Was erwartet die Bankaktionäre 2015?

In den letzten Monaten durchlebten hiesige Bankaktionäre ein Wechselbad der Gefühle. Den Höhepunkt bildet der gestrige SNB-Entscheid. cash sagt, was die Aktionäre im Jahresverlauf erwartet.
16.01.2015 07:15
Von Lorenz Burkhalter
Der Himmel über den Banken am Paradeplatz in Zürich bleibt wolkenverhangen und regnerisch.
Der Himmel über den Banken am Paradeplatz in Zürich bleibt wolkenverhangen und regnerisch.

Eskalation im Steuerstreit mit den USA, aus dem Ruder laufende Rechtskosten, strengere regulatorische Vorschriften und anhaltender Druck auf die Margen. Nein, die Schweizer Banken und ihre Aktionäre waren in den vergangenen Wochen und Monaten nicht zu beneiden.

Dazu kommen seit gestern die Nachwehen des Entscheids der Schweizerischen Nationalbank (SNB), den vor gut drei Jahren eingeführten Mindestkurs für den Euro aufzugeben. Die Kapitulation unserer Währungshüter riss nicht nur den heimischen Aktienmarkt in die Tiefe, er entlud sich auch in einem Anstieg des Frankens.

Fakt ist: Unerwartete Kursausschläge sind in den seltensten Fällen gut für die Banken, weder an den Aktien- noch an den Devisenmärkten. Darf man dem für die Deutsche Bank tätigen Analysten Glauben schenken, dann trifft der Entscheid der SNB die hiesigen Banken vorwiegend in Form von Wechselkursverlusten auf den Erträgen und bei den verwalteten Kundenvermögen. Als positiver Nebeneffekt führe ein starker Franken auch zu tieferen risikogewichteten Aktiven und damit zu einem geringeren Eigenkapitalbedarf. Die alles entscheidende Frage sei, ob man die Währungsrisiken abgesichert habe.

Anhaltspunkte für schwieriges Schlussquartal

Vermutlich werden uns diese alles andere als erfreulichen Faktoren noch eine ganze Weile begleiten.

Was das Geschäftsumfeld anbetrifft, so liefert die seit Mittwoch laufende Quartalsberichterstattung amerikanischer Investmentbanken erste Anhaltspunkte. Die bereits bekannten Zahlenkränze von J.P. Morgan Chase, Bank of America und Citigroup haben eines gemeinsam: Sie sind allesamt von einem deutlichen Ertragsrückgang im Handel mit Festverzinslichen, Devisen und Rohstoffen (FICC) geprägt.

Es bleibt abzuwarten, ob das am Freitagnachmittag zur Veröffentlichung anstehende Ergebnis von Goldman Sachs diese Entwicklung bestätigt.

Schon im Vorfeld berichtete die amerikanische Finanzpresse von anhaltend schwierigen Bedingungen und davon, dass sich die Investmentbanker auf eine Kürzung ihrer Boni einstellen müssen.

In einem Kommentar zeigt sich die Berenberg Bank wenig überrascht, von Bonuskürzungen zu lesen. Bisher sei man im Investment Banking auf das Schlussquartal bezogen von einem Rückgang der Erträge um durchschnittlich 5 Prozent ausgegangen. Vermutlich gestalte sich die Situation in diesem Geschäftszweig jedoch verhaltener. Der Ertragsrückgang belaufe sich bankeigenen Schätzungen zufolge eher auf bis zu 10 Prozent, so ist dem Kommentar zu entnehmen.

Credit Suisse die Gefangene des Geschäftsmodells

Zu spüren bekommen dürfte dies hierzulande auch die Credit Suisse. Analystenschätzungen zufolge dürfte das Investment Banking im zurückliegenden Jahr gut 50 Prozent zum Vorsteuergewinn beigetragen haben. Anders als die Rivalin UBS hält die kleinere der beiden Schweizer Grossbanken unbeirrt an diesem kapitalintensiven und von starken Schwankungen geprägten Geschäftszweig fest. In den vergangenen Wochen stand die Credit Suisse deshalb immer wieder im Zentrum von Spekulationen rund um eine weitere Stärkung der Eigenkapitalbasis oder eine Dividendenkürzung.

