Was Anleger zum Knatsch bei S+B wissen müssen

Um Schmolz+Bickenbach tobt ein eiskalter Machtkampf mit ungewissem Ausgang. cash gibt Antworten auf die brennendsten Fragen zur Zukunft des stark verschuldeten Luzerner Stahlkonzerns.
01.07.2013 15:36
Von Ivo Ruch
Wo liegt die Zukunft von Schmolz + Bickenbach?

Die Aktionärsgruppe um Viktor Vekselberg und der Gründerfamilie ist seit Freitag neuer Hauptaktionär. Was geschieht nun mit Schmolz+Bickenbach?

Vekselberg und die S+B-Erben kontrollieren 40,5 Prozent der Firma. Gemäss Schweizer Börsengesetz muss ab einer Beteiligung von 33,3 Prozent den restlichen Aktionären ein öffentliches Übernahmeangebot unterbreitet werden. Der genaue Zeitpunkt ist noch nicht definiert, soll aber laut Renova um den 12. Juli liegen. An der GV vom Freitag wurde der alte Verwaltungsrat vorerst bestätigt. Vieles deutet jedoch darauf hin, dass eine ausserordentliche GV einberufen und ein neuer Verwaltungsrat im Sinne von Renova installiert wird.

Der von Renova angebotene Übernahmepreis pro Aktie liegt bei 2,85 Franken. Sollen die Aktionäre dieses Angebot annehmen?

Der Preis gilt als zu tief und zeigt, dass Renova keine komplette Übernahme anstrebt. Die 2,85 Franken entsprechen in etwa dem üblicherweise angebotenen Durchschnittspreis der letzten 90 Tage. Allerdings verzichtet Renova auf eine Übernahmeprämie. Selbst am Freitag wurde an der Börse mit 2,90 Franken ein höherer Preis für die Aktie bezahlt. Zum Vergleich: Viktor Vekselberg bekam sein 20-Prozent-Aktienpaket zu 2,40 Franken pro Papier. Das ist gegenüber dem Schlusskurs vom Donnerstag ein Abschlag von 22 Prozent.

Der Verwaltungsrat hat über das Wochenende den Machtkampf verloren. Wird Vekselberg nun die totale Kontrolle erlangen?

Renova will zwar gemäss eigenen Angaben derzeit keine Mehrheit anstreben. Klarheit darüber wird aber erst nach einer noch nicht terminierten, ausserordentlichen GV herrschen. Doch auch ohne Übernahme werden gewichtige Entscheidungen in Zukunft nur über Renova führen.

Die S+B-Aktie sank am Montag über 2 Prozent auf 2,84 Franken. Was bedeuten die Turbulenzen für den Aktienkurs in nächster Zukunft?

Die Aktie hat im letzten Monat 4 Prozent an Wert verloren, deutlich mehr als der Swiss Performance Index (SPI) in dieser Zeitspanne (-1,3%). In den kommenden Wochen wird der Aktienkurs wohl weiter von den Unsicherheiten im Konzern geprägt sein. Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) schreibt in einer Analysten-Notiz, die Aktie sei "risikoreich" und bleibe volatil. Und die Bank Vontobel rät Investoren abzuwarten, bis die Auseinandersetzung beigelegt ist.

Was passiert nun mit der Kapitalerhöhung?

An der GV vom Freitag nahmen die Aktionäre eine Kapitalerhöhung von 330 Millionen Franken an. Allerdings hat die Aktionärs-Gruppe um Vekselberg beim Handelsregisteramt Luzern eine Sperre erwirkt, welche die GV-Entscheidungen blockiert. Diese Sperre dauert zehn Tage. Renova will das Kapital stattdessen um 434 Millionen aufstocken. Auch darüber wird frühestens an einer ausserordentlichen GV entschieden.

Kann S+B vom Renova-Engagement profitieren?

Seit bekannt wurde, dass S+B Kapital benötigt, tobt ein Übernahmekampf um den Stahlhersteller. Klare Besitzverhältnisse würden Ruhe in den Betrieb bringen. Weil die hoch verschuldete S+B stark von den Banken abhängt, könnte die mit mehreren Milliarden ausgestattete Renova diese Abhängigkeit schmälern. Renovas gute Vernetzung in Russland könnte zudem neue Märkte erschliessen. Allerdings ist zurzeit völlig unklar, was Vekselberg mit S+B vorhat.