Wer kommt als Käufer für Actelion alles in Frage?

Die Actelion-Aktionäre müssen weiterhin Bangen. Noch ist die Übernahme durch Sanofi nicht in trockenen Tüchern. Die ZKB bringt neben den Franzosen nun weitere mögliche Interessenten ins Spiel.
21.12.2016 08:30
Lorenz Burkhalter
Scheint ein harter Verhandlungspartner zu sein: Actelion-Gründer und Konzernchef Jean-Paul Clozel.
Scheint ein harter Verhandlungspartner zu sein: Actelion-Gründer und Konzernchef Jean-Paul Clozel.
Bild: ZVG

Das Warten der Aktionäre auf Neuigkeiten rund um angebliche Übernahmeverhandlungen zwischen Actelion und dem französischen Pharmakonzern Sanofi wird zur Geduldsprobe. Nachdem die Aktie des Vorzeigeunternehmens aus Allschwil am späten Dienstag Gewinnmitnahmen zum Opfer fielen, lässt ein Bericht der Nachrichtenagentur Reuters lässt die Anleger nun wieder hoffen.

Angeblich sei Actelion an einem Punkt angelangt, an dem die Firmenvertreter die Verhandlungen nicht mehr abbrechen könnten, ohne bei den Aktionären einen Aufstand auszulösen, so heisst es.

Wer käme noch als Käufer für Actelion in Frage?

Schon seit Tagen wird in Expertenkreisen heiss diskutiert, ob und unter welchen Voraussetzungen sich für Sanofi mit einer Übernahme von Actelion überhaupt Aktionärswerte schaffen liessen. Beobachter machen denn auch skeptische Wortmeldungen der Pharmaanalysten von UBS und Société Générale für den plötzlichen Kurseinbruch vom späten Dienstagnachmittag verantwortlich.

Einer anderen Frage geht nun der für die Zürcher Kantonalbank tätige Berufskollege nach. Er macht eine Auslegeordnung, welche Pharmahersteller neben Sanofi sonst noch als Käufer für Actelion in Frage kommen (in aufsteigender Wahrscheinlichkeit):

Pfizer: Dank gewaltigen Auslandsvermögen hat der amerikanische Branchengigant zwar das Geld für eine Übernahme des Unternehmens aus dem Baselbiet, gleichzeitig aber nur eine unbedeutende Franchise auf dem Gebiet seltener Krankheiten. Gleichzeitig sieht der ZKB-Analyst mögliche Probleme mit dem politischen Widerstand gegen den Steuersatz reduzierende Firmentransaktionen.

AstraZeneca: Die Briten haben am wenigsten Geld, hätten auf dem Gebiet der pulmonalen arteriellen Hypertonie (PAH) - also Lungenhochdruck, gegen den Actelion Medikamente entwickelt - aber die grössten Anknüpfungspunkte. Damit liesse sich für AstraZeneca die grösste Gewinnverdichtung erzielen. Dem Experten zufolge dürfte sich das Unternehmen dennoch voll und ganz darauf konzentrieren, den Anschluss in der Immunonkologie, also auf einem völlig anderen Therapiegebiet, zu finden.

Grosse Nervosität bei der Actelion-Aktie in den vergangenen 48 Stunden; Quelle: www.cash.ch

Roche: Der Pharma- und Diagnostikkonzern hätte das Geld und mit dem Medikament Esbriet auf dem Gebiet der pulmonalen Fibrose eine passende Franchise gegen Lungenerkrankungen. Allerdings sei Actelion für die Basler schlichtweg zu teuer, so lässt der Analyst durchblicken.

Novartis: Mit dem Verweis, nur ergänzende Übernahmen mit einer Transaktionssumme zwischen 2 und 5 Milliarden Dollar tätigen zu wollen, hat sich der Gesundheitskonzern schon vor Wochen selber aus dem Rennen um Actelion genommen. Der Fokus liegt auf dem Onkologiegeschäft, welches in eine eigene Division eingebracht wurde. Dazu kommt, dass das Unternehmen mit einer hohen Verschuldung belastet ist. Deshalb dürfte Actelion für Novartis zu teuer sein und darüber hinaus sowieso nicht ins Beuteschema der Basler passen.

Die Actelion-Aktionäre müssen deshalb weiter auf eine Einigung mit Sanofi hoffen. Als möglichen Interessenten bringt der für die ZKB tätige Analyst den Rivalen Gilead Sciences ins Spiel. Mit Letairis hat dieser ein in Konkurrenz zu den PAH-Medikamenten stehendes Präparat auf dem Markt. Dank milliardenschweren Auslandsvermögen sollte auch die Finanzierung einer solchen Übernahme keine Probleme bereiten. Fragezeichen sieht der Experte allenfalls im Zusammenhang mit der dominierenden Marktstellung eines kombinierten Unternehmens auf diesem Therapiegebiet.

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