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Weshalb die Kaba den Turbulenzen trotzt

Die Kaba-Aktie steht in den aktuellen Börsenstürmen erstaunlich solide da. Die Fusion mit Dorma hat den Kurs des Schliesstechnik-Konzerns beflügelt. Legt Kaba dem Anleger den Schlüssel zum Erfolg in die Hand?
01.09.2015 14:54
Von Marc Forster
Schliesszylinder-System von Kaba.

Der Kurs der Kaba-Aktie bewegt sich auf einem Niveau, bei dem sich die etwas abgegriffene Formulierung "Allzeithoch" aufdrängt. Tatsächlich war der Stand der Aktie zuletzt Ende 2000 so hoch wie heuer.

Auch in der zeitlich kürzeren Betrachtung sind die Kursgewinne eindrücklich. Die Sechs-Monate-Performance beträgt 22 Prozent, innert Jahresfrist hat der Kurs 42 Prozent dazugewonnen. 

Der Kurs der Kaba-Aktie in einem Jahr (Quelle: cash.ch)

Der Kurs-Schock nach dem SNB-Währungsentscheid Mitte Januar und der China-Crash haben die Aktie zwar etwas tangiert, wie der Chart zeigt. Die Verluste waren jeweils relativ rasch wettgemacht. In den letzten sechs Handelstagen hat der Titel bis 10 Prozent an Wert gewonnen. Die Ankündigung von Ende April, dass Kaba mit dem deutschen Familienunternehmen Dorma fusionieren will, hat der Aktie einen zusätzlichen Schub gegeben.

Die Fusion wird den Konzern deutlich verändern. Während Kaba Zutrittsysteme vom einfachen Schlüssel bis zu Codiermaschinen und ganzen Schliessystemen für Hotels oder U-Bahnen anbietet, ist Dorma vor allem auf Produkte spezialisiert, die mit Türen zu tun haben. Dorma+Kaba kann in Zukunft den gesamten Bauzyklus abdecken und wird interessant für Kunden, die Systeme von ein und demselben Anbieter beziehen wollen. Zusammen kommen die Unternehmen auf 2,24 Milliarden Franken Umsatz und erreichen eine Betriebsmarge von 13,5 Prozent. Weil der Markt für Schliesstechnik fragmentiert ist, dürfte sich die Grösse der neuen Dorma+Kaba auszahlen. 

Die Börse nahm den Zusammenschluss, am heutigen Tag offiziell vollzogen wird, auch wegen einer Sonderdividende gut auf: Der Verwaltungsrat stellte den Aktionären im April ein Spezialausschüttung von 50 Franken je gehaltenem Titel in Aussicht. Diese soll nun am 23. September ausbezahlt werden. Das Vertrauen der Investoren in Kaba erklärt sich aber auch dadurch, dass Kaba in Europa und den verschiedenen überseeischen Wachstumsmärkten verankert ist. Auch Dorma hat kürzlich ein ansprechendes Jahresergebnis vorgelegt. 

Was kostet die Integration?

In der nächsten Woche stellt Konzernchef Riet Cadonau die Zahlen zum Geschäftsjahr vor, das bei Kaba jeweils zur Jahresmitte endet. Operativ dürfte das Unternehmen gute Zahlen vorlegen, zumal Kaba bereits klargestellt hat, das wegen der dezentralen Struktur die Folgen des starken Franken im Griff behalten würden. Cadonau, der auch CEO des fusionierten Unternehmens bleibt, könnte bereits belastbare Angaben zu den Integrationskosten mit Dorma machen wird.

Hohe Integrationskosten, die sich in Form von Synergien erst in einigen Jahren auszahlen könnten, sind durchaus eine Gefahr für den Aktienkurs. Bei Kaba spricht von von einem Effekt von 60 bis 70 Millionen Franken bis in vier Jahren, welche die Syniergien eintragen sollen.

Um die Früchte der Fusion - abgesehen von der satten Sonderdividende - zu ernten, brauchen die Investoren wohl einen langen Atem. Zudem hat auch die Idee, dass man bei Kaba noch einsteigen könnte, einen Haken: Kehrseite des Erfolgs von Kaba und dem Höhenflug des Aktienkurses ist auch eine hohe Bewertung. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 24,4 ist die Kaba-Aktie schon ziemlich teuer.

 

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