Wer für Syngenta in den SMI gehen könnte

Übernimmt ChemChina den Agrochemiker Syngenta, dann wird ein Platz im SMI frei. Mehrere Unternehmen hätten Chancen, in den erlauchten Club der 20 Schweizer Super-Aktien aufgenommen zu werden.
15.02.2016 00:05
Von Marc Forster
In den SMI kommen die grössten und liquidesten Titel der Schweizer Börse.
In den SMI kommen die grössten und liquidesten Titel der Schweizer Börse.
Bild: ZVG

Der Syngenta-Deal ist noch nicht in trockenen Tüchern. Gegen das Ansinnen der Chinesen, den SMI-Konzern zu kaufen, regt sich Widerstand. So soll selbst der frühere Übernahme-Interessent Monsanto danach trachten, ChemChina die Suppe zu versalzen. Zudem prüft das strenge Committee on Foreign Investment der USA den geplanten Deal. Es könnte die Übernahme oder Teile davon blockieren.

Misstrauen erntet der Staatsbetrieb ChemChina auch, weil er nicht sehr offen agiert. An den Börsen hat sich noch keine Euphorie bezüglich einer baldigen Übernahme eingestellt: Der Kurs der Syngenta-Aktie hat sich im Vergleich zum Jahresanfang kaum verändert, was allerdings auch mit dem schlechten Marktumfeld der vergangenen Tage zu tun hat.

Regelmässige Anpassungen

Setzen sich die Chinesen aber durch, denen das Technologie-Know-how von Syngenta viel Geld wert sein dürfte, verändert sich die Struktur der Schweizer Börse. Falls Syngenta dekotiert würde, wäre ein Platz im SMI frei. Gute Chancen für die Nachfolge hat der Hörgerätehersteller Sonova. Der Hörgerätehersteller mit Sitz am Zürichsee gehört bereits zum Swiss Leader Index SLI, der den SMI und die zehn nächstgrösseren Titel umfasst.

Aktuell macht Syngenta 2,87 Prozent der SMI-Gewichtung aus und steht damit im 20-Titel-Index an achter Stelle. Für die federführende Indexkommission der Schweizer Börse ist bei der Indexzuweisung der einzelnen Titel die durchschnittliche Free-Float-Börsenkapitalisierung des Unternehmens sowie die Liquidität der Titel ausschlaggebend. Da beide Faktoren über die Zeit variieren, kommt es zu regelmässigen Indexanpassungen. Üblicherweise wird einmal jährlich am 30. Juni neu bestimmt.

Entscheidend würden sich die Gewichte aber nicht verschieben, denn über 60 Prozent des SMI werden durch Novartis, Nestlé und Roche ausgemacht.

Gewisse Chancen für eine Syngenta-Nachfolge im SMI haben auch weitere der grösseren SLI-Titel. Der Chemiekonzern Clariant käme noch in Frage, genauso wie das Life-Science-Unternehmen Lonza. Das in Basel und im Wallis beheimatete Unternehmen war 2009 bis 2011 und auch davor schon einmal SMI-Mitglied.

Mehr als nur Prestige

Zum Handkuss könnte durchaus auch das Pharmaunternehmen Galenica kommen. Weil sich dieses aber in ein Pharma- und ein Retailunternehmen aufspalten will, könnte es für den SMI bald wieder zu klein sein. Vor ein paar Jahren hatte es diese Situation schon einmal gegeben: Julius Bär spaltete den Asset-Management-Teil als neues Unternehmen GAM ab, blieb aber mit dem immer noch grossen Privatkundengeschäft der drittgrösste Bankentitel im SMI.

Für Bewegung in der SMI-Zusammensetzung hat jüngst Transocean gesorgt. Der amerikanische Ölplattform-Konzern kehrt der Schweizer Börse wieder den Rücken, nachdem er sich erst 2010 hierzulande kotieren liess. Der Nachfolger heisst Swiss Life. Der Nummer-Eins-Vorsorgedienstleister der Schweiz war früher schon einmal ein SMI-Titel gewesen und just von Transocean verdrängt worden.

Die Bekanntgabe des Wiedereintritts von Swiss Life in den SMI Mitte Januar hatte übrigens dazu geführt, dass die Titel im Tageshandel um 2 Prozent anstiegen. Das ist nicht ungewöhnlich: Sobald eine Aktie einem wichtigen Index angehört, wird es für bestimmte Anleger, beispielsweise Fonds speziell im Ausland, zur Pflicht, diesen Titel zu halten. Am Markt spricht man von Indexkäufen. SMI-Mitglied zu sein, ist für einen Konzern also mehr als nur eine Frage des Prestiges.