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Welche Firmen von der VW-Krise profitieren

Der VW-«Dieselgate» bringt nicht nur Verlierer hervor, es gibt auch Gewinner-Aktien. Europa-Spezialist Anis Lahlou nennt einige davon. Und der Fondsmanager macht auf Schweizer Unternehmen mit Euro-Fokus aufmerksam.
08.10.2015 01:05
Von Ivo Ruch, London
Anis Lahlou betreut einen Fonds mit europäischen Aktien bei J.P. Morgan Asset Management.
Bild: cash

Weltweit vollziehen die Aktienmärkte Kurskapriolen. Seit Wochen folgen auf negative Tage grosse Gewinne und umgekehrt. Gleichzeitig sind die Bilanzen der grossen internationalen Indizes für das laufende Jahr sehr unterschiedlich. Während der französische CAC 40, der japanische Nikkei oder der niederländische AEX-Index eine positive Performance zwischen 5 und 10 Prozent aufweisen, stehen der Dow Jones und der Swiss Market Index deutlich im Minus.

Ein Preisrutsch bei Rohstoffen, die Verlangsamung des Wachstums in China und den Schwellenländern sowie die laufend aufgeschobene Zinswende in den USA sind nur ein paar Themen, welche die Märkte momentan beschäftigen. Aus europäischer Sicht dürfte das so weitergehen, sagt Anis Lahlou, Spezialist für europäische Aktien bei J.P. Morgan Asset Management. "Bis wir wissen, was der Einfluss auf die Euro-Zone und Gesamteuropa ist", so der Fondsmanager im cash-Börsen-Talk.

Die Konjunktur in Europa gewinnt zwar allmählich an Fahrt, aber immer noch schleppend und - je nach Land - in Verbindung mit Risiken. Langfristig ist Lahlou jedoch optimistisch, was die europäischen Aktienmärkte angeht; nicht zuletzt aufgrund der andauernden Geldspritzen der Europäischen Zentralbank (EZB). Aber: Dass billiges Zentralbankengeld nicht automatisch steigende Aktienkurse mit sich bringt, war in den letzten Monaten zu beobachten. Seit Einführung des Quantitative Easing (QE) der EZB im März des laufenden Jahres haben europäische Aktien in Form des EuroStoxx50 knapp 10 Prozent verloren.

Kursverlauf des EuroStoxx50 im laufenden Jahr, Quelle: cash.ch

Grosses Thema an den europäischen Märkten bleibt der sogenannte "Volkswagen-Skandal". Europas grösster Autokonzern hatte eingeräumt, mit einem Computerprogramm die Abgaswerte bei Dieselwagen manipuliert zu haben. Weltweit sind nach Konzernangaben rund elf Millionen Fahrzeuge betroffen, davon auch Zehntausende in der Schweiz. Im Zuge der Diesel-Affäre wurde fast die Hälfte der VW-Marktkapitalisierung eliminiert. Aber auch andere Autohersteller wurden in Sippenhaft genommen.

Eine ganze Industrie im Umbruch

Für Anis Lahlou ist die grosse Unsicherheit rund um den Autosektor noch nicht vorbei, die negativen Nachrichten dürften anhalten. Denn noch stehen hohe Bussen in den USA und anderen Regionen an. "Die Rufschädigung von Volkswagen könnte sich auf die ganze deutsche Industrie auswirken." Und schliesslich könnten hohe Kosten auf die Autoindustrie zukommen, aufgrund von zusätzlichen Regulierungen und Neuausrichtungen von Modellen.

Eine Industrie dürfte ganz besonders von diesen Umbrüchen profitieren: Autozulieferer, die Teile herstellen, die es für die anstehenden Veränderungen braucht. Fondsmanager Lahlou nennt aus diesem Bereich die deutsche Continental oder die französischen Unternehmen Valeo, Faurecia und Plastic Omnium. "Wer wieviel profitiert, ist allerdings noch unklar", so Lahlou. Auch in der Schweiz gibt es entsprechende Firmen. Autoneum, Ems-Chemie, SFS oder Georg Fischer sind nur ein paar Beispiele aus der Zulieferer-Industrie.

Schweizer Aktien mit Euro-Fokus

Aufgrund des starken Frankens dürften es viele Schweizer Firmen auch in Zukunft allerdings schwer haben. Eine Ausnahme stellten Unternehmen dar, die sich auf die Euro-Zone fokussieren, sagt Lahlou. Dazu gehört Adecco. Der Stellenvermittler macht 65 Prozent des Umsatzes in der Euro-Zone, ein Viertel davon in Frankreich. Als anderes Beispiel nennt der Europa-Experte Lonza. Der Lifesciencekonzern bewege sich in einer Nische und habe eine von der Schweiz unabhängige Preissetzungsmacht. Beide Titel haben ein bislang ein ordentliches Jahr hinter sich. Adecco konnte 7 Prozent zulegen, Lonza sogar deren 16.

Im Börsen-Talk mit cash äussert sich Anis Lahlou auch zur Geldpolitik der EZB und zur Attraktivität der UBS-Aktie.

Das Video-Interview mit Anis Lahlou fand im Rahmen der J.P. Morgan Asset Management European Media Tour in London statt, zu der cash eingeladen wurde.