Wer gewinnt das Duell der Pharma-Riesen?

Die SMI-Schwergewichte Novartis und Roche warten diese Woche mit ihren Jahreszahlen auf. Was davon zu erwarten ist und welcher Börsentitel profitieren könnte.
28.01.2014 11:48
Von Ivo Ruch
Der Pillen-Wettlauf zwischen Roche und Novartis.
Der Pillen-Wettlauf zwischen Roche und Novartis.
Bild: ZVG

In dieser Woche nimmt die Berichtssaison an der Schweizer Börse richtig Fahrt auf: Am Mittwoch und am Donnerstag legen die Index-Schwergewichte Novartis und Roche ihre Jahresergebnisse vor.

An der Börse sind die beiden wenig gigantisch ins Jahr gestartet - ganz im Gegensatz zu 2013, als beide Titel besser als der Gesamtmarkt abgeschnitten hatten. Roche hat bis am Dienstagmittag 3,3 Prozent verloren, der Genussschein steht bei 241 Franken. Und Novartis notiert bei 71 Franken 0,2 Prozent höher als zu Jahresbeginn. Zum Vergleich: Der SMI hat im selben Zeitraum 0,2 Prozent eingebüsst.

Üblicherweise achten sich Anleger bei Jahreszahlen vor allem auf Umsatz und Gewinn. Diese sind aber laut Michael Nawrath, Pharma-Experte bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB),  zur Beurteilung von Novartis und Roche weniger wichtig geworden. "Viel entscheidender ist die Produkte-Pipeline, welche die Börsen-Schwergewichte zu bieten haben." Und diesbezüglich stünden beide Firmen sehr gut da – im direkten Konkurrenzkampf wie im internationalen Vergleich, so Nawrath.

Das sind die wichtigsten Informationen im Vorfeld der Jahreszahlen:

Roche
Gewinnmitnahmen sind möglicherweise für den jüngsten Kurstaucher von Roche verantwortlich. Denn der Genussschein legte 2013 um 35 Prozent zu. Die Bank Vontobel empfiehlt den Roche-Titel mit ihrem "Buy"-Rating bei einem Kursziel von 276 Franken dennoch weiterhin zum Kauf. Das würde ein zusätzlicher Anstieg von 14 Prozent bedeuten. Noch mehr Potenzial sieht die Credit Suisse und traut dem Genussschein 335 Franken zu.

Für das Gesamtjahr hat Roche ein Umsatzwachstum von 4 Prozent in Aussicht gestellt. Analysten rechnen hingegen mit einem Plus von rund 2 Prozent. Beim Gewinn dürfte Roche einiges deutlicher zulegen. Die ZKB traut Roche einen Gewinnzunahme pro Aktie von 14 Prozent zu. Auch die Bank Vontobel erwartet von Roche ein stolzes Plus von 23 Prozent. Roche hatte bereits mit den Halbjahreszahlen den Gewinn um 40 Prozent gesteigert.

Roche ist weltweit führend in der Krebsforschung, drei Medikamente bilden dabei die Basis und sind Hauptumsatztreiber. Zusätzlich umfasse die Produkte-Pipeline 68 neuartige pharmazeutische Wirkstoffe sowie 55 wichtige Plattformen und Tests für die Diagnostik, wie CEO Severin Schwan neulich mitteilte. Kritiker monieren allerdings, dass Roche die Erfolge in der Krebsforschung mit Fehlschlägen beispielsweise im Neurologie- oder Diabetesbereich bezahle.

Novartis
Anleger bevorzugten im letzten Jahr zwar Roche, doch auch Novartis wusste mit einem Plus von 24 Prozent zu überzeugen - der besten je erreichten Jahresperformance. Die Zukunft wird hingegen kontrovers bewertet. Die Vontobel-Experten geben der Aktie lediglich ein "Reduce" und ein Kursziel bei 62 Franken. Anders die Zürcher Kantonalbank (ZKB). Sie empfiehlt beide Titel weiterhin zur Investition und stuft sie mit "Übergewichten" ein.

Novartis hat Ende Oktober die Prognose für das Umsatzwachstum auf einen niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbetrag angehoben. Dies, weil die Konkurrenz für den Top-Umsatzbringer Diovan weniger stark als befürchtet ist. Wie bei Roche erwartet die Bank Vontobel für das Gesamtjahr ein Umsatzwachstum von 2 Prozent. Beim Gewinn wird Novartis allerdings deutlich weniger zugetraut. Vontobel prognostiziert einen leichten Rückgang um 1,5 Prozent.

Novartis ist in Bezug auf Produkte grundsätzlich breiter aufgestellt als die Konkurrenz vom anderen Rheinufer. Der Blutdrucksenker Diovan ist ein wichtiger Umsatztreiber, der trotz abgelaufener Patente bislang keine ernsthafte Generika-Konkurrenz hat. Daneben stammt mehr als ein Drittel des Novartis-Umsatzes von Patenten, die mindestens bis 2017 laufen.

Unterschiedliche Bewertungen

Die starke Innovationskraft von Roche führt dazu, dass die Bank Vontobel in ihrer Analysten-Notiz Roche gegenüber Novartis bevorzugt: "Wir schätzen Roche weiterhin aufgrund seiner starken Cashflows, andauernden Patentlaufzeiten und Innovationsleistungen." Das Geschäftsmodell von Novartis stellt die Bank hingegen in Frage, unter anderem weil wichtige Präparate unter Wettbewerbsdruck stünden und der Patentschutz von Diovan abgelaufen ist.

Die ZKB ist gegenüber beiden Titeln optimistisch. Analyst Nawrath erklärt das doppelte "Übergewichten"-Rating auch mit dem Umbau komplizierter Konzernstrukturen hin zu fokussierten Abteilungen für beispielsweise Pharma, Impfstoffe oder Tiermedizin. Das eröffne neue Investmentopportunitäten für die Anleger. "Alles von der Gesundheitsbranche unter einem Dach zu vereinen, verwässert die Margen und ist schlichtweg nicht mehr gefragt", so Nawrath.

Für welchen Pharmatitel sich die Anleger in Zukunft entscheiden, hängt schlussendlich auch von der Bewertung ab. Hier ist Roche zu favorisieren. Während die Vontobel-Analysten für Roche ein Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2014 von 17 angeben, ist jenes von Novartis mit 21 deutlich höher - und damit bereits im teuren Bereich.