An welchen Börsen die Sonne scheint

Der SMI ist derzeit gut drei Prozent mehr wert als Anfang Januar. Dabei gibt es Börsen, die um 185 Prozent zulegen. cash sagt, welche Aktienmärkte gut unterwegs sind - und welche nicht.
03.06.2015 01:05
Von Marc Forster und Pascal Züger
Sonnenuntergang auf Isla Margarita, einer Insel Venezuelas.
Sonnenuntergang auf Isla Margarita, einer Insel Venezuelas.

Spitzenreiter ist Venezuela – aber nur bei der Performance von sagenhaft anmutenden 185 Prozent des nationalen Stock Market Index seit dem 1. Januar, und nicht etwa der Verlässlichkeit. Der südamerikanische Staat mit seiner kapriolenreichen Wirtschaftspolitik verfügt über einen sehr volatilen Aktienmarkt. Ende Mai stieg der Leitindex innerhalb einer Woche um 73 Prozent.

Ein Hintergrund davon ist, dass die Venezolaner verzweifelt versuchen, in Werte zu investieren, die einen Schutz gegen Inflation, Währungsabwertung und und die Schwankungen des Exportgutes Erdöl bieten. Die Teuerung im Land beträgt über 100 Prozent, die Währung Bolivar fällt gerade ins Bodenlose. Alternative Investitionsgüter wie Autos oder Immobilien werden immer teurer.

Auch für ausländische Investoren, die strengen Kapitalverkehrs- und Devisenkontrollen unterstellt sind, sind Aktien ein "besserer Deal". Für einen Venezolaner wäre angesichts der horrenden Bolivar-Abwertung ein Dollar-Investment ein Geschäft, doch ist der Erwerb auf dem Schwarzmarkt illegal.

Achterbahn in Osteuropa

Der Shanghai SE Composite (SSE), wichtigster Aktienindex von China, hat seit Januar um 44 Prozent dazugewonnen. Die Regierung fürchtet aber wohl eine Überhitzung, zumal der SSE im Vorjahr um 51 Prozent gestiegen war. Deswegen hängt über der Schanghai-Börse wie in Damoklesschwert die Möglichkeit staatlicher Eingriffe. In den vergangenen Tagen hat der SEE Anzeichen der Korrektur gezeigt, wie dies schon Anfang des Jahres der Fall gewesen war.

Auf der Gewinnerliste steht auch der russische Markt (Platz 5): Der RTS Index weist ein sattes Plus von 15 Prozent aus, was im längerfristigen Vergleich aber auch nur zeigt, wie volatil die Lage ist: Im vergangenen Jahr hatte die Moskauer Börse mit eine Minus 55 Prozent noch den grössten Wertzerfall von allen aufgefahren. Sanktionen, der Ukraine-Konflikt und die Rubelkrise schicken den Markt auf die Achterbahn. Die Budapester Börse - Ungarn steht wirtschaftlich auf schwachen Füssen - zeigt einen ähnlichen Verlauf. Seit Jahresanfang liegt der Budapest Stock Exchange Index mit einem Plus von 17 Prozent aktuell auf Rang 4, im Vorjahr figurierte er mit einem Zerfall von 14 Prozent unter letzten 10 Börsenplätzen.

Ein (noch) reichlich exotischer Börsenplatz, der es unter die Top Ten schafft, ist Saudi-Arabien. Der Tadawul All Share Index (+11 Prozent) wird am 15. Juni für ausländische Investoren geöffnet. Laut J.P. Morgan Asset Management wird der Saudi-Aktienmarkt dadurch transparenter. Investoren könnten sich für die 169 Titel an der Börse interessieren, weil der Markt mit 570 Milliarden Dollar höher kapitalisiert ist als Russland und der viert-liquideste unter den Schwellenland-Märkten ist. Der grösste Anteil an den Titeln im Tadawul All Share Index haben übrigens Banken, und nicht Firmen aus dem Ölgeschäft.

Kriegsgeplagte Länder bilden Schlusslicht

Am hinteren Ende der Rangliste stehen die Ukrainer. Der Ukrainian Equities Index hat dieses Jahr bereits 30 Prozent an Wert eingebüsst. Der Konflikt im Osten des Landes habe im ersten Quartal die Konjunktur stärker belastet als erwartet, berichtet der Internationale Währungsfonds (IWF). Für das Jahresende erwartet der IWF eine Inflation von 46 Prozent. Es gibt jedoch auch positive Signale aus Kiew zu vermelden: Es gab Fortschritte bei den Reformen des Landes und Anzeichen einer Stabilisierung der Wirtschaft, lässt eine Arbeitsgruppe des IWF verlauten.

Den zweitletzten Platz belegt der Colombia COLCAP Index (-23 Prozent). Kolumbien gehört zwar wirtschaftlich zu den erfolgreichsten Ländern Südamerikas, hat jedoch mit landesinternen Konflikten zwischen Rebellen und der Regierung zu kämpfen. Seit Ende 2012 finden Friedensgespräche statt und Ende 2014 verkündeten die Rebellen eine Waffenruhe. Doch nach einer blutigen Attacke der Farc-Guerilla Mitte April hat Kolumbiens Staatschef Juan Manuel Santos die Wiederaufnahme der Luftangriffe auf die Rebellen angeordnet.

Die innenpolitische Lage des Landes bleibt unstabil, was auch an den Finanzmärkten nicht spurlos vorbeigeht. Ausserdem gehört der kolumbianische Index eher zu den Exoten unter den Börsen, was sich in einem vergleichsweise geringen Handelsvolumen und einer erhöhten Volatilität der Performance bemerkbar macht - was übrigens auch eine Erklärung ist, warum der Venezuela-Markt so nach oben geschossen ist.

Hohe Ziele in der Türkei

Auch der türkische BIST 100 Index schafft es unter die unrühmliche Top-Three der am schlechtesten performenden Börsen des laufenden Jahres. Der Index verlor seit Jahresbeginn 22 Prozent seines Wertes. DIe Türkei hat jedoch sehr ambitionierte Ziele: Bis zum Jahr 2023 soll das Land zu den zehn grössten Volkswirtschaften der Welt gehören. Landesintern ist von einer "neuen Türkei" die Rede. Zumindest kurzfristig hält der Aktienkurs mit diesen hochgesteckten Zielen noch nicht mit. Am 7. Juni stehen in der Türkei Parlamentswahlen an.

Die besten Börsenplätze seit Jahresbeginn

Börse Performance, in %
Venezuela Stock Market Index +185
Shanghai SE Composite +44
JSE Market Index (Südafrika) +23
Budapest Stock Exchange Index +17
Russian RTS Index +15
Argentina Merval Index +14
OMX Copenhagen 20 Index +14
Hang Seng China ENT Index +12
Tadawul All Share Index (Saudi-Arabien) +11
Tel Aviv 25 Index +10

 

Die schlechtesten Börsenplätze seit Jahresbeginn

Börse Performance, in %
Ukrainian Equities Index -30
Colombia COLCAP Index -23
BIST 100 Index (Türkei) -22
GSE Composite Index (Ghana) -22
Mauritius Stock Exchange -20
SOFIX Index (Bulgarien) -20
Lusaka Stock Exchange (Sambia) -19
MSE Top 20 Index (Mongolei) -18
Brazil IBOVESPA Index -15
Athex Composite Share (Griechenland) -15

Die Performance basiert auf Schweizer Franken.

Quelle: Bloomberg, Stand 02. Juni 2015