Werden diese Aktien zu «penny stocks»?

Ein Titel, der weniger als ein Franken kostet, hat den Ruf einer Zocker-Aktie. cash wirft den Blick auf Schweizer Unternehmen, deren Aktien auf dem Weg zum so genannten «penny stock» sein könnten - oder auch nicht.
18.03.2015 00:01
Von Marc Forster
Ist eine Aktie nicht einmal mehr einen Franken wert, intensivieren sich Gerüchte.

Aktien, die weniger als ein Dollar wert sind, heissen in der englischsprachigen Welt "penny stock" oder "cent stock". Auch der Schweizer Aktienmarkt hat ein paar Titel, deren Kursangabe fast schon nur noch in Rappen angegeben werden kann.

In diese Tiefen zu fallen ist für ein Unternehmen unangenehm. Zudem nährt dies viele Spekulationen: Ein penny stock wird schnell als Übernahmekandidat, oder besser noch, Übernahmeopfer bezeichnet. Eine "Ein-Franken-Aktie" hat oft auch den Ruf, dass das entsprechende Unternehmen chronisch defizitär ist.

Bei kleinen Titeln kommt oft das Problem eines tiefen Handelsvolumens dazu. Damit erhöht sich die Volatilität um eine Aktie. Fünf Titel, wo das Thema penny stock eine gewisse Aktualität hat - zumal einige schon einmal unter einem Franken wert gewesen sind:

Schmolz + Bickenbach: Der schweizerische-deutsche Spezialstahlhersteller steckt seit Jahren in einer verzwickten Lage. Während drei Geschäftsperioden prägen rote Zahlen, Absatzprobleme, Preisdruck, Kreditschwierigkeiten und Kapitalerhöhungen das Bild. Dazu tobte vor zwei Jahren ein Machtkampf um den Konzern, den Grossinvestor Viktor Vekselberg für sich entschied. Die Chefs kamen und gingen. Der Kurs befand sich mit 13,63 Franken 2008 auf seinem Höchststand, die Krise nach der Mindestkurs-Freigabe im Januar drückte ihn auf unter 80 Rappen. Aktuell stehen Schmolz + Bickenbach bei 92 Rappen.

Penny-stock-Status: Schon mehrfach Realität. Damit der Kurs wieder dauerhaft steigt, braucht es wohl grosse News. Der Verkauf von Teilen des Distributionsgeschäft an die französische Jacquet Metal Service könnte eine solche News sein - möglicherweise kommt die Ankündigung zu diesem Deal noch im März. Schmolz + Bickenbach verfügt unabhängig davon über einen guten Markennahmen, bietet hochwertige Stahlprodukte an und hat in den letzten Jahren massiv restrukturiert. Es gibt also Hoffnung.

Gottex: Der kotierte Hedge-Fonds-Spezialist liefert wenig Schlagzielen, doch wenn, sind sie meistens nicht so gut. Innert Jahresfrist hatte der Titel ein Höchst bei 2,38 Franken, und steht derzeit bei 1,11 Franken (vor der Finanzkrise war die Gottex-Aktie einmal 73 Franken wert). Zwischenzeitlich war Gottex auch schon weniger als einen Franken wert.

Penny-stock-Status: Im Januar fiel der Kurs unter 1 Franken, hat sich aber seitdem erholt. Gottex will vor allem über Zukäufe wachsen. Im vergangenen Jahr gab die Fusion mit dem Vermögensverwalter EIM dem Kurs einen Schub, was aber nicht nachhaltig war. Für Hedge-Fonds-Spezialisten gibt es aber immer Märkte, vor allem natürlich im für Vermögensverwalter "gelobten Land" Asien.

Züblin: Nach 2,12 Franken im letzten Juni ist die Aktie heute noch 1,03 Franken wert. Sie eilt damit von Allzeittief zu Allzeittief. Auch Züblin ist eine "Vekselberg-Aktie", denn der russische Financier besitzt inzwischen ein Drittel der Immobiliengruppe. Dadurch ist das Handelsvolumen noch kleiner geworden. Inzwischen wird bei Züblin restrukturiert: Der französische Zweig soll abgestossen werden, dafür will sich das Unternehmen mehr auf energetisch sanierte Bürobauten und Renovationsobjekte an guten Lagen konzentrieren. Vekselberg gibt dabei den Takt vor.

Penny-stock-Status: Die Analysten der Zürcher Kantonalbank, die das Unternehmen früher unter die Lupe nahmen, stuften die Aktie zuletzt als Spekulationsobjekt ein. Den Kurs dürfte aber vor allem Viktor Vekselberg interessieren, der Züblin bei der finanziellen Restrukturierung mit Darlehen unter die Arme greift. Unter Vekselbergs Flügel zu fallen, ist ja nicht unbedingt so schlecht: Immerhin hat der Russe auch den Sanierungsfall OC Oerlikon wieder flottgemacht. Allerdings zerfällt die Züblin-Aktie fast von Tag zu Tag mehr.

Von Roll: Bei der Industriegruppe ist der Kurs seit Mitte Januar von 1,50 auf 1,20 Franken gefallen. Im vergangenen Sommer waren Von Roll bis zu 1,90 Franken wert. Der Hersteller von Isolationsprodukten für die Elektroindustrie befindet sich seit längerem in der Krise und versucht sich nun auf die Kerngeschäfte Insulation, Composites und Wasser zu konzentrieren. Solange der Umbau läuft, dürfte es kein allzu grosses Wachstum geben.

Penny-stock-Status: Es fehlt noch ein Stück, bis die Aktie unter 1 Franken fällt. Aber dann: Auch für positive Resultate der Umstrukturierung fehlt etwas. Für Von Roll spricht indessen, dass der Umbau angestossen wurde und weiter umgesetzt wird. So gesehen ist das Unternehmen auf dem richtigen Weg.

Cytos: Das Biotechnologie-Unternehmen kämpfte im Januar gegen den Konkurs. Inzwischen haben die Aktionäre eine Kapitalerhöhung von 77,49 Mio. Aktien genehmigt, die dazu dienen sollen, aus einer Wandelobligation Aktien zu machen. Biotech-Aktien sind schwankungsanfällig – die Cytos-Aktie hat allerdings einen enormen Sturz hinter sich, wenn man bedenkt, dass sie 2007 einmal 179 Franken wert war. In den vergangenen Monaten bewegte sich der Kurs bei etwa 25 Rappen. Im Zusammenhang mit der geplanten Kapitalerhöhung und einer Zusammenarbeit mit der amerikanischen OnCore Biopharma stieg er nun auf über 1,52 Franken.

Penny-Stock-Status: Der Kursverfall spricht eine eigene Sprache, und Cytos war schon die längste Zeit ein penny stock. Es liegt in der Natur der Sache, dass ein Biotechunternehmen übernommen werden könnte. Mit Cytos-Aktien zu handeln ist trotz der jüngsten Kursgewinne hochspekulativ. Allerdings forscht Cytos an Hepatitis-B-Medikamenten und Wirkstoffen gegen andere virale Infektionen. Wichtige Forschungserfolge könnten die Aktie nach oben katapultieren.