Wegen Nachahmermedikamenten - Ein weiterer Analyst zieht bei Roche den Stecker

Roche erfreut sich grosser Beliebtheit. Dennoch hat der Pharmakonzern seit Mitte Mai knapp 10 Prozent des Börsenwerts verloren. Nun beginnt das Lager der zuversichtlich gestimmten Analysten zu bröckeln.
30.06.2017 08:29
Von Lorenz Burkhalter
Es ziehen Wolken über dem Hauptsitz von Roche auf.
Es ziehen Wolken über dem Hauptsitz von Roche auf.
Bild: Bloomberg

Genau zehn Tage ist es her, seit die Pharmaanalystin von BNP Paribas den Genussschein von Roche von "Outperform" auf "Neutral" herunterstufte und das Kursziel auf 250 (bisher 290) Franken zusammenstrich. Produktseitige Rückschläge hätten die Vorreiterrolle des Basler Pharma- und Diagnostikkonzerns zunichte gemacht, hiess es damals.

Heute Freitag legt nun ihr für die Société Générale tätige Berufskollege nach. In einer Unternehmensstudie nimmt er sein Anlageurteil für den Genussschein von "Buy" auf "Hold" zurück. Nach einer einschneidenden Reduktion der Gewinnschätzungen um bis zu 12 Prozent lautet das 12-Monats-Kursziel gerademal noch 275 (bisher 330) Franken.

Die Innovationskraft von Roche reiche nicht mehr länger aus, um die Umsatzerosion durch günstigere Nachahmerprodukte abwenden zu können, schreibt der Studienautor. Seines Erachtens wird den Baslern aufgrund dieser sogenannter Biosimilars in den kommenden Jahren ein kalter Wind um die Ohren wehen.

Wenigstens bleiben die Dividendenaussichten intakt

Der Sogenal-Analyst geht sogar noch einen Schritt weiter, und sieht den Genussschein von Roche sogar die Rolle des Anlegerlieblings bei den europäischen Pharmaaktien einbüssen. Die auf absehbare Zeit unterdurchschnittlichen Gewinnaussichten würden den Bewertungsaufschlag gegenüber anderen Rivalen jedenfalls nicht mehr länger zu rechtfertigen, so lässt er durchblicken.

Der Genusschein von Roche (rot) im Einjahresvergleich mit dem SMI (grün) (Quelle: www.cash.ch)

Entspannt gibt man sich bei der französischen Grossbank immerhin, was die zukünftige Dividendenpolitik des traditionsreichen Pharma- und Diagnostikkonzerns anbelangt. Der Studienautor erwartet über die nächsten drei Jahre eine schrittweise Erhöhung der Ausschüttung von 8,20 auf 9,49 Franken je Aktie oder Genussschein. Das entspricht aus heutiger Sicht immerhin einer Dividendenrendite von 3,8 Prozent.

Roche noch immer eines der beliebtesten Unternehmen der Schweiz

Andere Berufskollegen gehen bis in drei Jahren sogar von einer Ausschüttung von mehr als 10 Franken je Titel aus. Sollten sich die günstigeren Nachahmerpräparate wie befürchtet bei Schlüsselmedikamenten wie Rituxan, Herceptin und Avastin in die Umsätze hineinfressen, wären diese Analysten ziemlich sicher zur Reduktion dieser Dividendenschätzungen gezwungen. Alle diese milliardenschweren Präparate sind vom Patentablauf betroffen. Ab dann dürfen die Anbieter von Nachahmermedikamenten ihre Biosimilars auf den Markt bringen.

Wie Erhebungen der Nachrichtenagentur AWP verraten, zählt Roche noch immer zu den beliebtesten Unternehmen der Schweiz. Selbst nach der Herunterstufung durch die Société Générale raten noch immer 16 Banken zum Kauf des Genussscheins. Die HSBC ist mit ihrer Verkaufsempfehlung hingegen allein auf weiter Flur. Das durchschnittlich bei 278 Franken liegende Kursziel lässt auf ein Aufwärtspotenzial von immerhin 12 Prozent schliessen.

Das lässt sich auch damit erklären, dass der Genussschein alleine seit Mitte Mai nahezu 10 Prozent eingebüsst hat. Damit errechnet sich für die Zeit seit Jahresbeginn nur noch ein mageres Plus von 6 Prozent. Auf den nächstjährigen Schätzungen der Société Générale weist Roche aktuell ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von knapp 15 auf, was im langjährigen Durchschnitt liegt. Dennoch schliessen Händler nicht aus, dass weitere Analysten das Handtuch werfen könnten.