Wer setzt noch auf Blackberry?

Trotz reihenweise schlechter News gelten Blackberry-Geräte immer noch als besonders sicher. Haben die Telefone in Schweizer Firmen eine Zukunft? Ein IT-Berater und mehrere SMI-Unternehmen nehmen Stellung.
07.10.2014 01:05
Von Ivo Ruch
CEO John Chen präsentiert das Blackberry Passport.
CEO John Chen präsentiert das Blackberry Passport.
Bild: Bloomberg

Mit einer Wette auf Blackberry konnte in diesem Jahr gutes Geld verdient werden – die Aktie hat 29 Prozent auf 9,60 Dollar zugelegt. Vom Allzeithoch bei 148 Dollar im Juni 2008 sind die Kanadier allerdings meilenweit entfernt. Die Kursavancen des laufenden Jahres haben viel mit Turnaround-Fantasien zu tun. Im Zuge verschiedener Restrukturierungsmassnahmen musste fast die Hälfte der Mitarbeitenden entlassen werden.

Aber erst 2015 soll Blackberry wieder Gewinne schreiben, so das Ziel von CEO John Chen. Der Fokus liegt dabei auf Firmenkunden. Zudem sollen neue Smartphone-Modelle mit klassischer Tastatur Kunden zurückgewinnen. Auf dem Höhepunkt waren die schwarzen Tastatur-Handys mit einem Anteil von 20 Prozent eine grosse Nummer auf dem Smartphone-Markt und galten als Statussymbol unter Managern. Heute ist ihre Marktbedeutung allerdings marginal, iPhones und Android-Telefone haben längst die Spitzenplätze in der Beliebtheitsskala übernommen.

Doch die Frage ist, ob Firmen überhaupt noch auf Blackberry setzen. Oder ob sie bereits gänzlich auf Apple und Samsung umgesattelt haben.

Bei Ringier, dem grössten Schweizer Medienunternehmen, zu dem auch cash gehört, haben die älteren Blackberry Modelle auf jeden Fall keine Zukunft. Denn Ringier verwendet E-Mail-Adressen von Google. Und diese funktionieren ab Ende Jahr nicht mehr mit dem Blackberry-Server. Blackberry-Geräte mit dem Betriebssystem BB 10 könnten aber weiterhin verwendet werden, sagt Ringier-Sprecher Edi Estermann auf Anfrage.

Unterschiedliche Regelungen

Bei der UBS sind Blackberries weiterhin im Einsatz. Es gibt allerdings zwei Handylösungen: Entweder die UBS übernimmt sämtliche Kosten und stellt das Telefon zur Verfügung. In diesem Fall kommen Blackberries zum Einsatz. Oder aber der Mitarbeitende bringt das eigene Gerät mit.  "Erlaubt sind iPhones oder iPads. Der Benutzer kann über sein eigenes Gerät E-Mails in einem sicheren Container ansehen. Weitere Lösungen werden gegenwärtig evaluiert", sagt die UBS gegenüber cash.

Allerdings gilt diese Regelung nur für UBS-Mitarbeiter ab einer gewissen Hierarchiestufe, wie cash erfahren hat. In allen anderen Fällen können die Banker ihre Geschäftsmails nicht mit dem Handy synchronisieren. Grund dafür sind Sicherheitsaspekte, Kostenreduktionen und das Bestreben, die regulären Arbeitszeiten einzuhalten.

Beim Industriekonzern ABB stehen die Aspekte Sicherheit, Anwendung von Services und Applikationen sowie Anwendererfahrung im Vordergrund. "Innerhalb dieses Standards sind Mitarbeiter und Führungskräfte frei in der Wahl", sagt ABB-Sprecher Antonio Ligi. Dieselbe Regelung gilt auch bei der Swiss Re und bei Sulzer.

iPhones in Firmen fehl am Platz

Wenig angetan von der Sicherheit bei Smartphones ist Marc Ruef von der Informatik-Beratungsfirma scip. Er beurteilt Blackberries immer noch als sicherer als die Konkurrenz. Bei den neusten Blackberries ist beispielsweise ein getrennter Betrieb von gesicherter Geschäfts- und Privatumgebung möglich. Anders bei iPhones: "Findet ein Hacker einmal Zugang auf ein iPhone, kann er auf alles zugreifen", so Ruef. Zudem sei es bei Blackberry-Geräten viel einfacher, einheitliche Sicherheitsstandards einzuführen. "iPhones haben in einem Corporate-Umfeld nach wie vor nichts verloren", sagt Sicherheitsexperte Ruef.

Dass Blackberry-Geräte nicht so schnell aus den Manager-Mappen verschwinden dürften, zeigen auch die Verkaufszahlen des neusten Modells. Das Blackberry Passport kam im September auf den Markt und war innert kurzer Zeit ausverkauft. Allerdings betrug die produzierte Menge 200'000. Zum Vergleich: Das iPhone 6 und das iPhone 6 Plus gingen am ersten Verkaufswochenende 10 Millionen Mal über den Ladentisch.