäftsjahr veröffentlicht oder einen Ausblick auf 2017 gegeben. Besonders schwach zeigen sich dabei Schmolz+Bickenbach (-5,9%). Analysten zeigten sich enttäuscht: Das laufende Restrukturierungsprogramm scheine eine "endlose Saga" zu werden, meinte einer. Bei Ascom (-0,9%), Cicor (-0,5%), Coltene (unv.) oder SFPI (+1,1%) sind die Kursbewegungen dagegen relativ gering.

Stark gesucht sind BFW (+5,2%). Die Immobilien-Gesellschaft hat vorbörslich einen Aktienrückkauf über 10% des Kapitals zu einem deutlich höheren Kurs als dem aktuellen angekündigt.

(AWP)