Was stimmt nicht mit dem Dollar?

Die relative Dollar-Schwäche will nicht so recht ins Bild passen. Was dahinter steckt, und wie es mit dem Dollar weitergeht.
23.08.2013 06:48
Von Frédéric Papp
Der Dollar ist zurzeit schwach auf der Brust.
Der Dollar ist zurzeit schwach auf der Brust.

In den letzten drei Monaten hat sich der Dollar gegenüber dem Franken um knapp 6 Prozent abgewertet. Mit 0,917 Franken erreichte der Greenback am Mittwoch den tiefsten Stand seit Februar. Auch im Vergleich zum Euro lahmt der Dollar. Die Wertverminderung in den letzten drei Monaten beträgt rund 4 Prozent. Am Donnerstag konnte der Greenback wieder leicht zulegen.

Obwohl solche kurzfristigen Kursausschläge nicht überinterpretiert werden dürfen, ist die Dollarschwäche dennoch erstaunlich, in Anbetracht des ökonomischen Gesamtbildes.

So ist das Wirtschaftswachstum in den USA höher als in den meisten anderen Industrieländern und die Inflationsraten bewegen sich in etwa auf einem ähnlichen Niveau wie in Europa. Auch die Zinsen am langen Ende sind im Dollarraum höher als in Europa oder der Schweiz. Seit der Ankündigung der amerikanischen Notenbank Fed im Mai, die Anleihenkäufe womöglich zurückzufahren, sind die US-Kapitalzinsen deutlich gestiegen.

Investoren bleiben dem Bondmarkt fern

Steigende Zinsen ziehen in der Regel Investoren an, doch nicht immer: "Die höheren Zinsen führen zu einem Ausverkauf am US-Bondmarkt und setzen den Dollar unter Druck", sagt UBS-Währungsexperte Thomas Flury zu cash.

Der Zinsanstieg liess die Renditen im amerikanischen Bondmarkt ansteigen. In der Folge korrigierten die Kurse der US-Staatsanleihen deutlich. Anleihen mit einer Restlaufzeit von zehn Jahren und länger haben in den vergangenen zwölf Monaten 14 Prozent eingebüsst. Das ist der grösste Verlust unter den 174 Bond-Indizes, die von Bloomberg und der European Federation of Financial Analysts Societies (EFFAS) abgebildet werden.

"Stabilisieren sich die Zinsen, dann wird der Bondmarkt in den USA für Investoren attraktiver, was den Dollar wieder stärken sollte", sagt Flury. Auch Chefökonom Martin Hüfner von Assenagon Asset Management, schreibt in seinem aktuellen Wochenkommentar, dass sich der Markt auf die Fundamentaldaten besinnen und sich der Dollar in den kommenden Monaten befestigen werde.

Europa zwar besser, aber …

Zu beobachten ist auch eine verstärkte Kapitalzufuhr in den Euroraum, aufgrund überraschend guter Wirtschaftsdaten. So hat sich die Stimmung der Einkaufsmanager in der Eurozone im August stark aufgehellt. In Deutschland erreichte die Stimmung in der Industrie den höchsten Stand seit zwei Jahren.

Allerdings macht eine Schwalbe noch lang keinen Frühling. Der Gemeinschaftswährung drohen bald wieder volatilere Zeiten. So werden nach den deutschen Wahlen am 22. September einige ungelöste Fragen über die Zukunft des Euro aufs Tapet gebracht, welche die Finanzmärkte verunsichern werden - Stichwort Schuldenschnitt in Griechenland, Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Rechtmässigkeit der EZB-Anleihenkäufe, Euro-Bonds.

Dollar-Verkäufe bei Schwellenländern

Diverse Schwellenländer haben seit Monaten ihre arg gebeutelten Währungen mit Käufen auf dem Devisenmarkt gestützt. Meist haben sie dafür Dollars verkauft, was zur Spekulation führte, der USD sei deswegen schwach gegenüber dem Euro. Flury hält von dieser Theorie wenig: "Die Handelsvolumen sind dafür viel zu gering."

Die indische Rupie verzeichnete in den letzten vier Wochen die weltweit schlechteste Entwicklung unter den wichtigen Währungen. Im bisherigen Jahresverlauf hat sie 16 Prozent an Wert verloren. Vor allem ausländische Investoren ziehen angesichts des stockenden Wirtschaftswachstums in Indien ihr Kapital ab und kaufen lieber amerikanische sowie europäische Werte (zum Artikel).