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Warum es die UBS doch besser kann

Das Drittquartalsergebnis der UBS ist nicht frei von Problemen. Es zeigt aber, dass der eingeschlagene Weg richtig ist. Die Credit Suisse wird diesem Beispiel gar nicht so leicht folgen können - oder folgen wollen.
03.11.2015 07:38
Von Marc Forster
Marc Forster, cash-Redaktor.
Marc Forster, cash-Redaktor.
Bild: cash

Trifft ein UBS-Quartalsergebnis ein, muss man immer zuerst eine Staubschicht entfernen: Steuergutschriften, Rückstellungen und die Bilanz-Auswirkungen der eigenen Verbindlichkeiten verstellen häufig den Blick auf die eigentliche Gewinnentwicklung. Das dritte Quartal 2015 überzeugt nicht restlos, vor allem das Wealth Management entwickelte sich ziemlich enttäuschend. Die Bank ist nun pessimistischer bei den Zielen. 

Doch es könnte schlechter stehen um die grösste Schweizer Bank. Das einstige Krisenhaus ist nun einer der weltgrössten Vermögensverwalter und erreicht damit einen zumeist einen ansprechenden Ertrag. Als globaler Privatbanquier ist die UBS vor allem auch gross genug. Problemfrei wird die Verwaltung der Gelder reicher Menschen auf dem ganzen Planeten auch in Zukunft nicht sein, aber immerhin hat die Bank zahlreiche Lasten aus dem Steueraffären früherer Zeiten abladen können.

Die Investmentbank ist nun so klein geworden, dass es das Eigenkapital nicht allzusehr beansprucht - es sei denn, für teure Rechtsfälle etwa in den USA. Die Eigenkapitalbasis konnte weiter ausgebaut werden. Für die Leverage Ratio, also eine strenge speziell schweizerische Kapitalvorschrift für die Grossbanken, ist die UBS besser gerüstet als die Credit Suisse.

Die Verkleinerung des Handelshauses soll nicht heissen, dass die UBS in Zürich, London und New York nicht nach wie vor viele teure Investmentbanker beschäftigt. Aber die Ausrichtung des Bereichs hat bescheidenere Ausmasse erhalten. So bescheidene, dass die UBS wohl der Versuchung widerstehen wird, die Investmentbank eines Tages wieder aufzublasen, sollten die Finanzmärkte wieder einmal ertragreicher werden.

Die Credit Suisse wird diesem Beispiel gar nicht so einfach folgen können - oder auch nicht wollen. In der Vermögensverwaltung ist die Bank deutlich kleiner als die UBS und müsste stark zukaufen, damit sie zur globalen Spitze aufschliessen kann, wo die UBS schon ist. Und ein radikaler Abbau der Investmentbank wäre für die kapitalschwache CS ein teures Unterfangen.

Die Credit Suisse steht der Tradition des amerikanischen Investmentbankings ohnehin näher als die UBS. Die Zusammenarbeit mit der später in den Konzern integrierten Bank First Boston entstand schon in den 1970er Jahren. In den sieben Jahren, in denen der Amerikaner Brady Dougan das Ruder führte, verstärkte sich der amerikanische Charakter der CS noch.

Was viele Leute aber auch vergessen: Die frühere Kreditanstalt ist schon seit Jahrzehnten eine Investmentbank, die schon im 19. Jahrhundert Niederlassungen an den grössten Börsenplätzen der Welt hatte - man nannte es früher einfach Handelsgeschäft. Die UBS hat ihre Investmentaktivitäten im grossen Stil erst nach der Fusion von Bankverein und Bankgesellschaft 1998 zusammengekauft - und inzwischen, nach massiv schlechten Erfahrungen, wieder kleiner gestutzt.