Weshalb es noch keinen Crash gab

Ein bekannter Anlagestratege sagt, weshalb es am amerikanischen Aktienmarkt noch zu keinem Einbruch gekommen ist. Ausserdem verrät er, ob er nun im kommenden Jahr mit einem solchen rechnet.
02.11.2015 08:29
Von Lorenz Burkhalter
Noch immer hält sich die Leitbörse in New York erstaunlich gut.
Noch immer hält sich die Leitbörse in New York erstaunlich gut.
Bild: Bloomberg

Die DZ Bank steht in Deutschland für die Dachorganisation der Volksbanken und Raiffeisenbanken. Ihre Aktienanalyse hat sich in den letzten Jahren mit gut fundierten Publikationen einen Namen gemacht.

In der neusten Ausgabe der Aktienstrategie greift der mittlerweile bekannte Autor das Thema Börsencrash auf. Es sei ungewöhnlich, dass es am amerikanischen Aktienmarkt noch nicht zu einer kräftigen Korrektur gekommen sei, so schreibt er. Schliesslich laufe der Aufschwung an den Börsen bereits seit über sechs Jahren. Ausserdem gebe es mehr als genug Belastungsfaktoren.

Anleger dürfen an dieser Stelle jedoch aufatmen: Denn der Anlagestratege macht die Kombination aus niedrigem Ölpreis und tiefen Zinsen dafür verantwortlich, dass es am amerikanischen Aktienmarkt bislang nicht "gescherbelt" hat. Da er davon ausgeht, dass uns diese Kombination noch eine ganze Weile begleitet, erwartet er auch 2016 keinen Crash.

Geldpolitik setzt falsche Anreize

Anders als viele seiner Berufskollegen macht der Autor der Aktienstrategie beim breit gefassten S&P-500-Index und anderen amerikanischen Börsenbarometern nur noch ein beschränktes Steigerungspotenzial aus. Nicht zuletzt auch deshalb, weil er Anhaltspunkte für eine Gewinnrezession bei den dortigen Unternehmen aus dem Industriesektor ausmacht.

Die "Zutaten" für einen Crash seien nach fünfzehn Jahren Niedrigzinspolitik der Notenbanken hinreichend vorbereitet. Sowohl für Unternehmen als auch für Anleger seien in der Vergangenheit Fehlanreize entstanden, so die Meinung des Experten. Seines Erachtens konzentrieren sich die Unternehmen zu stark auf Finanzoptimierung und Übernahmen. Die Anleger wiederum seien im Zuge der Wertpapierkäufe seitens der Notenbanken in riskantere Anlageklassen und –instrumente gezwungen worden.

US-Notenbank in einem Dilemma

Für den Anlagestrategen steht fest: Aktien werden nicht mehr nur wegen positiver Erwartungen an die zukünftige Geschäftsentwicklung der Unternehmen gekauft, sondern in Erwartung zusätzlicher Nachfrage wegen fehlender Anlagealternativen.

Gerade deshalb wähnt er die US-Notenbank in einem Dilemma. Denn erhöht sie die Zinsen zu schnell, riskiert sie einen Einbruch am heimischen Aktienmarkt. Erhöht sie die Zinsen nicht oder zu langsam, setzen sich die spekulativen Fehlentwicklungen fort.

Noch ist sich der Experte nicht sicher, ob der US-Notenbank dieser Gleichgewichtsakt gelingen wird. Seine Botschaft an die Anlagekunden: Als Aktienanleger sollte man sich trotz allem nicht zu sehr auf der sicheren Seite fühlen.