Möglich ist aber auch, dass sich die Grossbank in den kommenden Monaten von ihren Fesseln befreit und sich doch noch zu einem strategischen Kurswechsel nach dem Vorbild der UBS durchringt. Da die Credit Suisse anders als ihre Rivalin nicht über die kritische Grösse im Wealth Management verfügt, ist eine Annäherung an Julius Bär die logische Schlussfolgerung. Auch solche Gerüchte kursieren schon eine ganze Weile.

Julius Bär wird schon seit Wochen ein Interesse an der zum Verkauf stehenden Coutts International nachgesagt. Ob die Zürcher Traditionsbank nach der Integration des internationalen Wealth Managements von Merrill Lynch bereit für eine weitere Grossübernahme ist, muss allerdings angezweifelt werden. Ausserdem steht noch immer der kostspielige Vergleich im Steuerstreit mit den USA aus. Experten rechnen in diesem Zusammenhang noch vor Mitte Jahr mit Neuigkeiten. Etwas besser steht in diesem Zusammenhang Vontobel da. Mit ihrem hohen Ergebnisbeitrag aus dem Investment Banking ist die ebenfalls in Zürich beheimatete Bank jedoch auf ein anhaltend freundliches Marktumfeld angewiesen.

UBS-Aktionären winkt ein Geldregen

Die UBS ihrerseits dürfte endlich erste Früchte des schon vor drei Jahren eingeleiteten Rückzugs aus weiten Teilen des Investment Bankings ernten. Gemäss Kepler Cheuvreux ist es nur noch eine Frage von Wochen, bis Aktionäre einen ersten Vorgeschmack auf die zukünftige Ausschüttungspolitik erhalten. Der verantwortliche Analyst erwartet für das vergangene Geschäftsjahr neben einer regulären Dividende von 0,45 Franken je Aktie mit einer Sonderdividende von 0,25 Franken.

Er geht davon aus, dass alleine bis Ende 2018 rund 15 Milliarden Franken über Bardividenden und weitere 11 Milliarden Franken in Form von Aktienrückkaufprogrammen den Weg zu den Aktionären finden (siehe auch Artikel vom 16. Dezember).

Zünglein an der Waage bleibt das Ausmass zukünftiger Rechtskosten genauso wie drohende Rückstellungen für Konsortialkredite an die Öl- und Gasindustrie. Im diesem nach dem Ölpreiszerfall schwierigen Geschäft mischt auch die Credit Suisse mit.

EFG International meldet sich zurück

Die aggressive Akquisitionsstrategie gehört bei EFG International endgültig der Vergangenheit an. Der Vermögensverwalter hat die von überzahlten Übernahmen losgetretenen hausgemachten Probleme mittlerweile fest im Griff. Nach mehreren Übergangsjahren in Folge sagen Analysten dem Unternehmen ab diesem Jahr eine deutliche Verbesserung der Ertragslage vorher.

Hintersinnen wird man sich bei EFG International im Zusammenhang mit dem Börsengang von EFG Financial Products. Bei der mittlerweile in Leonteq umfirmierten und auf strukturierte Produkte spezialisierten ehemaligen Tochter stehen die Partner geradezu Schlange. Nicht zuletzt dank der starken Technologieplattform reiht sich ein Erfolg an den nächsten. Seit der Publikumsöffnung im Oktober 2012 hat sich der Börsenwert von Leonteq mehr als verfünffacht.

Kleinere Banken mit schwerem Stand

Nicht einfach haben es andere kleinere Banken. Die immer strengeren regulatorischen Rahmenbedingungen lassen die Kosten aus dem Ruder laufen. Dazu kommt bei vielen erschwerend die vom Steuerstreit mit den USA ausgehende Ungewissheit. Auf grosszügige Dividendenerhöhungen sollten sich die Aktionäre vorerst nicht verlassen.

Der Partizipationsschein der Basler KB, die Aktie der BEKB oder jene der Regionalbankengruppe Valiant Holding werden vermutlich auch in den kommenden Monaten ein Mauerblümchendasein fristen. Etwas besser steht die BCV da. Sie verfügt über den finanziellen Spielraum, um neben einer regulären Ausschüttung weiterhin auch eine Sonderdividende entrichten zu können.

Dass es in diesem Marktsegment früher oder später zu Übernahmen oder Zusammenschlüssen kommen wird, gilt in Branchenkreisen als so sicher wie das Amen in der Kirche.