Welche Optionen haben Privatbanken?

Der Kollaps der Bank Hottinger verdeutlicht, wie prekär die Lage für kleine Vermögensverwalter immer noch ist. Als Kleinbank zu überleben wird immer schwieriger. Den Instituten stehen aber einige Möglichkeiten offen.
28.10.2015 01:02
Von Marc Forster
Die kleinen Privatbanken stehen im Regen.
Die kleinen Privatbanken stehen im Regen.
Bild: Bloomberg

Der Konkurs der kleinen Privatbank Hottinger hat den Bankenplatz aufgeschreckt. Das Traditionsinstitut mit fast 230-jähriger Geschichte ist ein weiteres Opfer der Umwälzungen, die das Schweizer Bankensystem seit der Finanzkrise und der Eskalation des Steuerstreits mit dem Ausland vor sieben Jahren durchlebt. Der Kauf des nicht-britischen Teils der Bank Coutts durch die Union Bancaire Privée aus Genf oder die Übernahme der kleinen, italienisch-schweizerischen Finter Bank durch Vontobel zeigten dieses Jahr, dass weiter Bewegung im Markt ist.

Hottinger scheiterte aber vor allem an der schwachen Kapitalisierung, wie die Finanzaufsichtsbehörde Finma im Zusammenhang mit der Konkurseröffnung festgestellt hat. Die meisten der kleinen Privatbanken verfügen hingegen über genug Kapital, wie Christian Hintermann, Leiter Advisory Financal Services beim Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen KPMG, die Lage einschätzt. "Aber der operative Druck steigt", wie er gleich anfügt.

Viele der kleinen Privatbanken hätten Mühe, neue Kunden anzuziehen und sie hinkten der Digitalisierung in der Branche hinterher. Mit dem Automatischen Informationsaustausch AIA kommen weitere Herausforderungen dazu. Damit kumulierten sich die Schwierigkeiten auch für Banken, die an sich solide kapitalisiert seien.

Liqudiation oder Verkauf

In den vergangenen Jahren habe sich die Zahl der Schweizer Privatbanken von 180 auf 130 reduziert, ruft der KPMG-Experte in Erinnerung. "Es wird aber noch einmal einiges geschehen. Ich denke, in drei Jahren werden es unter 100 solcher Banken sein", sagt Hintermann. Neue dramatische Fälle wie Hottinger mit einer Konkurseröffnung erwartet er eher nicht. Einige der kleinen Vermögensverwalter dürften aber den Weg einer geordneten Liquidation wählen und die Kunden an andere Banken weiterverweisen.

Hintermann geht davon aus, dass ansonsten viele kleine Banken von grösseren Playern übernommen werden: "Der Zusammenschluss zweier kleiner Banken mit je einer Milliarde Kundenvermögen schafft immer noch eine kleine Bank, daher dürfte dies kaum eine Lösung sein", sagt der Experte. "Gemischtwarenläden" mit unterschiedlichsten Kundensegmenten im selben Haus, die zudem noch in vielen unterschiedlichen Ländern tätig seien, müssten fokussieren.

Als Übernahmeziele interessant für grössere Banken sind Privatbanken mit einem verwalteten Kundenvermögen von mindestens 10 Milliarden Franken, oder dann Finanzinstitute mit sehr klarem Profil. KPMG-Experte Hintermann kennt auch Banken in der Grössenordnung von 20 bis 30 Milliarden Asset under Management, die zu wenig fokussiert sind: Auch für deren Eigentümer könnte ein Verkauf einmal in Betracht kommen, weil Ausrichtung und Strategie zuwenig klar sind.

Privatbanken als Übernahmeziele

Über mögliche Käufer kann nur spekuliert werden - das Private Banking ist diskret, auch bei Übernahmeplänen. Mit der Neuordnung der Credit Suisse, wie sie Konzernchef Tidjane Thiam vor einer Woche angekündigt hat, könnte auch die Grossbank wieder zu fischen anfangen. In der Vergangenheit hat sich die CS Clariden Leu und die Neue Aargauer Bank einverleibt. Mit einem neuen Fokus auf dem Schweizer Geschäft könnte neue Ziele ins Visier nehmen.

Dabei dürfte sich eine CS aber eher für grössere Player interessieren: Über ein Zusammengehen mit Julius Bär ist schon spekuliert worden. Ob ein grosser Käufer wie zum Beispiel die CS zugreifen würde, sollte die Familie Vontobel ihren Aktionärsbindungsvertrag auflösen und Anteile an ihrer Bank verkaufen, ist eine andere, wenn auch sehr spekulative Überlegung.

Die Übernahme einer kleinen Bank schafft für eine Grossbank im heutigen Umfeld, wo juristische Aspekte zentral sind und die Kundenstämme genauestens unter die Lupe genommen werden müssen, mehr Probleme als Nutzen. Sollte sich etwa die CS einen kleinen Player schnappen, muss dieser über ein exklusives Angebot oder eine interessante Kundschaft verfügen.

Erinnerungen an Wegelin

Das Ende der Bank Hottinger spielt sich angesichts einer Konkurseröffnung unschön ab. Der spektakulärste Fall eines Banken-Kollapses ereignete sich Anfang 2012, als die ebenfalls ins 18. Jahrhundert zurückgehende Bank Wegelin zerbrach: Unter dem Druck aus Washington wurde der Bankteil ohne amerikanische Kunden an Raiffeisen verkauft, während der schwer in Steuerhinterziehung verstrickte Teil mit US-Kunden zur Abwicklung und juristischen Aufarbeitung freigegeben wurde.

Für eine Bank wie Hottinger erweis sich neben den zu dünnen Kapitalpolstern der Mix aus technischen Neuerungen, einem sich wandelnden Geschäft und mangelnder Grösse als fatal. Auch ungelöste Rechtsfälle erwähnte die Finma bei der Konkurseröffnung.

Andere Privatbanken sind in einer ähnlichen Lage. Auf der Liste der Kategorie-1-Banken, die im US-Steuerstreit Separat-Abkommen mit Washington aushandeln müssen, stehen die Vermögensverwalter Pictet (420 Milliarden Kundenvermögen) und Rahn & Bodmer (10,6 Milliarden Kundenvermögen). Der US-Steuerstreit hat bisher eher bremsend an der Übernahmefront gewirkt, weil die Dinge noch einer Bereinigung bedürfen. Einigen sich diese Banken mit den USA, könnten auch sie zu den Jägern oder Gejagten gehören - je nach Sachlage.