Wartet Novartis bald mit Überraschungen auf?

Mit dem Verkauf von Teilen des Diagnostikgeschäfts weckt Novartis bei den Aktionären Appetit auf mehr. Und tatsächlich könnten die Basler im Hinblick auf den Investorentag für weitere Überraschungen gut sein.
12.11.2013 08:38
Von Lorenz Burkhalter
Die Firmenverantwortlichen von Novartis sind gefordert, denn die Erwartungen an den diesjährigen Investorentag sind hoch.
Die Firmenverantwortlichen von Novartis sind gefordert, denn die Erwartungen an den diesjährigen Investorentag sind hoch.
Bild: Bloomberg

Für Freitag in einer Woche hat Novartis zum diesjährigen Investorentag nach London geladen. Unter dem neuen Verwaltungsratspräsident Jörg Reinhardt wird dem Basler Gesundheitskonglomerat eine strategische Neuausrichtung zugetraut. Einen ersten Vorgeschmack liefert der gestern Montag bekannt gewordene Verkauf des Bluttransfusions-Diagnostik-Geschäfts an den Mitbewerber Grifols.

Dieser Bereichsverkauf und sein in Analystenkreisen als attraktiv beurteilter Verkaufserlös weckt nun den Appetit auf weitere Massnahmen zur Freisetzung verborgener Aktionärswerte.

Wird Novartis einen aktionärsfreundlicheren Kurs fahren?

Unter Daniel Vasella mussten die Aktionäre bei Novartis mit ihren Interessen oft hinten anstehen. Es wird nicht ausgeschlossen, dass das Unternehmen unter seinem Nachfolger Jörg Reinhardt auf einen aktionärsfreundlicheren Kurs einschwenkt. Möglicherweise hat Novartis schon gestern Montag den Grundstein dafür gelegt.

In Analystenkreisen erhofft man sich vom Investorentag allerdings weitere Vorstösse. Die für die Credit Suisse tätige Analystin rechnet mit einer strategischen Standortbestimmung sowie mit konkreten Aussagen, wie Novartis das Wachstum im Pharmageschäft und bei der US-Tochter Alcon beschleunigen wolle. Darüber hinaus hält sie auf einen Zeithorizont von 12 Monaten eine Reduktion des an Roche gehaltenen Beteiligungspakets sowie weitere Bereinigungen im Firmenportfolio für möglich.

Raum für eine Neubewertung der Aktie sieht die Analystin zudem, sollte sich das Unternehmen für einer in Zukunft höheren Verschuldung, einem Aktienrückkaufprogramm oder sogar beidem entscheiden. Obschon die zukünftigen Gewinnschätzungen der Credit Suisse auf Stufe EBITA schon heute um bis zu 13 Prozent über den jeweiligen Konsensschätzungen liegen, hält die Grossbank im Falle von Aktienrückkäufen eine weitere Gewinnverdichtung von bis zu 10 Prozent für möglich.

Nachdem sich der Kurs der Novartis-Aktie über die letzten 15 Jahre unter Ausklammerung von Dividendenausschüttungen bestenfalls seitwärts bewegt hat, sind die Firmenverantwortlichen mehr denn je gefordert. Für Fantasie ist im Vorfeld des diesjährigen Investorentages jedenfalls gesorgt.