Was steckt hinter dem Januar-Effekt?

Im Januar, im Januar... ist alles steif und starr. Diese Bauernregel von Emil Steinberger trifft für den ersten Börsenmonat des Jahres aus mehreren Gründen nicht zu.
10.01.2014 13:40
Von Ivo Ruch
Wettermässig lässt der Januar auf sich warten.

Der Januar gilt vielmehr als heisser Börsenmonat mit hohen Umsätzen und deutlichen Kursavancen. Im Fachjargon ist diese Aufwärtsbewegung als Januar-Effekt bekannt. Ganz allgemein besagt er, dass Aktien im Januar besser performen als in den Monaten Februar bis Dezember.

Und auch dieses Jahr dürfte sich der Januar-Effekt bewahrheiten. Zwar ist der aktuelle Börsenmonat noch jung. Und doch schält sich am Schweizer Markt bereits ein positiver Start heraus, nachdem der Swiss Market Index (SMI) seit Jahresbeginn mehr als 2 Prozent zugelegt hat.

Einzelne Titel an der Schweizer Börse sind gar so stark angestiegen, dass sich ein Januar-Effekt geradezu aufdrängt. Die SMI-Schwergewichte Roche und Novartis haben beide in diesem Jahr mehr als 3 Prozent zugelegt und auch die Bankentitel UBS (+ 8 Prozent) und Credit Suisse (+ 7 Prozent) sind furios ins Jahr gestartet.

Ein anderes Bild zeigt sich bislang an den internationalen Handelsplätzen. Die wichtigsten Indizes wie der Dow Jones (-0,8 Prozent), der Dax (-0,8 Prozent) und der Nikkei (-2,3 Prozent) notieren nach den ersten Handelstagen im Minus.

Der Nobelpreis-Effekt

Und doch deuten mehrere empirische Untersuchungen darauf hin, dass in den meisten Jahren ein signifikanter Januar-Effekt festgestellt werden kann. Auch eine Bachelor-Arbeit der Universität Zürich kommt zum Schluss, dass zwischen 2000 und 2012 die Aktien des Swiss Performance Index (SPI) im ersten Monat des Jahres in der Regel bedeutend stärker ansteigen als im Rest des Jahres.

Besonders ausgeprägt ist der Januar-Effekt bei Titeln mit tiefer Marktkapitalisierung, wie eine Studie von Marc Reinganum zeigt. Am Beispiel des amerikanischen Marktes kommt der Chefstratege von State Street zum Schluss, dass die Aktien der kleinsten fünf Prozent der Unternehmen die Kurse der grössten fünf Prozent im Januar regelmässig überflügeln.

Das zeigt sich zurzeit bei einzelnen SPI-Titeln besonders deutlich. Die Evolva-Aktie beispielsweise hat seit Jahresbeginn 36 Prozent zugelegt. Aber auch die Titel von Meyer Burger, Myriad und Gurit haben allesamt in diesem Jahr bereits mehr als 15 Prozent dazugewonnen.

Window-Dressing und Neupositionierung

Mit Unterbrechungen lasse sich dieser Trend für die vergangenen 90 Jahre belegen. Dazu passt auch, dass der MSCI World Small Cap Index den MSCI World Index in den letzten drei, fünf und zehn Jahren überflügelt hat. Für ähnliche Forschungen bekam der amerikanische Ökonom Eugene Fama 2013 den Wirtschaftsnobelpreis.

Thomas Steinemann, Anlagechef der Bellerive-Bank nennt zwei Gründe für die Existenz des Januar-Effekts: Erstens haben institutionelle Anleger Anfang Jahr neue Gelder zur Verfügung, die sie investieren können. Hinzu kommt das "Window Dressing", bei dem das Portfolio zum Jahresende durch den Verkauf unpopulärer Small Caps, von Underperformern und wenig aufregenden Value-Titeln "verschönert" wird. Weil im Januar diese Verkäufe häufig rückgängig gemacht werden, tragen diese Manöver zum Januar-Effekt bei. Und wegen ihrer vergleichsweise geringen Handelsvolumina werden die Kurse kleinerer Titel dabei stärker beeinflusst.

Wenig Spielraum nach oben?

2013 trat der Januar-Effekt im SMI zweifelsfrei ein. Der Leitindex nahm damals Anlauf zu einem Steigerungslauf und legte im Monatsverlauf 8,5 Prozent zu – die beste Monatsperformance des Jahres. Dieser Schub hielt bis zum 22. Mai an, als der Leitindex mit einem Gewinn von 23 Prozent das Jahreshoch bei 8411 Punkten erreichte.

Eher skeptisch gegenüber einem bevorstehenden Januar-Höhenflug an der Schweizer Börse ist Panagiotis Spiliopoulos. Der Research-Leiter der Bank Vontobel sagt im cash-Börsen-Talk, aus Bewertungssicht habe der Schweizer Markt wenig Spielraum nach oben und sei rund fünf bis sechs Prozent zu hoch bewertet.

Ob Bauern- oder Börsenregel: Anleger sollten in erster Linie auf ihre eigenen Entscheidungen vertrauen.