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Was an der geheimen Glencore-Party lief

Am Donnerstag fand das Weihnachtsessen von Glencore in Zug statt - zugleich eine der geheimnisvollsten Feiern des Jahres. Dieses Jahr packte ein Insider gegenüber cash aus.
06.12.2013 00:30
Von Pascal Meisser
Jamiroquai trat am Weihnachtsessen von Glencore auf.
Jamiroquai trat am Weihnachtsessen von Glencore auf.
Bild: iNg

Jahr für Jahr stellen sich die Glencore-Xstrata-Mitarbeiter in den Tagen vor der Weihnachtsfeier die eine Frage: Mit welchem Star aus der Musikbranche werden sie dieses Mal überrascht? Denn das Management des Zuger Rohstoffkonzerns hatte es in den letzten Jahren zur Gewohnheit gemacht, nach üppigem Speis und Trank jeweils einen Superstar auffahren zu lassen. In der Vergangenheit hatten Grössen wie Joe Cocker, Sting, Bryan Adams oder Pink der 600-köpfigen Belegschaft die Ehre erwiesen.

Dieses Jahr buchstabierte das Management um Ivan Glasenberg allerdings deutlich zurück. Für die musikalische Unterhaltung war am Donnerstagabend in der Zuger Bossard-Arena die britische Acid-Jazz-Band Jamiroquai verantwortlich, wie ein Insider gegenüber cash verriet. Die beste Zeit der britischen Gruppe, die sich 1992 in London formiert hatte, liegt allerdings schon Jahre zurück. Ihre Welthits wie "Space Cowboy" oder "Deeper Underground" stammen aus den späten 90-er Jahre. Im Vergleich zu den Acts der letzten Jahre spielen die Briten heute in der zweiten Liga.

Der guten Stimmung unter den Glencore-Leuten tat dies keinen Abbruch. Zuvor wurden ihnen während zwei Stunden mehrere Gänge serviert, bevor Konzernchef Ivan Glasenberg um halb zehn Uhr zu einer halbstündigen Rede startete. Er habe mehrfach betont, wie gut die Firma arbeite, sagte der Insider, der der Feier beiwohnte. Und Glasenberg habe mehrfach wiederholt, dass Glencore in der Rohstoff-Welt den Weg bahne. "Glencore geht voraus, alle anderen folgen uns", soll der Boss gesagt haben.

Pfiffe für Ivan Glasenberg

Die einzigen Pfiffe erntete Glasenberg gleich zu Beginn bei der Begrüssung, als er sich von seiner witzigen Seite zeigen wollte: "Ich begrüsse heute erstmals die Xstrata-Leute - zumindest jene, welche die Fusion überlebt haben." Im Mai hatten sich Glencore und Xstrata zum grössten Rohstoffkonzern der Welt zusammengeschlossen, zu Entlassungen kam es vor allem im obersten Management von Xstrata

Für den verschwiegenen Konzern ist es aussergewöhnlich, dass von einer Weihnachtsfeier derart viele Details an die Öffentlichkeit gelangen. Denn Glencore versucht jedes Jahr, sowohl das Datum als auch den Music-Act bis zum letzten Moment so geheim wie möglich zu halten.

Das zeigte sich bereits am Mittwoch, als in der Zuger Bossard-Arena noch fleissig gezimmert, gehämmert und Leitungen gelegt wurden - und niemand Auskunft über den Auftraggeber geben durfte. Ton- und Lichttechniker wirbelten herum, Spanplatten und Isolationsmatten wurden bereitgelegt, um die grosse Eisfläche in eine Festhalle zu verwandeln. Wo normalerweise der lokale Eishockeyverein EV Zug seine Meisterschaftspartien austrägt, wurde für Donnerstag ein Heimspiel der speziellen Art vorbereitet: Das Weihnachtsessen des Zuger Rohstoffkonzerns Glencore Xstrata, dessen Datum die Öffentlichkeit nicht wissen darf.

Angst vor Protesten

Der Grund für diese Verschwiegenheit liegt auf der Hand. Die Furcht vor Protestkundgebungen oder gar Anschlägen ist gross. Bereits im Mai hatten sich rund 30 Personen bei der ersten Generalversammlung von Glencore Xstrata nach der Fusion vor dem Casino Zug versammelt, um gegen die "Missachtung von menschlicher Ethik" zu protestieren.

cash hatte im Vorfeld jedoch aus diversen Quellen in Erfahrung gebracht, dass sich die fast 600-köpfige Belegschaft am Donnerstagabend zur jährlichen Riesen-Sause trifft. Damit findet die erste Xmas-Party der seit Mai fusionierten Glencore und Xstrata erstmals nicht an einem Freitag, sondern - für einen ausschweifenden Firmenanlass eher ungewöhnlich - bereits einen Tag früher statt.

Rigide Geheimhaltungsmassnahmen

Tatsächlich versucht das Management jedes mögliche Leck abzudichten, durch die auch nur die geringsten Informationen an die Öffentlichkeit gelangen könnten. So sind dem rigiden Geheimhaltungsregime nicht nur die eigene Belegschaft unterstellt, sondern sämtliche Arbeiter, die in irgendeiner Form in den Aufbau der Infrastruktur involviert sind.

Als cash vor Ort einen Zigaretten rauchenden Tontechniker Details zur Party entlocken wollte, kam als Antwort einzig zurück: "Ich darf nichts sagen." Nach mehrmaligem Nachfragen liess er sich immerhin entlocken, man könne sich wohl selber ausrechnen, wer sich die Miete einer solchen Halle überhaupt leisten könne.

Glencore liess sogar die beliebte Sportsbar Sixty-Seven, die sich innerhalb der Bossard-Arena befindet, während zweieinhalb Tagen sperren. In dieser Bar treffen sich gewöhnlich ehemalige EV-Zug-Cracks und andere Sportbegeisterte. Der Grund für die Massnahme liegt auf der Hand: Von der Bar sieht man direkt in die Halle - und Einblicke sind unerwünscht. Allerdings lassen auch die Sperrzeiten erahnen, dass die Party am Donnerstag steigen muss. Denn bereits am Freitag ab 17 Uhr wird im "67" wieder fleissig Bier ausgeschenkt. Einzig das Aussen-Eisfeld bleibt in dieser Woche für die Öffentlichkeit zugänglich.

Grosszügige Geschenke an Mitarbeiter

Glencore lässt sich das Jahresabschlussfest in der Tat einiges kosten. Zur Hallenmiete kommt mindestens sechsstellige Summe für den Musik-Act hinzu sowie die Aufwändungen für die Kulisse. Denn das Fest steht jedes Jahr unter einem bestimmten Motto. Vergangenes Jahr wurde die Bossard-Arena in ein Klein-Venedig mit einem grossen Bild des Canale Grande verwandelt, heuer steht die Party im Zeichen von New York, wie ein Blick in die Halle zeigt. Bereits beim Eingang werden die Gäste mit grossen Bildern der Skyline von "Big Apple" empfangen.

Grosszügig zeigt sich Glencore aber nicht nur bei Speis, Trank und Musik, sondern bei den Naturalgaben an die eigenen Mitarbeiter. Früher, als noch der als grosszügig bekannte Präsident Willy Strothotte das Zepter führte, gab es durchaus auch mal eine Rolex für jeden Glencore-Mitarbeiter. Vor zwei Jahren soll jeder noch wenigstens mit einem iPad nach Hause gegangen sein, wird aus firmennahen Kreisen kolportiert.