Wichtige Börsen-Stütze wankt

Die Reduktion von Wetten gegen die US-Leitbörse verlieh den Aktienkursen Flügel. Doch dieser Effekt lässt allmählich nach, womit dem Markt eine wichtige Stütze wegbrechen dürfte.
21.03.2016 08:36
Von Lorenz Burkhalter
An der Börse in New York sind die Bären (Leerverkäufer) auf dem Rückzug. Doch wie lange noch?
An der Börse in New York sind die Bären (Leerverkäufer) auf dem Rückzug. Doch wie lange noch?

Die Leitbörse in New York zeigt sich überraschend widerstandsfähig. Seit Freitag ist die bisherige Jahresbilanz wieder positiv. Beim breit gefassten S&P-500-Index errechnet sich ein wenn auch nur geringes Plus von 0,3 Prozent.

Davon können wir Europäer nur träumen. Der Stoxx Europe 600 Index liegt noch immer um knapp 7 Prozent unter dem Stand von Ende Dezember, unser Swiss Performance Index sogar um über 8 Prozent.

Darf man den Strategen von J.P. Morgan Glauben schenken, dann ist das starke Abschneiden des amerikanischen Aktienmarktes nicht zuletzt einer Kapitulation bei den Leerverkäufern zu verdanken. Nicht Anlagekäufe, sondern vielmehr das Eindecken von zuvor leerverkauften Aktien haben den S&P-500-Index seit Mitte Februar um 10 Prozent klettern lassen. Die Experten sehen diese Eindeckungskäufe nun allerdings auslaufen, womit der Börse eine wichtige Stütze wegbricht.

Weniger Wetten gegen den breiten Markt

Erhebungen der amerikanischen Grossbank zufolge trennten sich Anleger im Januar und Februar von börsengehandelten Indexfonds im Gegenwert von knapp 30 Milliarden Dollar. Ein Grossteil davon - so wird zumindest angenommen - ging auf das Konto von Leerverkäufern aus der Hedgefonds-Industrie.

In diesen zwei Monaten wuchsen die Wetten gegen börsengehandelte Fonds auf den S&P-500-Index nämlich von 3,54 Prozent der ausstehenden Fondsanteile auf einen Rekordwert von 5,43 Prozent. Gemäss Erhebungen der für J.P. Morgan tätigen Strategen sind die Wetten in den letzten drei Wochen wieder auf ein vernünftigeres Niveau gefallen.

Leerverkäufer in der Schweiz noch immer fest im Sattel

Anders als an der Börse in New York lassen sich die Leerverkäufer bei uns am Schweizer Aktienmarkt noch immer nicht ins Bockshorn jagen. Diese Vermutung lassen zumindest die jüngsten monatlichen Erhebungen des Beratungsunternehmens Markit zu.

Denn diese zeigen, dass die Wetten gegen hiesige Aktien wie jene der Swatch Group, Meyer Burger oder Logitech bestenfalls leicht zurückgefahren wurden. Neue Erkenntnisse dürften erst die für Ende März erwarteten Statistiken liefern.

Anders als in Übersee berichteten Händler vergangene Woche aber von grösseren Leerverkäufen in den SMI-Futures. Ob es sich dabei um Wetten gegen unseren Schweizer Aktienmarkt oder um Absicherungstransaktionen handelt, lässt sich jedoch nicht abschliessend sagen - was zuverlässige Rückschlüsse auf die Position der Leerverkäufer äusserst schwierig macht.