Welches sind die Biotech-Pleitekandidaten?

Die Biotech-Firma Cytos steht vor dem Aus - und die Investoren vor einem Totalverlust. Welche Schweizer Biotech-Titel besonders risikoreich sind, und was Anleger beachten sollten.
14.04.2014 14:05
Von Frédéric Papp
Anleger brauchen bei Biotech-Aktien ein starkes Nervenkostüm.
Anleger brauchen bei Biotech-Aktien ein starkes Nervenkostüm.
Bild: ZVG

Das Zürcher Biotechunternehmen Cytos hat mit seinem Hoffnungsträger CYT003 zur Therapie von moderatem bis schwerem Asthma einen Misserfolg erlitten. In der Phase-2b-Studie hat der Produktkandidat im Vergleich mit einem Placebo keine signifikant bessere Wirkung gezeigt. Damit steht das Unternehmen vor dem Aus.

Die Meldung schlug am Montag an der Schweizer Börse ein wie eine Bombe. Die Aktie befindet sich im freien Fall und verliert über 90 Prozent ihres Werts auf knapp 10 Rappen. 

Der Fall von Cytos ist für die Branche exemplarisch. "So lange eine Firma kein Produkt auf dem Markt hat, bleibt das Bankrott-Risiko des Unternehmens real und hoch", sagt Christian Lach des Zürcher Vermögensverwalters Adamant, das auf Biotech-Investments spezialisiert ist.

Anleger, die in solche Firmen investieren, setzen deshalb auf das Prinzip Hoffnung. Gelingt einem Unternehmen die erfolgreiche Einführung eines Medikaments auf dem Markt, machen Anleger Kasse. Andernfalls ist ein Totalverlust vorprogrammiert.

Vorsicht bei Addex

Auch die Schweizer Biotech-Unternehmen haben noch keine nenneswerten Wirkstoffe auf dem Markt. Dazu gehören Firmen wie Addex, Therametrix, Newron und Santhera. "Bei Addex besteht trotz interessanter Technologie ein hohes Ausfallrisiko", sagt Lach. Ähnlich wie Cytos bewege sich Addex mit ihrer Forschungspipeline auf völlig neuartigem Territorium, so Lach. Addex scheiterte schon einmal im vergangenen Mai mit ihrem Wirkstoff bei Depressionen. Damals stützte der Aktienkurs 34 Prozent ab. Am Montag fällt die Aktie 2 Prozent zurück.

Die Aktien von NewronPharma werden gar mehr als 6 Prozent tiefer gehandelt. Das Unternehmen hat letzten Dezember bei der EU-Gesundheitsbehörde EMA einen Zulassungsantrag für Safinamide – ein Wirkstoff gegen Parkinson - eingereicht. Die EU-Zulassung werde noch in diesem Jahr erwartet, sagte CEO Stefan Weber Anfang März an der Bilanzpressekonferenz des Unternehmens. Für die USA stellte der CEO den Zulassungsantrag vor Ende April in Aussicht, ein Entscheid soll Anfang 2015 fallen, hiess es damals weiter.

Doch das Risiko einer Nichtgenehmigung ist nicht klein. "Zwischen 20 bis 40 Prozent der für die Zulassung eingereichten Medikamente fallen bei der FDA durch", sagt Lach.

Santhera verliert weniger stark

Der dritte im Bunde, der ohne Produkt am Markt auftritt, ist Therametrix. Die Firma und der Führung von VR-Präsident und CEO Raffale Petrone kündigte zwar Ende 2013 in einem Interview schwarte Zahlen für das laufende Jahr an. Das im Juni 2013 aus der ehemaligen Mondobiotech hervorgegangene Unternehmen schreibt aber seit dem Börsengang 2009 Verlust. Gut 9 Prozent tiefer werden die Aktien der in Stans ansässigen Therametrix gehandelt.

Das Spezialitätenpharma-Unternehmen Santhera hat seine finanzielle Lage im Geschäftsjahr 2013 deutlich verbessert. Im Mai vor einem Jahr stand an der Generalversammlung noch die Liquidation zur Diskussion, nachdem 2012 ein sehr hoher Verlust angefallen war. Laut CEO Thomas Meier ist das Unternehmen bis über das Jahr 2015 hinaus finanziert. Die Hoffnungen ruhen nun auf dem Wirkstoff Idebenone zur Behandlung der Augenkrankheit Leber Hereditäre Optikusneuropathie. Mit einem Minus von 7 Prozent verlieren die Titel überdurchschnittlich.

Diversifiziert investieren

Doch auch wenn die Wirkstoffe erfolgreiche Studienresultate zeigen, dauert es noch lange, bis ein Wirkstoff auf den Markt kommt. Statistiken zeigen, dass ein Produkt nach erfolgreicher Phase-I-Studie auf den Markt kommt, bloss bei 10 bis 15 Prozent liegt. Nach erfolgreicher Phase-II-Studie liegt sie bei 20 bis 30 Prozent. Und selbst wenn der Wirkstoff die letzte Hürde, die Phase-III-Studie nimmt, würden nur 50 Prozent die Marktreife erlangen.

Anlegern sollten trotz des hohen Gewinnpotenzials nicht in vereinzelte kleine Biotech-Aktien investieren. Ohnehin ist das Momentum für Biotech-Titel derzeit negativ. So hat der wichtigste Leitindex für die Biotech-Branche - der Nasdaq Biotechnology Index - seit seinem Allzeithoch im Februar über 20 Prozent eingebüsst. Und Marktbeobachter rechnen mit weiteren Rückschlägen. Wer dennoch auf kleine Biotech-Werte setzen will, ist besser bedient mit einem börsenkotierten Indexfonds. Die Diversifikation hemmt starke Kursschwankungen.

Grosskapitalisierte Biotechaktien wie Actelion kann man auch ausserhalb eines Korbes als Einzeltitel halten. Allerdings kann sich auch Actelion dem Negativtrend der Branche nicht entziehen. Die Aktie verliert am Montag an die 2 Prozent.