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Weshalb hat diese Aktie solchen Biss?

Die Straumann-Aktie steigt seit Monaten. Könnte dies schlicht und einfach daran liegen, dass der Zahnersatz-Spezialist derzeit fast alles richtig macht?
22.09.2015 13:46
Von Marc Forster
Straumann geht es operativ hervorragend, aber die Aktie ist hoch bewertet.

Die Werte sind beeindruckend: Innert Jahresfrist hat die Aktie ihren Wert um über ein Drittel gesteigert. Seit dem Franken-Kurssturz vom Januar hat der Kurs gar 45 Prozent zugelegt. Aktuell ist die Straumann-Aktie mit 287 Franken so viel wert wie zuletzt Anfang 2010. Analysten sehen die Aktie mit ihren Kurszielen auf weit über 300 Franken steigen. Morgan Stanley etwa spricht von 351 Franken.

Nicht wenige der Experten halten eine Kaufempfehlung bereit. Grund zum Optimismus - und Heraufstufungen - liefert unter anderem die operative Leistung des Basler Medizinaltechnikunternehmens. Das Halbjahresergebnis, das Straumann vor gut einem Monat vorgelegt hat, übertraf die Erwartungen. Dank kräftigem Umsatzanstieg erreichte die Gruppe eine EBIT-Marge von 24 Prozent (bereinigt).

Die Entwicklung der Straumann-Aktie seit 12 Monaten (Quelle: cash.ch)

Besonders bezahlt macht sich die 2012 begonnene Übernahme von Neodent, mit der sich Straumann von der Hochpreis- in die mittlere Preiskategorie ausgedehnt hat. Neodent ist ein brasilianisches Unternehmen, das Straumann auch deswegen ins Auge gefasst hatte, um vom wachsenden Bedarf an Medizinaltechnik in den Schwellenländern besser profitieren zu können. Europa, wegen sinkender Kaufkraft lange ein schwieriger Markt, zeigt zudem Anzeichen der Erholung.

Umsatz und Profitabilität dürften sich in den nächsten Jahren weiterhin deutlich steigern, schreibt die Zürcher Kantonalbank in einem Kommentar. Straumann ist nicht nur im angestammten Geschäft der teuren und mittelpreisigen Implantaten auf Kurs, sondern ist auch eine Reihe von Partnerschaften mit anderen Unternehmen eingegangen.

Die Aktie ist allerdings teuer

Aber wenn ein Unternehmen so erfolgreich unterwegs ist, was kann ihm dann noch Schaden zufügen? Eines der grössten Risiken ist der Markt. Zwar ist Straumann in vielen Bereichen führend, aber die Konkurrenz ist hoch, und die Eintrittsbarrieren für kleinere Anbieter sind nicht sehr hoch. Wo Straumann abfällt, ist die Dividendenrendite, die nur 1,3 Prozent beträgt. Und was Anleger auch nicht freuen dürfte, ist die Bewertung. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist mit 30,9 (für 2015) recht hoch.

Wenn ein Unternehmen viel Lob erfährt, gibt es auch Zweifler. Die St. Galler Kantonalbank (SGKB) etwa riet im August zum wiederholten Male zum Verkauf. Die Analysten sind sich nicht sicher, ob das Verbrauchervertrauen anhält. Die hohe Bewertung schüre nur die Erwartungen, hiess es im Kommentar weiter. Ausserdem operiert Straumann mit hohen Kosten, wie die SGKB schreibt. 

Wer also auf die Straumann-Aktie setzen will, muss diese Aspekte hinter den guten operativen Zahlen denken und sich bewusst sein, dass er eine hoch bewertete Aktie kauft oder hält. Das prognostizierte Umsatzwachstum dürfte die Aktie aber noch eine Weile vorantreiben.