White Tale - Clariant setzt Fragezeichen hinter Aktionärsforderung

Der Schweizer Spezialchemiekonzern Clariant reagiert kühl auf die von seinem grössten Aktionär White Tale vorgebrachten Forderungen. Auch sei noch kein Übernahmeangebot eingegangen.
31.10.2017 19:05
Ein Übernahmeangebot für Clariant macht seiner Meinung nach keinen Sinn: CEO Hariolf Kottmann.
Ein Übernahmeangebot für Clariant macht seiner Meinung nach keinen Sinn: CEO Hariolf Kottmann.
Bild: Keystone

"Wir werden die Themen in den nächsten Tagen im Rahmen einer Telekonferenz unserem Verwaltungsrat vorlegen", erklärte Konzernchef Hariolf Kottmann am Dienstag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters. White Tale hatte die geplante Fusion mit dem US-Rivalen Huntsman kürzlich vereitelt und fordert unter anderem drei Sitze im Verwaltungsrat und eine Prüfung aller strategischer Optionen durch einen unabhängigen Berater.

Kottmann erklärte zwar, Clariant schliesse nichts aus. Doch habe der Konzern in den vergangenen fünf Jahren die strategischen Optionen wiederholt mit Hilfe einer Investmentbank oder einer Unternehmensberatung gründlich geprüft. "Zudem haben wir ein ausgezeichnetes Planungs- und Strategie-Team, sodass es aus unserer Sicht keinen Anlass gibt, das erneut zu machen", erklärte der Firmenlenker.

Clariant habe White Tale angeboten, diesen Prozess offenzulegen, falls sich der aktivistische Anleger zu Geheimhaltung verpflichtet hätte. White Tale habe allerdings kein Interesse gezeigt. "Das Unternehmen, das Geschäft und die Strategie des Unternehmens nicht zu kennen und alles was in den vergangenen Jahren passiert ist und dann vorzuschlagen, dass wir eine unabhängige Investmentbank brauchen, um die Glaubwürdigkeit des Managements zu untermauern, das halte ich für etwas voreilig", sagte Kottmann.

Weitere Zusammenarbeit mit Goldman Sachs

Clariant arbeitet laut Finanzchef Patrick Jany weiterhin mit der US-Investmentbank Goldman Sachs zusammen. "Wir haben Goldman Sachs mandatiert, damit sie uns helfen, die Denkweise von aktivistischen Aktionären zu verstehen", erklärte Jany. "Das geht weiter." Der Konzern sei vom Vorschlag von White Tale, den umsatzstärksten Bereich Plastics and Coatings rasch abzustossen, weiterhin nicht überzeugt. "Wir würden es vorziehen, das Geschäft zuerst auszubauen."

In den vergangenen drei Tagen habe Clariant aber keine Zukaufsziele ins Visier genommen. Umgekehrt ist nach Worten von Kottmann auch niemand mit einem Übernahmeangebot an Clariant herangetreten. Angesichts des deutlichen Kursanstiegs der Aktie würde das seiner Einschätzung zufolge wenig Sinn machen. "Ich kann das nicht ausschliessen, aber die reine Logik spricht dagegen."

Im bestehenden Geschäft läuft es Clariant rund. Das operative Ergebnis (Ebitda vor Einmaleffekten) legte im dritten Quartal um 13 Prozent auf 235 Millionen Franken zu, der Umsatz stieg auf 1,57 Milliarden Franken. Mit einem Anstieg von 12 Prozent gewann der Konzern Marktanteile. Das Marktwachstum schätzte der Finanzchef auf 3 bis 4 Prozent. "Das ist das beste dritte Quartal seit mehr als zehn Jahren", sagte Jany. Clariant profitiere von konjunkturellem Rückenwind und neuen Produkten. "Wir erwarten eine Fortsetzung unserer Performance in 2018."

(Reuters)