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Was ist bloss mit der Sunrise-Aktie los?

Die Aktie des Börsenneulings Sunrise gilt als zukünftige Dividendenperle. Dennoch ist der Kurs weit unter den Emissionspreis gefallen. Die federführenden IPO-Banken müssen sich Fragen gefallen lassen.
04.09.2015 01:05
Von Lorenz Burkhalter
Sorgt immer wieder für Spekulationen: Ein möglicher Zusammenschluss von Sunrise mit Salt, ehemals Orange Schweiz.

Der Börsengang von Sunrise Communications hatte von Anfang an eigentlich alle Zutaten, um ein Erfolg zu werden. Schliesslich gilt der Schweizer Telekommunikationsmarkt als der attraktivste der Welt. Und tatsächlich kletterte der Kurs nach dem Börsengang im Februar, als die Aktie zu 68 Franken auf den Markt kam, innerhalb weniger Wochen bis auf 90 Franken.

Nachdem der Börsendebütant nach zwei aufeinanderfolgenden Ergebnisenttäuschungen sogar beim Ausblick zurückbuchstabieren musste, ist nichts mehr wie es einmal war. Alleine in den vergangenen zwei Wochen belaufen sich die Kursverluste der Aktie auf 20 Prozent.

Wer auf die mit dem Börsengang betrauten Banken hörte...

Das Nachsehen haben auch die Publikumsaktionäre der ersten Stunde. Denn mit knapp 58 Franken liegt die Aktie inzwischen deutlich unter dem Ausgabepreis. Glück im Unglück hatte die Altaktionärin CVC Capital Partners, welche sich aufgrund der starken Nachfrage bereit erklärte, das Emissionsvolumen um 5 Millionen Titel aufzustocken. Die Private Equity Gesellschaft hält seit dem Börsengang nur noch knapp 25,3 Prozent der Stimmen.

Nicht nur CVC Capital Partners, auch die mit der Publikumsöffnung beauftragten Banken müssen sich nun unangenehme Fragen gefallen lassen. Dass ein Unternehmen nur wenige Wochen nach dem Börsengang mit enttäuschenden Quartalszahlen aufwarten muss, ist sehr erklärungsbedürftig.

...verlor wie die Grossaktionäre Geld

Hauptverantwortliche für den Börsengang des Telekommunikationskonzerns waren die UBS und Deutsche Bank. Ihnen zur Seite standen Morgan Stanley sowie die Berenberg Bank. Interessant ist, dass alle diese vier Banken die Aktie ihres Schützlings von Anfang an mit Kurszielen von bis zu 95 Franken zum Kauf empfahlen. Wer demnach auf den Rat der mit der Publikumsöffnung betrauten Banken hörte, verlor inzwischen viel Geld.

Ein Lied davon können die prominenten Grossaktionäre singen. Der Staatfonds von Singapur ist seit dem Börsengang im Februar mit 3,1 Prozent an Sunrise Communications beteiligt. Die US-Fondsgesellschaft Fidelity hatte ihr Aktienpaket in den ersten Wochen sogar von 3,2 auf 5,05 Prozent ausgebaut und seither nicht wieder reduziert. Allianz überschritt den Schwellenwert von 3 Prozent sogar erst Anfang April. Damals kostete die Aktie noch 84 Franken. Sechs Wochen später hielt der deutsche Versicherungskonzern dann sogar etwas mehr als 5 Prozent der Stimmen.

Intensiverer Wettbewerb der drei Marktführer

Eines haben diese drei Grossaktionäre gemeinsam: Sie alle haben rückblickend den Besitzwechsel bei Orange Schweiz unterschätzt. Nach dem Einstieg des französischen Milliardärs blieb es nicht beim neuen Marktauftritt unter der Marke Salt. Seit wenigen Wochen versucht die Nummer drei im Schweizer Mobilfunkmarkt mit Preisnachlässen Marktanteile zu gewinnen.

Als Nummer zwei zwischen Salt und dem Marktführer Swisscom befindet sich Sunrise Communications zwischen Hammer und Amboss. Der intensivere Wettbewerb unter diesen Unternehmen erklärt die enttäuschende Geschäftsentwicklung der ersten Jahreshälfte zumindest im Ansatz.

Dividenden- und Übernahmefantasien intakt

Nach den Ergebnisenttäuschungen sahen sich die Analysten zu substanziellen Gewinnschätzungsreduktionen gezwungen. Im Vergleich zum Zeitpunkt des Börsengangs wurden die Erwartungen zwischen 20 und 30 Prozent nach unten revidiert.

Nicht direkt davon betroffen sind die Dividendenschätzungen. Für das laufende Jahr gehen Analysten von einer Ausschüttung von 3 Franken je Aktie aus, was sich mit den Aussagen des Unternehmens selber deckt. Davon lässt sich eine Dividendenrendite von mehr als 5 Prozent ableiten. Einige Banken, darunter die UBS, sehen über die kommenden Jahre sogar Spielraum für eine Sonderdividende.

Kommt dazu: Vor wenigen Jahren versuchte Sunrise Communications sich schon einmal, damals noch mit Orange Schweiz, zusammenzuschliessen. Allerdings vereitelte die Wettbewerbskommission das Vorhaben. Mit dem Markteintritt neuer Anbieter wie der Cablecom und der Dominanz des Marktführers Swisscom hätte ein Zusammenschluss heute vermutlich bessere Chancen.

Intensiverer Wettbewerb hin oder her. Die Aktie von Sunrise bleibt, zumindest aus heutiger Sicht, eine Dividendenperle und eine attraktive Alternative zum Marktführer Swisscom. Durch den intensiveren Wettbewerb nimmt die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Annäherung an den aggressiven Rivalen Salt zu. Bei einem solchen Zusammenschluss würden gewaltige Synergien freisetzen, was aus Aktionärssicht für zusätzliche Fantasie sorgen könnte.