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Was ist bloss mit Apple los?

Apple hat in China jüngst die Marktführerschaft unter den Smartphone-Anbietern verloren. Gleichzeitig geht die Aktie seit Veröffentlichung der Quartalszahlen talwärts. Eine Kaufgelegenheit oder ein Grund zur Sorge?
05.08.2015 11:53
Von Pascal Züger
Tim Cook, CEO von Apple, stellt die firmeneigene Smartwatch vor.
Tim Cook, CEO von Apple, stellt die firmeneigene Smartwatch vor.
Bild: Bloomberg

Die in den letzten Jahren erfolgsverwöhnten Apple-Aktionäre mussten seit dem 20. Juli einen Kurssturz ihrer Papiere von über 12 Prozent hinnehmen. Aktuell notiert die Aktie bei knapp 115 Dollar, nachdem der Titel vor zwei Wochen noch 132 Dollar wert war. Die jetzige Notierung bedeutet gleichzeitig der tiefste Stand seit Mitte Januar. Ziehen beim mit Abstand wertvollsten Börsenunternehmen etwa dunkle Wolken auf?

Einer der Auslöser des Kurssturzes war die Veröffentlichung der Quartalszahlen: Die Erlöse stiegen im Jahresvergleich zwar um ein Drittel auf 49,6 Milliarden Dollar und der Gewinn gar um 38 Prozent auf 10,7 Milliarden Dollar. "Doch damit lagen die Zahlen unter den hohen Erwartungen", sagte Alfred Steininger, Analyst bei der St. Galler Kantonalbank, gegenüber cash. Es sei dann im Anschluss an die Zahlen bei den Anlegern zu Gewinnmitnahmen gekommen.

Vor allem beim iPhone, welches noch immer als Zugpferd von Apple gilt, erhofften sich Investoren bessere Zahlen. Der Anteil des iPhones am Gesamtumsatz Apples lag in den letzten Quartalen bei ungefähr 70 Prozent, der Anteil am operativen Gewinn gar noch darüber. Aber auch hier ist kein Endloswachstum möglich. "Generell gibt es im Smartphone und High-End-Markt Sättigungstendenzen - Samsung hat zum Beispiel jüngst wieder Marktanteile verloren", sagt Analyst Steininger.

Ausserdem machte sich auch Enttäuschung breit, weil Apple-Chef Tim Cook ein Geheimnis aus den konkreten Absatzzahlen der neuen Apple-Watch macht, welche im April auf den Markt kam. Die Smartwatch ist noch nicht so in Fahrt gekommen. Obwohl Apple selbst dazu keine Stellung nimmt, gibt es Schätzungen, dass bislang etwa 2 Millionen Stück verkauft wurden. Dies läge klar unter den im Voraus erwarteten 3 bis 5 Millionen verkauften Uhren.

Marktführerschaft in China verloren

Ein wichtiger Markt für das aus dem kalifornischen Cupertino stammende Unternehmen ist China. Aber genau dort hat Apple jüngst seine Marktführerschaft im Bereich Smartphones an die beiden einheimischen Hersteller Xiaomi und Huawei verloren, nachdem das amerikanische Unternehmen im ersten Quartal 2015 noch die Führung innehatte. Xiaomi, erst 2010 gegründet, bietet Smartphones zu deutlich günstigeren Preisen als die etablierten Konkurrenten an. Weltweit steht das Unternehmen bereits auf Platz drei hinter Apple und Samsung.

Nichtdestotrotz verkauft Apple in China so viele iPhones wie nie zuvor. Im zweiten Quartal waren die Verkäufe um 85 Prozent gestiegen, die Umsätze verdoppelten sich nach Angaben von Apple auf 13 Milliarden Dollar. 26 Prozent des Umsatzes und sogar 37 Prozent des Gewinns stammen aus dem Reich der Mitte.

Halten oder Kaufen?

Die Schwächephase beim Apple-Aktienkurs könnte laut Steininger noch etwas andauern. Die St. Galler Kantonalbank empfiehlt bei Apple-Titeln derzeit ein "Halten". "Der Fair Value der Apple-Aktie liegt um die 110 bis 115 Dollar - geht der Aktienkurs tiefer, würde ich den Titel jedoch auf Kauf stufen", so Steininger.

Analysten der Grossbanken Credit Suisse (Stand 22.7) und UBS (Stand 3.8.) empfehlen bereits jetzt zum Kauf der Apple-Aktie. Ihr 12-Monats-Kursziel setzen sie bei 145 bzw. 150 Dollar pro Apple-Titel an. Beim aktuellen Stand von 115 Dollar ist dies ein Aufwärtspotential von immerhin 25 bis 30 Prozent.

Nicht nur Apple selbst, sondern auch deren Zulieferer leiden derzeit: Die Titel des Halbleiterherstellers AMS haben in den letzten 4 Wochen knapp 2 Prozent an Wert eingebüsst, und diejenigen des Präzisionskomponenten-Herstellers SFS seit Jahresbeginn bereits 16 Prozent.