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Warum nicht CS- und UBS-Bonds kaufen?

Statt Aktien von Schweizer Grossbanken schlägt Pimco-Anlageexpertin Geraldine Sundstrom deren Obligationen als Investment vor. Für die Schweizer Börse ist Sundstrom nicht zuversichtlich, wie sie im cash-Börsen-Talk sagt.
23.10.2015 01:05
Von Marc Forster
Geraldine Sundstrom, Portfoliomanagerin bei Pimco.
Bild: cash

"Als Schweizer Investor würde ich Bonds der Credit Suisse und der UBS kaufen", sagt Pimco-Anlagespezialistin Geraldine Sundstrom, die bei der weltbekannten Fondsgesellschaft für Anlageentscheidungen verantwortlich ist. Gerade weil die Schweiz strenge Kapitalvorschriften erlassen, sieht Sundstrom in Obligationen ein interessantes Investment, wie sie im cash-Börsen-Talk sagt.

Sie denkt dabei an nachrangige Anleihen, aber auch vorrangiges Fremdkapital sowie an die so genannten CoCo-Bonds, mit der die Credit Suisse ihre Kapitalbasis aufzubessern versucht. Diese hochverzinsten Anleihen, die im Krisenfall zu Aktien gewandelt werden können, hat die Credit Suisse schon vor einigen Jahren aufgelegt. Nun will die zweitgrösste Schweizer Bank, die eine eingeschränkte Profitabilität aufweist und deren Kapitalpolster immer noch zu dünn sind, zu einem neuen Moderisierungs- und Finanzierungsschub ansetzen.

Konzernchef Tidjane Thiam will 6 Milliarden Kapital aufnehmen und mit der Credit Suisse bis 2018 zu sieben Milliarden Franken Jahregewinn verhelfen - was eine Verdreifachung heutiger Niveaus gleichkäme. Dies hatte der Credit-Suisse-Chef am Mittwoch bekannt gegeben. Die Märkte sind noch skeptisch, wie am Kurs der CS-Aktie in den vergangenen Tagen abzulesen war. 

Vorsichtig wegen Frankenstärke

Geraldine Sundstrom ist sowohl bei Aktien aus der Schweiz als auch bei Aktien von Finanzunternehmen vorsichtig. Mit ihren durchzogenen Resultaten hätten einige der globalen Banken in der bisherigen Berichtssaison Erwartungen nicht erfüllt. Auch die CS hat mit ihrem Drittquartalsergebnis vom vergangenen Mittwoch keine Freude aufkommen lassen. Die Zahlen der UBS folgen am 4. November.

Die Situation für Schweizer Aktien sieht Sundstrom indessen weiterhin stark vom Frankenkurs geprägt. Damit sie für den Schweizer Markt zuversichtlicher werde, müssten zwei Dinge erfüllt sein, sagt Sundstrom: "Asien muss sich stabilisieren, wobei die dortigen Währungen nicht zu schwach werden dürfen, und dann muss dafür der Schweizer Franken schwächer werden", sagt Sundstrom.

Ohne diese Voraussetzungen würde werde sie dem Schweizer Aktienmarkt derzeit kein "Markt-" oder "Übergewichten" verleihen. Die Kurse scheinen Sundstroms vorsichtige Haltung im Moment zu bestätigen: Der SMI hat im bisherigen Jahresverlauf über 4 Prozent verloren.

Märkte im Durcheinander

Die vorsichtige Haltung hat Sundstrom auch in anderen Weltregionen: "Die Märkte sind in einem ziemlichen Durcheinander." Für Investoren, die in den starken Währungen Dollar und Franken investiert seien, sehe die Welt derzeit "wie eine grosse Rezession" aus. Europa und Japan seien wegen der viel schwächeren Währungen indessen interessant. Fazit: "Wir mögen derzeit japanische und europäische Aktien."

Sundstrom geht davon aus, dass die Europäische Zentralbank EZB ihre Anleihenkäufe zur Ankurbelung der Wirtschaft in den Ländern der Einheitswährung im Dezember oder im März ausweiten wird. Eine weitere Schwächung des Euro würde dann namentlich dem europäischen Exportsektor nützen.

Im cash-Börsen-Talk gibt Geraldine Sundstrom auch weitere Tipps für Schweizer Investoren und äussert sich auch zur Lage in Asien, und ob sie derzeit in Asien investieren würde.