Welche Obligationen doch noch rentieren

Anleger investieren derzeit vor allem in Aktien, weil diese die höchsten Renditen versprechen. Auch aus Unternehmensanleihen lässt sich etwas Rendite quetschen. Aber das Investment hat seine Tücken.
06.11.2015 01:01
Von Pascal Züger
Obligationen werfen mehr Rendite ab, als es auf den ersten Blick scheint.
Obligationen werfen mehr Rendite ab, als es auf den ersten Blick scheint.
Bild: ghidelli.net

Die Investitionsmöglichkeiten sind rar geworden: Auf dem Privatkonto gibt es praktisch null Prozent Zins, und auch Staatsobligationen geben kaum etwas her. Im Falle des bei Anlegern beliebten zehnjährigen "Eidgenoss" ist die Rendite mit minus 0,29 Prozent sogar negativ.

Hier sollte allerdings der reale Zins betrachtet werden. Um den realen Wert zu erhalten, muss die Rendite um die Inflation korrigiert werden. Dieses Jahr haben wir in der Schweiz aber eine Jahresteuerung von minus 1,4 Prozent. Die reale Rendite beträgt für den "Eidgenoss" somit 1,11 Prozent.

So oder so bleibt der Ertrag tief. Auch im Euroraum ist die Rendite der "Zehnjährigen" bescheiden: In Deutschland gibt es 0,5 Prozent, in Frankreich 0,8 und in Italien 1,7. Etwas besser steht es um die zehnjährigen amerikanischen Staatsanleihen, welche immerhin 2,2 Prozent abwerfen. 

Unternehmensanleihen mit hohen Verzinsungen

Aus Obligationen lässt sich aber noch mehr Rendite erwirtschaften. Nämlich dann, wenn nicht der Staat, sondern Unternehmen als Emittenten auftreten. Allerdings ist das Risiko auch höher. Unternehmensanleihen werden entweder privat platziert oder an einer Börse kotiert. Auch über die Schweizer Börse SIX können diverse Unternehmensanleihen erworben werden.

Im Gegensatz zu Aktien wird man durch den Erwerb einer Obligation nicht Miteigentümer eines Unternehmens, sondern Gläubiger. Man pumpt quasi Geld an eine Firma zu festgelegten Konditionen. Und auch sonst folgen Anleihen etwas anderen Regeln als Aktien. 

Wie bei den Staatsanleihen ist auch hier die Rendite in den USA höher als in der Schweiz: "Unternehmensanleihen in den USA haben eine Verfallrendite von 2,8 Prozent", sagt Andreas Homberger, Leitung Research Hinder Asset Management, auf Anfrage von cash. Für Schweizer Investoren käme jedoch noch die Währungsabsicherung hinzu, die gut 1 Prozent der Rendite "wegfrisst".

Das ist im Vergleich zum Schweizer Markt immer noch sehr attraktiv. Die Rendite Schweizer Unternehmensanleihen mit Investment Grade, also einem Rating von mindestens "BBB", liegt gemäss Homberger derzeit bei rund 0,5 Prozent pro Jahr.

Aber auch wenn diese Anleihen allesamt ein gutes Rating besitzen, kauft der Investor immer ein Risiko ein. "VW hat gezeigt, dass es auch bei einer Obligation von vermeintlich sicheren Unternehmen zu plötzlichen Verlusten kommen kann", sagt Homberger.

Privatpersonen sollten auf ETF und Fonds setzen

Noch spekulativer sind Hochzinsanleihen, die unter Inkaufnahme hoher Risiken Renditen von bis zu 8 Prozent bescheren. Einige davon sind in der Tabelle unten aufgelistet. "Von solchen Einzelanlagen würde ich abraten", warnt jedoch Homberger.

Generell hält er für Privatpersonen ETF oder aktiv verwaltete Fonds für die bessere Lösung als Investments in einzelne Unternehmensanleihen. Zum einen minimiere der Privatanleger so das Risiko um ein Vielfaches, zum anderen entstehe auch der Vorteil einer konstanten Laufzeit. Denn: Bei ETF und Fonds muss man nicht von sich aus aktiv werden, um die Laufzeiten anzupassen.

Derzeit existiert erst ein ETF, welcher die Entwicklung der Schweizer Unternehmensanleihen abbildet. Der von iShares herausgegebene Corporate Bond (CH) weist eine Effektivverzinsung von 0,46 Prozent auf. Lukrativer sind hier ETF mit US-Firmenanleihen, welche währungsbereinigt immer noch eine Verzinsung von über 2 Prozent bieten (siehe Tabelle unten).

