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Was LafargeHolcim-Aktionäre erwartet

Der Kurs des Zementherstellers LafargeHolcim ist in den vergangenen Wochen deutlich angestiegen. Das klingt verlockend - doch ist es wirklich Zeit, als Anleger nun auf das Geschäft mit dem grauen Pulver zu setzen?
12.04.2016 14:41
Von Marc Forster
Zementsack mit dem Logo des Holcim-Fusionspartners Lafarge SA.
Zementsack mit dem Logo des Holcim-Fusionspartners Lafarge SA.
Bild: Bloomberg

Inmitten einer unsteten Börse sticht ein SMI-Titel insofern heraus, dass sein Kurs seit Anfang Februar steigt: LafargeHolcim hat innerhalb von neun Wochen ein Plus von 27 Prozent verzeichnet. Mit längerfristigen Horizont sieht die Situation etwas weniger gut aus: Verglichen mit dem Jahresanfang steht die Aktien mit 9 Prozent im Minus, während sie vor einem Jahr noch fast 40 Prozent mehr wert gewesen war.

Anleger wägen nun ab: Ist die Aktienkurs-Talsohle beim weltgrössten Zementkonzern, gebildet aus der Schweizer Holcim und der französischen Lafarge, nun durchschritten? Oder wird das schwierige Geschäft mit den Baustoffen für weitere Enttäuschungen sorgen, zumal die Fusion längst nicht von allen als der Weisheit letzter Schluss angesehen wurde?

Die LafargeHolcim-Aktie seit April 2015 (Quelle: cash.ch)

Aus Sicht der Neuen Helvetischen Bank (NHB) handelt es sich mit dem Kurs-Tiefpunkt in der ersten Februarwoche in der Tat um eine massive Übertreibung nach unten. Nachdem der Kurs aber mittlerweile auf gut 45 Franken gestiegen ist, befindet sich die Aktie in etwa auf der Höhe der Kursziele, welche verschiedene Analysten gesetzt haben. Kepler mit einem Kursziel von 61 Franken und die Deutsche Bank mit 70 Franken zeigen sich als einzige untypisch mutig, mit entsprechender Kauf-Empfehlung. Die Analystengemeinde insgesamt zeigt mit ihren Ratings keine einheitliche Linie, die einem Anleger eine klare Richtschnur geben könnte: Je nach Bank kann man sich ein Buy, Hold oder Sell aussuchen.

Das 2015-Ergebnis, das Mitte März veröffentlicht wurde, enthielt wegen hohen Abschreibern einen Milliardenverlust und löste ebenfalls gemischte Kommentare aus. Weder die Profitabilität des Zementkonzerns noch die Aussichten für das laufende Jahr wurden als besonders positiv eingestuft. Die gesättigten europäischen Märkte leiden unter mangelnder Auslastung, während die langjährigen Hoffungsträger Schwellenländer ebenfalls in die Krise gerutscht sind und bei LafargeHolcim für Schwankungen sorgen. Als Schwachpunkt gilt auch, dass LafargeHolcim die steigenden Kosten nicht vollumfänglich an die Kunden weitergeben kann.

Den Kursanstieg der Aktie hat das durchwachsene Jahresresultat hingegen nicht beendet. Als ermutigend wurde nach der Zahlenveröffentlichung schliesslich auch vermerkt, dass die Situation angesichts solch angespannter Zementmärkte schlechter sein könnte und dass LafargeHolcim unter anderem durch den kartellrechtlich erzwungenen Verkauf einiger Tochtergesellschaften Schulden abbauen kann. Der Plan ist, die Nettoverschuldung von 17 auf 13 Milliarden Franken zu reduzieren, um auf jeden Fall das Investment Grade zu erhalten.

Langfrist-Hoffnungen müssen sich erfüllen

Am 12. Mai stellt der im vergangenen Juli endgültig fusionierte schweizerisch-französische Konzern die Zahlen für das erste Quartal vor. Einen "Befreiungsschlag" und somit eine klare Perspektive, dass der Kurs weiter steigt, wird dies nicht bringen, zumal 5 Tage später der Ex-Dividendenhandel angesetzt ist, wodurch der Kurs um 1,50 Franken tiefer fällt.

Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis 2016 von 18,3 ist LafargeHolcim nicht tief bewertet und zudem höher als Konkurrent HeidelbergCement, der auf 14,5 kommt. Besser kommt dagegen LafargeHolcim bei der Dividendenrendite weg: 3,2 Prozent im Vergleich mit 1,6 Prozent bei HeidelCement.

Wer der LafargeHolcim-Aktie sein Vertrauen schenken will, muss indessen davon überzeugt sein, dass mehrere Langfristfaktoren positiv spielen werden. Dazu gehört, dass die angestrebten Synergien von 1,5 Milliarden Franken bezogen auf den Reingewinn ab dem dritten Jahr nach der Fusion (2018) erreicht werden - zu diesem Punkt bestehen Zweifel, zumal die Integration der beiden Unternehmen Lafarge und Holcim erst gerade begonnen hat. Besser sieht es aus beim Free Cash Flow, der über die nächsten Jahre verbessert werden dürfte.

Schliesslich muss LafargeHolcim in der Lage sein, die Preismacht zu setzen; Ausserdem darf sich das Unternehmen weder durch politische Risiken vor allem in den Schwellenländern noch durch rechtliche Aspekte wie die im Bauwesen häufig anzutreffenden Korruptions- und Kartelluntersuchungen aus der Bahn werfen lassen.