Wegen MiFID II-Vorschriften - Barclays-Trio gründet Research-Startup

Drei Analysten von Barclays in New York haben die Bank verlassen, um ihre eigene Gesellschaft zu gründen, angesichts der erwarteten Umwälzungen durch europäische Vorschriften, die ein kostenfreies Research verbieten.
01.07.2017 13:15
Barclays-Filiale in London.
Barclays-Filiale in London.
Bild: cash

Das hat Bloomberg von Personen erfahren, die mit der Angelegenheit vertraut sind. Scott Davis, Carter Copeland und Rob Wertheimer haben demnach in dieser Woche gekündigt, um eine Boutique mit dem Namen Melius Research LLC zu gründen. Davis, der von Institutional Investor zum besten Analysten in seiner Branche gekürt wurde, deckt Industriewerte wie General Electric ab. Copeland verfolgt Fluglinien, während Wertheimer Maschinenbauunternehmen wie Caterpillar beobachtet.

Ein Barclays-Sprecher in den USA wollte keinen Kommentar abgeben. Davis, Copeland und Wertheimer konnten für einen Kommentar nicht erreicht werden, beziehungsweise wollten keine Stellungnahme abgeben.

Die MiFID II-Vorschriften der EU sollen Interessenkonflikte eliminieren, indem Vermögensverwaltern auferlegt wird, Handelsprovisionen von Investment-Research-Gebühren zu trennen. Das Gesetz dürfte, wenn es am 3. Januar 2018 eingeführt wird, zu Umwälzungen in der Branche führen. McKinsey & Co. schätzt , dass Investoren ihre Analyse-Ausgaben um mehr als 1 Mrd $ kürzen werden, während Banken ihre Research-Abteilungen schrumpfen oder auflösen werden, was Hunderte von Analysten ihren Job kosten wird.

Übernehmen US-Vermögensverwalter die neuen europäischen Standards?

Die drei Analysten haben beschlossen, ihren eigenen Weg zu gehen, weil sie glauben, dass US-Vermögensverwalter die neuen europäischen Standards übernehmen werden, berichtete eine der informierten Personen. Die McKinsey-Studie prognostiziert, dass die Einnahmen der Banken aus Research um 30 Prozent fallen dürften, da die Investoren wählerischer werden für was sie zahlen, wobei die meisten nur bereit sind, für Spitzen-Analysten Geld locker zu machen.

Melius, mit Sitz in New York, wird anfangs etwa 15 Personen beschäftigen. Es werde erwogen, weitere Analysten einzustellen, um die Abdeckung auf die Bereiche Energie und Gesundheitsfürsorge auszudehnen, sagte eine der Personen. Die Gründer ziehen eine zweistufige Preisstruktur in Betracht, die einen Nur-Lese-Modus und ein vollständiges Service-Paket umfasst, das Konferenzen, Unternehmensbesuche und mehr Zugang zu Analysten und Unternehmenslenkern beinhaltet, heisst es weiter.

Basierend auf den derzeit durchschnittlichen Marktpreisen könnte Melius etwa 15.000 Dollar pro Monat für den Nur-Lese-Modus verlangen, und bis zu 40.000 Dollar für das Gesamtpaket, wie es weiter hiess.

(Bloomberg)