Weg von der Börse? - Schindler-Verwaltungsratspräsident: «Going Private ist eine Option»

Für Silvio Napoli, Verwaltungsratspräsident des Aufzugs- und Fahrtreppenherstellers Schindler, stimmt das Verhältnis zwischen Kosten und Nutzen einer Börsenkotierung nicht mehr.
13.07.2018 17:31
Schindler-Turm am Hauptsitz in Ebikon LU.
Schindler-Turm am Hauptsitz in Ebikon LU.
Bild: ZVG

"Die Rechnungslegung ist viel komplexer, aber deswegen nicht transparenter geworden", sagte Napoli in einem Interview mit der "Finanz und Wirtschaft" (Vorabdruck Ausgabe vom 14. Juli).

"Die Hälfte der Regeln ist nur für Experten verständlich, wir nehmen sie zunehmend als Handicap wahr", so Napoli weiter zu diesem Thema. "Ein Going Private ist eine Option." Es würde dem Unternehmen viel Freiheit zurückgeben, wäre im Moment allerdings "extrem teuer". "Konkrete Pläne haben wir keine in der Schublade", fügte er an.

Auf die Frage, ob eine Einheitsaktie ein Thema wäre, meinte er: "Das Thema Einheitsaktie wird jeweils verbunden mit Aktionärsdemokratie und dem Slogan 'eine Aktie gleich eine Stimme'. Das ist eine falsche Debatte. Wieso sollte jeder Teilhaber eine Stimme haben? Als Bürger zahlt man Steuern, man hat Rechte - aber auch Pflichten. Ein Aktionär hat nur Rechte..."

Einem neuen Aktienrückkauf steht Napoli eher skeptisch gegenüber. "Der ganze Markt ist sehr hoch bewertet. Wir kaufen auch keine anderen Aktien, im Gegenteil." Die Liquidität in der Bilanz gebe dem Unternehmen die Freiheit, strategische Investitionen in Wachstum und neue Technologien problemlos zu finanzieren.

Angesprochen auf die Auswirkungen eines möglichen Handelskriegs, erklärte Napoli: "Unsere Strategie lautete stets, dort zu produzieren, wo wir verkaufen." Nur ein kleiner Teil der Produkte werde exportiert. "Wir schätzen die Auswirkungen auf das Ergebnis mit weniger als 10 Millionen Franken als sehr begrenzt ein."

(AWP)