Folgendes sollte bei Unternehmenanleihen beachtet werden:

  • Zins wird auf Nennwert bezahlt

Üblicherweise kauft der Anleger bei Laufzeitbeginn vom Emittenten die Obligation zu einem festgelegten Nennwert. Während der Laufzeit erhält der Obligationär jedes Jahr einen festgelegten Zins, den sogenannten Coupon. Dieser wird im Normalfall in Prozenten des Nennwerts berechnet. Das heisst, zur Ermittlung der Zinszahlung zählt nicht der aktuelle Kurs, sondern der Ausgabepreis. Wie hoch der Zins ist, hängt von der Kreditwürdigkeit des Emittenten, vom aktuellen Zinsniveau und der Laufzeit der Obligation ab.

  • Kursschwankungen nur bei Ein- oder Ausstieg relevant

Wie bei Aktien haben auch Obligationen einen aktuellen Kurs, denn Anleihen können während der Laufzeit gekauft und verkauft werden. Der aktuelle Kurs kann sich vom Nennwert unterscheiden und höher oder tiefer sein. Er wird üblicherweise in Prozenten des Nominalpreises ausgedrückt. Ist die Obligation gefragt, steigt der Kurs über 100 Prozent, im umgekehrten Fall fällt er unter die 100-Prozent-Marke. Solche Kursschwankungen sind nur für Investoren relevant, die während der Laufzeit ein- oder aussteigen wollen. Wer von Anfang bis Ende der Laufzeit einer Anleihe treu bleibt, bekommt jährlich den festgelegten Zinssatz ausbezahlt und zum Ende den Nennwert zurück – unter der Voraussetzung allerdings, dass der Schuldner der Zahlung nachkommen kann.

  • Verfallrendite als wichtige Kennzahl

Wer eine Obligation während der Laufzeit erwerben möchte, sollte unbedingt die Verfallrendite beachten. Diese besagt, welche Rendite ein Anleger erzielt, wenn er die Anleihe zum aktuellen Marktkurs kauft, alle jährlichen Zinszahlungen kassiert und bei Verfall zu 100 Prozent zurückbezahlt wird.

  • Vorsicht vor Spezialanleihen

Bei sehr hohen Coupon-Zahlungen ist immer auch ein Haken - sprich ein höheres Risiko - dabei. Typisch ist zum Beispiel der Zusatz "nachrangig". Dies bedeutet nichts anderes, als dass man zum "Zweitklass-Schuldner" degradiert wird. Hat die Firma Zahlungsprobleme, werden zunächst vorrangige Anleihen zurückbezahlt. Nachrangige Anleihen werden anschliessend bezahlt, falls noch genügend Geld übrig bleibt. Gefährlich können auch kündbare Anleihen sein. Hier hat der Emittent das Recht, die Obligation bei Bedarf wieder zurückzukaufen. Je nach Zeitpunkt des Rückkaufs könnte dem Anleger dadurch ein Verlust drohen.

Auswahl von Unternehmensanleihen-ETF

Name,

ISIN

Coupon, in % Verfall-Rendite, in % TER*, in % Beschrieb

iShares Core CHF Corporate Bond (CH),

CH0226976816

1,77 0,46 0,15

Nachbildung des Swiss Bond Index

Nur Anleihen mit Investment-Grade

Halbjährliche Ausschüttung

UBS ETF - Barclays US Liquid Corporates UCITS ETF,

LU1048317538

keine Ausschüttung 3,5 0,23

Nachbildung von US Corporate Bonds

Nur Anleihen mit Investment-Grade

Währungsbereinigt

UBS ETF Barclays US Liquid Corporates 1-5 Year UCITS ETF

LU1048315755

Keine Ausschüttung 2,1 0,23

Nachbildung von US Corporate Bonds mit Laufzeiten von 1-5 Jahren

Nur Anleihen mit Investment-Grade

Währungsbereinigt

*TER=Gesamtkostenquote

Quelle: cash.ch

 

Auswahl Schweizer Unternehmensanleihen mit hoher Rendite*

Emittent,

ISIN

Coupon, in % Aktueller Kurs Verfall-Rendite, in % Laufzeit bis

Swiss Re,

CH0224798972

7,5 109,0 6,8 01.09.2045

Meyer Burger,

CH0184987789

5 99,5 5,3 24.05.2017

Hero,

CH0106446922

6,5 105,0 6,2 unbefristet

Julius Bär,

CH0144380422

4,5 104,7 3,6 23.12.2021

Citychamp Watch,

CH0247611236

3,625 86,1 8,2 24.07.2019

*Es handelt sich hier um Anleihen mit hohem Risiko.
Quelle: cash.ch