Was die US-Zinserhöhung für EZB, Japan und China bedeutet

Die US-Notenbank hat die Zinsen nach langem Zögern erhöht und will nächstes Jahr die Gangart verschärfen. Bis zu drei weitere Schritte nach oben peilt die Fed an. Ganz anders in Europa und Japan.
18.12.2016 07:18
Schild von der Bank of Japan in Tokio: Wie weiter nach der US-Zinserhöhung?
Schild von der Bank of Japan in Tokio: Wie weiter nach der US-Zinserhöhung?
Bild: Bloomberg

In der Euro-Zone und in Japan ist kein Ende der Nullzinspolitik absehbar. Was bedeutet das Vorpreschen der USA an der Zinsfront für die großen Währungsräume der Welt? Ein Überblick:

Euro-Raum

Falls die Fed die Zügel 2017 kräftig anzieht, wird sich die Zinsdifferenz zum Euro-Raum deutlich ausweiten. Bereits jetzt gehen Fed und Europäische Zentralbank (EZB) getrennte Wege. So dürfte der Leitzins im Währungsraum noch lange auf dem Rekordtief von null Prozent verharren. Die EZB hat zudem ihre billionenschweren Anleihenkäufe zur Stützung der Wirtschaft bis Ende 2017 verlängert. Anders als in den USA ist die Wirtschaft der Euro-Zone laut EZB-Präsident Mario Draghi noch auf sehr erhebliche geldpolitische Unterstützung angewiesen. Ein Abschmelzen der Käufe Richtung null - in der Fachwelt "Tapering" genannt - sei noch kein Thema.

Damit dürfte der Euro zunehmend unter Druck geraten. "Fährt die Fed tatsächlich konsequent den Kurs der Zinswende, wird der Dollar sehr schnell die Parität zum Euro erreichen", prognostiziert der Chefvolkswirt der Targo-Bank, Otmar Lang. Ein schwacher Euro stützt die Exportwirtschaft, da Produkte aus dem Währungsraum wettbewerbsfähiger werden. Sollte allerdings der Ölpreis weiter anziehen, könnte dies schnell für steigenden Inflationsdruck sorgen, da der Rohstoff in Dollar abgerechnet wird.

Stützend für den Euro könnte sich hingegen auswirken, wenn 2017 die Diskussion über ein Tapering der EZB-Anleihenkäufe beginnen sollte. Denn die milliardenschweren Käufe drücken auf den Euro-Kurs. Aussichten auf ein allmähliches Abschmelzen der Transaktionen könnten daher nach Einschätzung von NordLB-Analyst Bernd Krampen den Kursrückgang des Euro zum Dollar bremsen. Die EZB hat zwar kein Wechselkursziel. Sie achtet aber sehr wohl darauf, wie sich das Währungsumfeld auf die stark exportabhängigen Euro-Länder auswirkt.

Japan

Das Land ist unter Ministerpräsident Shinzo Abe seit Jahren mit aller Macht bemüht, mit Nullzinsen und einer wahren Geldschwemme die Wirtschaft anzuschieben. Die starke Exportwirtschaft profitiert davon, dass der Yen durch die ultralockere Geldpolitik geschwächt wird. Nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten hatte der Yen seine Talfahrt beschleunigt, da die Märkte angesichts der billionenschweren staatlichen Investitionsvorhaben des Republikaners auf ein Anziehen der amerikanischen Wirtschaft spekulierten. Dieser Trend könnte sich im nächsten Jahr verstärken, wenn die US-Notenbank den Leitzins über die Marke von 1,0 Prozent hieven sollte, während er in Tokio weiter bei null verharrt. Auf der nächsten Zinssitzung in der kommenden Woche dürfte die japanische Notenbank stillhalten und Experten zufolge einen optimistischeren Ausblick auf die Wirtschaft geben.

China

Das Schwellenland muss zittern wegen drohender Kapitalabflüsse und Wechselkursrisiken für seine Firmen. Denn einen Großteil ihrer Gewinne verdienen diese in der heimischen Währung Renminbi. Ein anziehender Dollar-Kurs verteuert allerdings den Schuldendienst jener Unternehmen, die Dollar-Darlehen aufgenommen haben. Und davon gibt es im Reich der Mitte viele: Allein in den kommenden zwölf Monaten werden für Unternehmen außerhalb des Finanzsektors Schuldenrückzahlungen in Fremdwährungen im Wert von 530 Milliarden Dollar (498,4 Milliarden Euro) fällig, wie die internationale Bankenlobby IIF schätzt. Ökonom Francois Savary vom Finanzhaus Prime Partners in Genf hält diese Situation für brandgefährlich: "Die Sorge ist, dass sich die Lage in Chinas Finanzsektor 2017 verschlechtert." 

(Reuters)