Wegen Politik - Deutsche Bank senkt Multi-Asset-Fonds auf Rekord-Tief

In Bezug auf Europa ist Deutsche Asset Management bei Multi-Asset-Fonds vorsichtiger positioniert als je zuvor.
19.02.2017 15:37
Gebäude der Deutschen Bank an der Berliner Charlottenstrasse.
Gebäude der Deutschen Bank an der Berliner Charlottenstrasse.
Bild: cash

Das Niedrig-Rendite-Umfeld der Region und die Unsicherheit vor einer Reihe von Wahlen in diesem Jahr haben den Investmentbereich der größten deutschen Bank bewogen, seine europäischen Positionen in den Fonds auf den bisher niedrigsten Wert zu reduzieren. Das potenzielle Risiko eines negativen Ergebnisses bei den Wahlen sei zu wenig eingepreist, sagte Multi-Asset-Fondsmanager Christian Hille in einem Telefoninterview. Angesichts des Zinsniveaus und des Niveaus der Zinsdifferentiale sei es attraktiver in Aktiva außerhalb Europas zu investieren.

Deutsche Asset Management, eine Tochtergesellschaft der Deutsche Bank AG, hat den Anteil ihrer europäischen Positionen in ihrem 100 Mrd. Euro schweren Multi-Asset-Portfolio reduziert verglichen mit normalerweise mehr als die Hälfte, berichtet Hille. Das Wahl-Risiko ist ein weiterer Grund für globale Investoren, sich von europäischen Aktiva fernzuhalten, die bereits wegen flauen Wachstums und der niedrigsten Bondrenditen weltweit unattraktiv geworden sind. In den Niederlanden, Frankreich und Deutschland stehen in diesem Jahr Wahlen an, populistische Kandidaten heizen Befürchtungen über ein Auseinanderbrechen des Euroraums an.

Nach der überraschenden Wahl von US-Präsident Donald Trump und dem britischen Brexit-Referendum im vergangenen Jahr sei es schwierig, anhand von Meinungsumfragen das Ergebnis zu prognostizieren, sagte Hille. Die Europäische Kommission hat am Montag gewarnt, dass die Projektionen für die Konjunkturerholung in der Europäischen Union mit "außergewöhnlich hohen Risiken behaftet sind".

Hille bevorzugt den Dollar sowie Dollar-Anleihen von Schwellenländern und von als spekulativ eingestuften US-Unternehmen. Das stotternde Wachstum in den 19 Euroraum-Ländern, das langsamer steigen dürfte als von Brüssel vor einem Jahr prognostiziert, spiegelt die Differenz von 210 Basispunkten zwischen den Treasury-Renditen und den Renditen deutscher Bundesanleihen wider.

Zwar ist Hille der Meinung, dass europäische Aktien fundamental gesehen recht attraktiv ausschauen. Jedoch zögert er angesichts des bestehenden Wahlrisikos, Positionen einzugehen. Der Stoxx Europe 600 Index notiert in der Nähe des niedrigsten Kurs/Buch-Verhältnisses seit 2003 im Vergleich zu US-Aktien. Viele Investoren würden abwarten, bis Klarheit bei den Wahlen bestehe, sagte Hille. Sobald diese Ungewissheit weg sei, gebe es sicherlich Argumente für mehr europäische Aktien.

(Bloomberg)