Was cash-Leser von Janet Yellen erwarten

Die Frage ist nicht ob, sondern wann die US-Notenbank die Zinsen weiter anhebt. Die Finanzmärkte glauben, dass Janet Yellen im Juni zuschlägt. Sind Leserinnen und Leser von cash mit den Marktanalysten gleicher Meinung?
30.05.2016 14:02
Von Pascal Züger
Wird im Juni im beim nächsten US-Zinsentscheid einmal mehr im Mittelpunkt stehen: Fed-Chefin Janet Yellen.
Wird im Juni im beim nächsten US-Zinsentscheid einmal mehr im Mittelpunkt stehen: Fed-Chefin Janet Yellen.
Bild: pixabay.com

Anleger haben sich den 15. Juni 2016 schon lange in ihrer Agenda markiert. Es ist der Tag, an dem US-Notenbankchefin Janet Yellen den Schlüsselzinssatz in Amerika von aktuell 0,25 bis 0,5 Prozent weiter anheben könnte - mit Auswirkungen auf die Finanzmärkte weltweit. Denn: Ein höherer Zinssatz in den USA macht automatisch Anlagen in den Dollar attraktiver. Gleichzeitig wird dann dieses Geld anderswo abfliessen, zum Beispiel aus China oder einem Schwellenland.

Doch glauben die cash-Leser an einen Anstieg? Nicht wirklich. Eine Mehrheit von 52 Prozent sieht den nächsten Zinsschritt der US-Notenbank noch nicht im Juni kommen. Dies zeigt die aktuelle cash-Online-Umfrage mit bisher fast 1700 Teilnehmenden:

Quelle: classic.cash.ch, Stand 30.5.2016

Dass das Nein-Lager unter den cash-Lesern leicht in der Überzahl ist, soll jedoch nicht über einen beobachtbaren Meinungsumschwung der letzten Tage hinwegtäuschen: Sah zu Beginn der cash-Umfrage vor elf Tagen nur knapp ein Drittel aller Teilnehmer einen Juni-Zinsschritt kommen, so hat sich dieses Lager nun auf fast die Hälfte ausgedehnt. Ein merklicher Anstieg.

Markt wird auf Anstieg vorbereitet

Nicht unschuldig am geänderten Sentiment unter den cash-Lesern - und wohl auch im ganzen Markt - ist die amerikanische Notenbank selbst: "Die globalen Märkte sind auf eine Sommer-Zinserhebung vorbereitet", sagte James Bullard, Chef der Federal Reserve von St. Louis am heutigen Montag. Der Währungshüter ist dieses Jahr im Offenmarktausschuss stimmberechtigt, der über die Zinspolitik entscheidet. "Vieles spricht für einen Zinsanhebung im Juni", sagte gar sein Kollege Jeffrey Lacker von der Federal Reserve in Richmond gegenüber Bloomberg.

Und bereits am Freitag signalisierte selbst die höchste US-Notenbankerin, Janet Yellen, dass die Zinserhöhung unmittelbar bevor stehe: Wahrscheinlich sei eine geldpolitische Straffung "in den kommenden Monaten angemessen", sagte Yellen am einem Anlass in Cambridge. Falls das Wachstum weiter anziehe und die Lage am Arbeitsmarkt sich wie von ihr erwartet weiter verbessere, seien vorsichtige Schritte nach oben angebracht. Der Dollar stieg als Folge der Yellen-Rede gegenüber dem chinesischen Yuan an.

Doch noch ist das letzte Wort nicht gesprochen, Raum für Spekulationen bleibt offen. Schliesslich bedeutet ein Anstieg "in den kommenden Monaten" nicht zwingend Juni, auch Juli oder September wären denkbare Termine. So sagt etwa Analyst Christian Henke von Broker IG, dass Yellens Äusserungen weiterhin keine Klarheit geschaffen hätten, ob im Juni an der Zinsschraube gedreht werde oder nicht.

Anstieg schon eingepreist?

Aufgrund der weitreichenden Folgen der amerikanischen Zinspolitik auf die globalen Finanzmärkte wird mit Argusaugen auf Indizien für einen baldigen Zinsanstieg geschaut. Schliesslich wollen alle für den Fall der Fälle richtig positioniert sein.

Neue Entwicklungen und Tendenzen bezüglich dem Zinsentscheid werden im Markt jeweils schnell eingepreist und führen im Falle unerwarteter Neuigkeiten - seien dies überraschende Konjunkturdaten aus den USA oder Aussagen von US-Notenbankern - immer mal wieder zu Ausschlägen an den Aktienmärkten. Auch der Dollar kann sich den Schwankungen nicht entziehen.

Doch der Schrecken eines Zinsanstiegs scheint bei Anlegern etwas verflogen: Yellens Äusserungen vom Freitag sorgten kaum für Kursausschläge, die US-Börsen schlossen gar höher. In der Vergangenheit waren Gerüchte um mögliche Zinsanstiege in den USA eher von fallenden Aktien-Kursen begleitet.