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Was steckt hinter dem Anstieg der Also-Aktie?

Die Aktie des Luzerner IT-Distributors Also ist in den letzten Monaten massiv gestiegen. Die Firma kann sich in einem schwierigen Marktumfeld erstaunlich gut halten. Das ist aber nicht der Haupt-Kurstreiber der Aktie.
23.12.2015 13:17
Von Pascal Züger
Sitz der Also Holding in Emmen, Kanton Luzern.
Sitz der Also Holding in Emmen, Kanton Luzern.
Bild: www.also.com

Die Aktien des IT-Dienstleisters Also - der unter anderem die Distribution des neuen iPhone in der Schweiz und in anderen Ländern übernommen hat - haben in diesem Jahr eine erstaunliche Performance von plus 32 Prozent hingelegt. Da haben die beiden grössten Konkurrenten Tech Data und Ingram Micro (beide aus den USA) mit einer Jahresperformance von plus 4 Prozent respektive plus 11 Prozent deutlich das Nachsehen.

Auffallend ist auch die etwas spezielle Kursentwicklung der Also-Aktie während des Jahres: Nachdem die Titel zwischen Ende Februar und Mitte Oktober stagniert hatten, setzten sie anschliessend zu einer Jahresendrallye an, während welcher der Aktienwert in nur zwei Monaten um 18 Prozent nach oben schoss. Diese Entwicklung ist in folgender Grafik klar ersichtlich:

Jahresperformance 2015 der Also-Aktie (Quelle: cash.ch)

Um den Kursanstieg nachvollziehen zu können, ist ein Blick auf die Aktionärsstruktur hilfreich: Der Anteil handelbarer Also-Aktien ist sehr gering. Hauptaktionär ist mit 51,3 Prozent Walter Droege aus Düsseldorf, Schindler hält 28,2 Prozent, zusätzlich gibt es noch einige Fonds, die schon länger investiert sind und weitere geschätzte 10 Prozent in festen Händen halten. Schlussendlich verbleiben weniger als 10 Prozent der Aktien für den freien Umlauf. Das schränkt die Attraktivität des Titels massiv ein. Bisher.

Denn schon bald wird sich der "Free-Float" auf 40 Prozent erhöhen. Ende Mai 2013 hatte Schindler eine Umtauschanleihe mit einer Laufzeit von 4 Jahren platziert. Besitzer dieser Obligation haben das Recht, bis zum 26. Mai 2017 eine Umwandlung in Also-Aktien vorzunehmen. Werden sämtliche Obligationen umgetauscht, dann hat Schindler praktisch seine komplette Beteiligung an Also abgestossen.

Derzeit hat aber noch keiner der Besitzer dieser speziellen Anleihe die Umtausch-Option eingelöst. Das heisst: Noch sind alle Aktien bei Schindler. Eigentlich erstaunlich, denn beim Umtausch würde der neue Also-Aktionär eine 15-Prozent-Prämie kassieren, da der anfänglich implizite Umtauschpreis der Anleihe auf 60,24 Franken je Also-Aktie festgelegt wurde und die Aktie nun bei knapp 69 Franken notiert.

Das erklärt übrigens den Kursanstieg seit Oktober: Seit die Also-Aktie über 60 Franken notiert, rechnet der Markt damit, dass Schindler seine Also-Aktien abstossen kann, da sich ein Umtausch für Obligationenbesitzer finanziell lohnt. Entsprechend gab dies dem Kurs einen noch immer anhaltenden Auftrieb.

Schindler selbst liess eine Anfrage von cash, ob der Konzern nun damit rechnet, sämtlich Anteile an der Also Holding AG abstossen zu können, unbeantwortet.

Warten auf weitere Kursanstiege?

Über die Gründe, weshalb noch kein Umtausch stattfand, kann nur spekuliert werden. Inhaber der Schindler-Obligation könnten auf einen weiteren Kursanstieg setzen und deshalb noch bei der sichereren Anleihe bleiben, die jährlich einen Zins von 0,375 Prozent abwirft.

Andererseits ist eine Umwandlung der Schindler-Umtauschanleihe in Aktien gar nicht notwendig, um am Kursgewinn zu partizipieren. Denn just seit dem starken Kursanstieg ab Oktober hat auch die Schindler-Umtauschanleihe massiv an Wert dazugewonnen, wie folgende Darstellung zeigt:

Jahresperformance der Umtauschanleihe von Schindler  (Quelle: cash.ch)

Der aktuelle Wert von 112 Prozent der Umtauschanleihe könnte den Obligationär dazu bewegen, die Anleihe zu diesem guten Kurs ganz zu verkaufen, anstatt von der Umwandlung Gebrauch zu machen. So ist er nicht dem Risiko der Aktie ausgesetzt und kann auch die steuertechnischen Konsequenzen umschiffen, die bei der Umwandlung von nicht-klassischen Anleihen anfallen. Es ist möglich, dass viele Bond-Besitzer den Umtausch erst nahe dem Verfallsdatum im Mai 2017 ausüben wollen und derzeit einen Verkauf der Anleihe einem Umtausch in Aktien bevorzugen.

Für interessierte Anleger bedeutet dies, dass Also-Titel zunächst noch wenig liquid bleiben, aber spätestens im Mai 2017 - dem letzten Umtauschtermin der Anleihen in Aktien - wohl ihren Streubesitz massiv ausweiten werden. Diese Aussicht vor Augen, ist ein mittelfristiges Engagement bei Also durchaus interessant. Ausserdem ist das KGV 2016 von 12 trotz starkem Kursanstieg noch immer auf einem tiefen Niveau.

Die Zukunft gehört den IT-Dienstleistungen

Auch operativ ist der Luzerner Konzern gut unterwegs. "Also hat über das ganze Jahr ein solides Ergebnis erzielt, trotz Turbulenzen in verschiedenen IT-Märkten", sagt dazu Panagiotis Spiliopoulos, Analyst bei der Bank Vontobel, auf Anfrage von cash. Sei eines der Produkte schwächer, könne dies gut anderweitig kompensiert werden. Hinzu kämen einige erfolgreiche Akquisitionen in den letzten Jahren.

Derzeit ist bei Also – wie auch bei den meisten anderen Distributoren – ein Wandel vom Hardware-Verteiler hin zum Geschäft mit Services zu beobachten. Solche Dienstleistungen hätten eine höhere Profitabilität, so Spiliopoulos, "der Anteil dieses Geschäfts am Umsatz ist derzeit aber noch klein". Genaue Zahlen veröffentlicht Also dazu nicht.

Ein wichtiges Werkzeug im Bereich Services ist die sogenannte Cloud. Dies ist eine digitale Plattform, auf denen Dienstleistungen bezogen werden können. Im November 2015 kündete Also eine Partnerschaft mit dem britischen Unternehmen Westcoast im Bereich Microsoft Cloud Solution Provider (CSP) an. Die beiden Firmen eröffnen zusammen einen Cloud Marktplatz mit zahlreichen Dienstleistungen wie etwa Microsoft Office 365, Azure und Dynamics CRM.