Weihnachtsquartal - Bei Richemont-Aktionären kommt die Festtagsstimmung nachträglich

Die Quartalsumsatzzahlen bewegen sich bei Richemont bloss im Rahmen der Erwartungen. Im hochrentablen Schmuckgeschäft weiss der Luxusgüterkonzern aber zu überzeugen. Das verleiht der Aktie Flügel.
17.01.2020 10:59
Von Lorenz Burkhalter
Schriftzug der Richemont-Marke Cartier in der 101 Shopping Mall in Taipei.
Schriftzug der Richemont-Marke Cartier in der 101 Shopping Mall in Taipei.
Bild: cash/mfo

Bei Richemont gilt das Weihnachtsquartal als das wichtigste des Jahres. Der Luxusgüterkonzern erzielt knapp einen Drittel des Jahresumsatzes und sogar noch mehr des Jahresgewinns in den Monaten Oktober bis Dezember.

Und tatsächlich dürften bei den Aktionären am frühen Freitagmorgen dank soliden Quartalsumsatzzahlen nachträglich noch so etwas wie Festtagsstimmung aufkommen. Auf den ersten Blick liegt der Umsatz für das Weihnachtsquartal mit 4,16 Milliarden Euro zwar nur leicht über den Analystenschätzungen von 4,12 Milliarden Euro.

Bei näherem Hinschauen fällt jedoch auf, dass nicht nur das Uhrengeschäft, sondern auch das als hochrentabel geltende Schmuckgeschäft deutlich besser als erwartet abgeschnitten hat. Gebremst wurde diese Entwicklung ausgerechnet vom für viel Geld aufgebauten Online-Vertrieb. Zudem verweisen Händler darauf, dass einige Analysten ihre Schätzungen aufgrund der Proteste in Hongkong im Vorfeld der Umsatzveröffentlichung noch nach unten genommen hätten (cash berichtete) und die Erwartungen dadurch nicht sonderlich ambitioniert gewesen seien.

Analysten feiern das starke Abschneiden im Schmuckgeschäft

Unter dem Strich kommen die Neuigkeiten bei den Anlegern aber sehr gut an. Nach einem Vorstoss auf 81,54 Franken gewinnt die Richemont-Aktie zur Stunde noch 5 Prozent auf 81 Franken. Damit macht sie die Verluste vom Vortag (-1,3 Prozent) locker wett. Im Windschatten davon legt die Inhaberaktie der Swatch Group um 2,5 Prozent auf 279 Franken zu.

Wie die UBS schreibt, hat sich Richemont angesichts des schwierigen Branchenumfelds wacker geschlagen. Positiv hebt die grösste Schweizer Bank insbesondere das deutlich besser als erwartet ausgefallene Wachstum im Schmuckgeschäft hervor. Etwas enttäuscht gibt man sich bei der UBS einzig, was die Wachstumsflaute im Online-Vertrieb betrifft. Noch lautet das Anlageurteil für die Aktie allerdings "Sell ". Und auch das 12-Monats-Kursziel liegt bei gerade mal 67 Franken.

Die Bank Vontobel erhofft sich im Zuge des starken Abschneidens im hochrentablen Schmuckgeschäft positive Auswirkungen auf die Margenentwicklung von Richemont. Während der Luxusgüterkonzern auf Gruppenebene eine operative Marge (EBIT) aufweist, erzielt er im Schmuckgeschäft gar eine Marge von 31,5 Prozent. Als "Sorgenkind" bezeichnet die Zürcher Bank hingegen den Online-Vertrieb. Nichtsdestotrotz empfiehlt sie die Richemont-Aktie mit einem Kursziel von 84 Franken zum Kauf.

Während für die meisten Banken die beiden Geschäftszweige Online-Vertrieb und Schmuck im Zentrum des Interesses stehen, gewinnt die Zürcher Kantonalbank auch dem Uhrengeschäft positive Aspekte ab. Dieser Geschäftszweig habe sich angesichts des Umsatzeinbruchs in Hongkong überraschend gut gehalten, so schreibt sie und stuft die Aktie mit "Marktgewichten" ein.

Aktionäre dürfen fürs Erste aufatmen

Obwohl die Aktie von Richemont im Börsenjahr 2019 immerhin um 21 Prozent zulegen konnte und damit jene der Swatch Group in den Schatten stellte, gelten die Aktionäre des Genfer Luxusgüterkonzerns nicht gerade als erfolgsverwöhnt. Ende Juli wartete Richemont mit einem schwachen Ergebnis fürs Geschäftsjahr 2018/19 auf, gefolgt von einem enttäuschenden Zwischenbericht Mitte September und nicht weniger enttäuschenden Halbjahreszahlen Anfang November. In allen drei Fällen erlitt die zuvor starke Richemont-Aktie einen empfindlichen Kursrückschlag.

Allerdings dürfen die Aktionäre diesmal erleichtert aufatmen, kann sich die Umsatzentwicklung im wichtigen Weihnachtsquartal doch sehen lassen. Fragezeichen gibt es bloss in Bezug auf die Margenentwicklung, wobei das starke Abschneiden im hochrentablen Schmuckgeschäft ermutigend ist.