Weiterhin tiefe US-Zinsen geben Schweizer Börse Schub

Die Aussicht auf weiterhin tiefe Zinsen in den USA hat am Donnerstag die Schweizer Börse beflügelt. Gefragt waren vor allem zyklische Werte und Finanztitel.
22.09.2016 17:30
Uhrengeschäft in Luzern: Die Aktien der Uhrenkonzerne waren am Donnerstag gesucht.
Uhrengeschäft in Luzern: Die Aktien der Uhrenkonzerne waren am Donnerstag gesucht.
Bild: cash

Der SMI baute seine Gewinne im Handelsverlauf stetig aus und notierte um 1 Prozent höher bei 8309 Punkten. Damit hat der Leitindex einen Grossteil der jüngsten Verluste wieder aufgeholt. Am Mittwoch hatte er um 0,1 Prozent tiefer geschlossen, weil sich Anleger vor der Zinsentscheidung der US-Notenbank zurückgehalten hatten.

Die Fed hatte bei ihrem Treffen wie erwartet auf einen weiteren Zinsschritt verzichtet: In einer intern umstrittenen Entscheidung beliess sie den Schlüsselsatz zur Versorgung der Banken mit Geld vorerst in einer Spanne von 0,25 bis 0,5 Prozent. Fed-Chefin Janet Yellen signalisierte jedoch, dass sie einen Schritt nach oben bis zum Jahresende wagen könnte: "Falls keine neuen grossen Risiken hinzukommen und alles auf Kurs bleibt", fügte sie hinzu.

Fed büsst an Glaubwürdigkeit ein

"Die Fed hat exakt das gemacht, was der Markt erwartet hat", sagte der Chefökonom der Saxo Bank, Steen Jakobsen. Allerdings büsse die Notenbank damit auch an Glaubwürdigkeit ein. Während sie zu Jahresbeginn noch mehrere Zinsschritte für das laufende Jahr in Aussicht gestellt habe, sei nun offen, ob es überhaupt eine Zinserhöhung in 2016 gebe.

Ein grosser Unsicherheitsfaktor für eine solchen Schritt noch im Dezember ist nach Einschätzung der liechtensteinischen VP Bank die US-Präsidentschaftswahl. "Sollte etwa Donald Trump die Wahlen gewinnen und sollten die Finanzmärkte darauf negativ reagieren, wird aus einer Leitzinserhöhung zum Jahresende wieder nichts", erklärte sie. Nach Ansicht der Analysten der Zürcher Kantonalbank (ZKB) ist eine Zinserhöhung im Dezember jedoch "mit grosser Wahrscheinlichkeit gesetzt".

Uhren- und Finanztitel gesucht

An den Börsen herrschte nicht Unsicherheit, sondern Erleichterung über eine gemächliche Gangart der Fed vor. Fast alle Standardwerte lagen im Plus. Besonders gefragt waren die Luxusgüterwerte Richemont und Swatch, die 3,8 und 3,2 Prozent zulegten. Sie hatten in den vergangenen Wochen deutlich an Wert verloren. Zudem standen konjunkturabhängige Werte wie der Zementkonzern LafargeHolcim, der Personalvermittler Adecco und die Sanitärtechnikfirma Geberit auf den Kauflisten. Ihre Aktien legten 3,9, 1,9 und 1,4 Prozent zu.

Die Titel von ABB gewannen 1,2 Prozent an Wert. Der Elektrotechnikkonzern hat Aufträge über 85 Millionen Dollar zur Optimierung des Stromnetzes in Quebec in Kanada erhalten.

Die beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse lagen 0,8 und 2,6 Prozent im Plus. Nach Einschätzung der Ratingagentur Fitch drohen europäischen Banken wegen Tricksereien am US-Immobilienmarkt deutlich geringere Strafen als die befürchteten 14 Milliarden Dollar für die Deutsche Bank. Die beiden Schweizer Grossbanken haben ihre Verfahren mit dem US-Justizministerium noch nicht abgeschlossen. Die Titel des Vermögensverwalters Julius Bär verloren 0,7 Prozent.

Die eher als defensive Investments geltenden Index-Schwergewichte hinkten dem Markt hinterher. Pharmawert Novartis legte 0,4 Prozent zu. Das Mittel KAF156 erwies sich in einer Studie gegen zwei Formen von Malaria als wirksam. Damit könne nun nach einer gross angelegten Phase-III-Studie eine neue Waffe im Kampf gegen die Infektion angeboten werden, erklärten die ZKB-Analysten. "Der kommerzielle Aspekt steht hier indes eher im Hintergrund, weil die Industrie oft zum Selbstkostenpreis liefert." Die Titel von Konkurrent Roche waren um 0,6 Prozent höher. Die Aktien des Lebensmittelkonzerns Nestle notierten 0,9 Prozent fester.

Am breiten Markt legten die Newron-Titel 4,6 Prozent zu. Das Pharmaunternehmen nimmt mit dem Medikament Xadago zur Behandlung von Parkinson in den USA einen neuen Anlauf und hat den Zulassungsantrag bei der Arzneimittelbehörde FDA eingereicht.

(Reuters)