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Was kann den Fall der Galenica-Aktie aufhalten?

Anleger-Liebling Galenica erlebt an der Börse schwierige Zeiten. Das Berner Gesundheitsunternehmen muss hohe Erwartungen erfüllen, um die Gunst der Anleger wiederzuerlangen.
09.09.2016 11:01
Von Marc Forster
Im Labor bei Galenica.
Im Labor bei Galenica.
Bild: ZVG

Noch 2015 war Galenica der Shooting Star an der Schweizer Börse. Der Kurszuwachs betrug 99 Prozent, die Aktie war die beste überhaupt am Swiss Performance Index. Eine Rolle am Kursanstieg spielte sicher auch, dass Investor Martin Ebner rund 18 Prozent am Berner Unternehmen hält. Doch nun hat sich das Blatt gewendet.

Der Kurs der Galenica-Aktie steht im Moment 26 Prozent unter dem absoluten Rekordwert von Mitte November 2015. Seit dem 21. Juli beträgt der Kursrückgang des Gesundheitsdienstleisters mit Apotheken, Logistikdienstleistungen und Datenbanken 13 Prozent.

An diesem Tag publizierte Galenica die Absicht, das US-Unternehmen Relypsa zu kaufen und in die Geschäftseinheit Vifor Pharma zu integrieren. Vifor soll nächstes Jahr als eigenständige Gruppe an die Börse gebracht werden.

Die Galenica-Aktie in den vergangenen 12 Monaten (Grafik: cash.ch)

Mit der Ankündigung des Relypsa-Kaufs hat Galenica Anleger-Hoffnungen gedämpft, wie Carla Bänziger sagt, die das Unternehmen für die Bank Vontobel analysiert: "Davor kam die Galenica-Aktie unseres Erachtens in den Genuss einer Prämie, weil die Anleger gewisse Erwartungen an die Verwendung von Mitteln für einen Zukauf hatten."

Blockbuster-Fähigkeit von Veltassa umstritten

Mit Relypsa stiegen aber sowohl die Risiken als auch die Verschuldung bei Galenica. Bänziger hat für Galenica eine Verkaufsempfehlung ausstehen und geht davon aus, dass die Anleger erst abwarten und die Lage beobachten, bevor sie der Aktie wieder mehr Vertrauen schenken.

Mit dem Relypsa-Kauf zielt Galenica unter anderem auf die weltweiten Rechte am Kalium-Binder Veltassa ab, was die Position des Unternehmens im Markt für Spezialitäten-Pharma stärken soll. Veltassa wird gegen Kaliumüberschuss verwendet, eine unter Umständen lebensgefährliche Fehlfunktion, die das Herz-Kreislauf-System beeinträchtigt.

Zudem baut Galenica bzw. die Sparte Vifor mit Relypsa die Position im grossen US-Gesundheitsmarkt aus. Am Markt wird aber diskutiert, ob Ventassa als sogenannte Blockbuster wirklich ein durchschlagender Erfolg beschieden ist. Ausserdem birgt eine US-Expansion das Risiko von Patientenklagen.

Analysten generell skeptisch

Die Analysten sehen die Galenica-Aktie generell kritisch. Auch von Kepler Cheuvreux besteht eine Verkaufsempfehlung. Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) setzt den Titel auf "Marktgewichten" und schreibt in einem Kommentar vom 10. August, dass auch eine Kapitalerhöhung nicht ausgeschlossen sei. Andere Analysten empfehlen ein "Hold". Einzig die Bank am Bellevue empfiehlt die Aktie mit einem Kursziel von 1500 Franken zum Kauf.

Operativ hat Galencia im ersten Halbjahr nicht schlecht abgeschnitten, was allerdings auch erwartet worden war. Einen Kursgewinn wegen übertroffener Prognosen fand damit nicht statt. Auch die Mitteilung vom 2. September, dass die Übernahme von Relypsa früher als erwartet abgeschlossen sei, half der Aktie wenig, denn die Experten bemängelten den hohen Kosteneinfluss durch den Kauf: Die Integration von Relypsa belaste die Gewinnaussichten, hiess es.

Die Unsicherheit um den als teuer eingestuften Relypsa-Kauf und die verschlechterten Gewinnaussichten, gepaart mit der durch den Zukauf schwächeren Bilanz machen das Umfeld für die Galenica-Aktie nicht einfach. Die ZKB empfiehlt deswegen auch kein Neuinvestment. Kursgewinne werden wieder realistischer, wenn nur noch der operative Erfolg der Gruppe, sondern auch die Zukaufpolitik und die Bilanz von Galenica wieder mehr Anlass zu Optimismus geben.

Aufteilungs-Bonus verpufft

Lange sorgte auch die geplante Aufspaltung für Kursfantasien. Die separate Kotierung von Vifor Pharma und Galenica Santé gilt als vielsprechend und sinnvoll. Mit separaten Managements könnten die beiden Unternehmen sich besser auf ihre Märkte und Tätigkeiten fokussieren, lautet der Tenor am Markt.

Mit dem Relypsa-Zukauf in der Sparte Vifor ist der Aufteilungs-Bonus bei der Aktie derzeit etwas verpufft. Dem Vernehmen nach soll noch dieses Jahr ein CEO für die Sparte gefunden werden, der das Unternehmen auch in die Eigenständigkeit führen soll. Die Aufspaltung ist für 2017 vorgesehen.