Welche dieser Aktien schafft den Turnaround?

Brechen Aktien ein, ist dies ein «No Go» für Anleger. Doch machmal entpuppt sich dies auch als Chance, um günstig einzukaufen. cash analysiert fünf Schweizer Aktien.
06.08.2013 09:00
Von Frédéric Papp
Die Zeichen für einen Turnaround bei Logitech sind intakt.
Die Zeichen für einen Turnaround bei Logitech sind intakt.
Bild: Bloomberg

Investieren in sogenannte Turnaround-Kandidaten ist eine beliebte Anlagestrategie. Dabei handelt es sich um Unternehmen, die nach mehreren Quartalen roter Zahlen oder unterdurchschnittlicher Gewinne ihre Ertragskraft allmählich wieder zurückgewinnen – oder zumindest zur Hoffnung Anlass geben.

Je früher der Anleger eine solche Trendwende erkennt und in die Aktie einsteigt, desto lukrativer ist sein Investment. Doch gerade bei Turnaround-Investments gilt die Gleichung: hohes Kurspotenzial bedeutet auch hohes Kursrisiko. Anleger sollten deshalb nicht alles auf eine Karte setzen. Nicht empfehlenswert sind wahllos Aktien zu kaufen, die stark gefallen sind.

Logitech: "Wir sind dem Turnaround auf der Spur", sagte CEO Bracken Darrell an einer Analystenkonferenz nach der Präsentation der Quartalsergebnisse am 25. Juli.  Der Computerzubehörhersteller erreichte nach einem verlustreichen 2012 im ersten Quartal wieder die Gewinnzone. Und: Die Prognose für das laufende Jahr einen Umsatz von zwei Milliarden Dollar und ein operatives Ergebnis von 50 Millionen Dollar wurden bekräftigt. Die Logitech-Aktie sprang daraufhin zeitweilig über 10 Prozent in die Höhe. Innert Jahresfrist liegt aber immer noch eine deutliche Minusperformance vor (siehe Tabelle). Ob Logitech den Kurs halten kann, zeigt sich an den Zweitquartalszahlen am 24. Oktober. Tendenz: Aktien schrittweise kaufen.

Cicor: Eine Aktie, die in Vergessenheit geraten ist. Langsam wird sie aber als vielversprechender Turnaround-Kandidat entdeckt. Seit Mitte Juli nehmen die Handelsvolumen zu. Die international tätige Hightech-Industriegruppe kehrte 2012 wieder in die schwarzen Zahlen zurück. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet die Unternehmensleitung die Rückkehr zu Wachstum in allen Divisionen. Trotz der überdurchschnittlichen Kursperformance von knapp 5 Prozent in den letzten vier Wochen ist die Akte mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 7 sowie einem Kurs-Buchwertabschlag von rund 20 Prozent günstig bewertet. Das Unternehmen legt am 21. August den Halbjahresreport vor. Tendenz: Kursrückschläge für Käufe nutzen.

Calida: Eine klar unterdurchschnittliche Kursentwicklung zeigen auch die Valoren des Unterwäscheherstellers Calida. Doch die Ende Juli veröffentlichten Halbjahreszahlen übertrafen die Markerwartungen und erhöhen damit die Turnaround-Chancen. Gebremst wird Calida noch durch einen arbeitsrechtlichen Prozess in Frankreich. Dem Unternehmen wird vorgeworfen, 2009 missbräuchlich Kündigungen bei der Calida-Tochter Aubade ausgesprochen zu haben. Die Strafe: 2,1 Millionen Euro. Calida zieht das Urteil weiter und bildete Rückstellungen von 1,75 Millionen Euro. Weiter drückt auch der Halbjahresverlust von 60 Millionen Euro der Sportbekleidungsgruppe Lafuma, an der Calida mit gut 15 Prozent beteiligt ist, auf den Gewinn. Bei Lafuma ist aber laut Marktkennern die Basis für einen Turnaround gelegt. Die mittelfristigen Aussichten sind somit positiv und mit einem KGV von 10 (2014) ist der Titel attraktiv bewertet. Tendenz: Entwicklungen bei Aubade und Lafuma genau beobachten.

Publigroupe: Die Werbevermarkterin verkündete Mitte Juli eine Gewinnwarnung für das erste Halbjahr. Angesichts der besser als erwarteten Zahlen im 2012 und dem guten Auftakt ins 2013 kam dies überraschend und versetzte Turnaround-Hoffnungen einen herben Schlag. Die Aktie krachte in der Folge über 11 Prozent in den Keller. Sorgenkind Nummer eins ist die verlustträchtige Sparte Media Sales. Gelingt es der Unternehmensführung mit Arndt Groth an der Spitze die Sparte abzustossen oder deren Ertragskraft deutlich zu erhöhen, wäre das Vertrauen der Anleger wieder intakt. Doch Analysten geben sich diesbezüglich skeptisch. Risikotolerante Anleger mit einem langfristigen Anlagehorizont bietet das aktuelle Kursniveau aber durchaus Einstiegsmöglichkeiten. Tendenz: Informationen zur Publigroupe-Sparte Media Sales abwarten.

Charles Vögele: Die Inhaberaktien des Schwyzer Modekonzerns sind in den letzten vier Wochen um 17 Prozent in die Höhe geschossen, nachdem die Papiere Anfang Juli bei 7 Franken den tiefsten Stand in der Firmengeschichte markierten. Was genau hinter dem jüngsten Kursschub steckt, bleibt nebulös. Spekulationen im Markt gehen von einer Ergebnisüberraschung für die Halbjahreszahlen am 20. August aus – die aber des schlechten Frühjahrswetters wegen kaum eintreffen dürfte. Weiter hält sich im Markt hartnäckig die Hoffnung, die Migros als grösste Einzelaktionärin könnte das Zepter übernehmen. Weiter wird spekuliert, Käufer würden auf das Liegenschaftsportfolio von Vögele schielen, deren Verkehrswert weit höher als ausgewiesen ausfallen könnte. Fest steht: Charles Vögele ist weiter als alle anderen Kandidaten vom Turnaround entfernt. Tendenz: Hände weg!

Kursentwicklung der fünf Aktien

Titel Kursentwicklung seit 1.1.13 Kursentwicklung seit 52 Wochen
Swiss Performance Index 20% 26%
Logitech -4% -17%
Cicor 3% 0%
Calida -9% -1%
Publigroupe -33% -30%
Charles Vögele -43% -41%

Quelle: cash.ch, Stand: 5. August 2013