Wer ist der neue CEO der Credit Suisse?

Der langjährige CEO der Credit Suisse, Brady Dougan, tritt von seinem Posten zurück. Sein Nachfolger ist ein Versicherungsexperte. Er ist in vielem das genaue Gegenbild von Dougan.
10.03.2015 09:38
Von Daniel Hügli

Brady Dougan (55) tritt per Ende Juni 2015 als CEO der Credit Suisse zurück. Das gab die Bank am Dienstag bekannt. Sein Nachfolger heisst Tidjane Thiam (52), CEO von Prudential, der grössten britischen Versicherungsgesellschaft gemessen an der Börsenkapitalisierung.

Es sei für ihn "der richtige Zeitpunkt gekommen, die Aufgabe des CEO abzugeben", wird Dougan in einer Mitteilung der CS zitiert. Einen Grund für den Rücktritt Dougans nannte die CS nicht. Das Unternehmen sei Dougan "für seinen langjährigen beispiellosen persönlichen Einsatz, seinen grossen Beitrag und seine Führungskraft zugunsten der Credit Suisse sehr dankbar", heisst es in der CS-Mitteilung weiter.

Im frühen Börsenhandel in Zürich steigt die Aktie der Credit Suisse um 8 Prozent. "Ich bin überrascht und trotzdem erleichtert", sagte ein Vermögensverwalter zu Reuters. 

Thiam ist seit 2009 CEO von Prudential, die in Grossbritannien schlicht "Pru" genannt wird. Der in der Elfenbeinküste geborene französisch-ivorische Doppelbürger hat in Frankreich Mathematik und Physik studiert. Er war bis 1994 Berater bei McKinsey. Dann war er bis 1999 Minister für Planung und Entwicklung in der Elfenbeinküste, bis er 1999 nach der Machtergreifung des Militärs das Land verliess. Danach arbeitete er für den britischen Versicherer Aviva.

Frischer Wind

"Thiam wird Credit Suisse frischen Wind bringen, hat allerdings keine Erfahrung im Bankgeschäft”, sagt Andreas Venditti, Bankenanalyst bei Vontobel in Zürich. “Vielleicht wird es jetzt einfacher, die Investmentbank zurecht zu stutzen."

Im Jahr 2012 lehnte Thiam ein Angebot ab, die Leitung der Private Investment-Sparte der Weltbank zu übernehmen, obwohl sich Jacob Lew - damals Chief of Staff von Präsident Barack Obama, heute Finanzminister - persönlich dafür einsetzte.

Für Brady Dougan und für die Credit Suisse endet eine Ära. Dougan gehört wie Jamie Dimon von JP Morgan und Lloyd Blankfein von Goldman Sachs zu den wenigen Chefs von internationalen Grossbanken, die nach der Finanzkrise im Amt geblieben sind.

Erfolgreicher CEO

Dougan war seit 2007 CEO der Credit Suisse. Er führte die Bank erfolgreich durch die Stürme der Finanzkrise. Denn anders als die UBS musste die CS keine Staatshilfe beantragen. Dougan verpasste es in den Folgejahren aber, der Bank im neuen regulatorischen Umfeld eine zukunftsträchtige Strategie zu geben, was sich auch in der mageren Performance des Aktienkurses wiederspiegelte. 

In die Kritik gerieten Dougan und der CS-Verwaltungsrat auch im letzten Jahr, nachdem sich Credit Suisse im Steuerstreit mit den US-Behörden auf einen Vergleich geeinigt hatte. Die Bank zahlte die höchste Geldstrafe in der Schweizer Bankengeschichte und gab ein Schuldbekenntnis ab, sicherte sich dafür aber die wichtige Lizenz in New York.

Vieles ist an Thiam, Vater zweier erwachsener Kinder, sehr gegensätzlich zu Dougan. Bei Prudential gilt Thiam als sehr erfolgreicher CEO, nicht zuletzt dank dem Ausbau des Asien-Geschäfts. Seit seinem Amtsantritt stieg der Aktienkurs des Versicherers um rund 180 Prozent. Thiam spricht Englisch, Französisch und Deutsch. Auch Dougan wollte seit 2007 Deutsch lernen. Es blieb bis heute bei der Ankündigung.

Dank seiner Verbindungen zu Lew vom US-Finanzministerium und der Obama-Regierung könnte Thiam der Credit Suisse beim Umgang mit einigen der wichtigsten Aufseher der Bank helfen. Er selbst ist allerdings schon mit der britischen Financial Services Authority aneinander geraten, die ihn 2013 öffentlich rügte und Prudential ein Bussgeld von 30 Millionen Pfund auferlegte. Der Vorwurf lautete, der Versicherer habe die Aufsicht nicht rechtzeitig darüber informiert, dass er AIA, die Asien-Sparte von American International Group (AIG), für 35,5 Milliarden Dollar kaufen wolle. Diese Pläne scheiterten letztendlich - nicht zuletzt aufgrund von Bedenken wegen des hohen Kaufpreises.

(Mit Material von Reuters, AWP und Bloomberg)