Wichtiges zu FirmenabschlüssenAuf diese Kennzahlen schauen Anleger und Analysten

Umsatz, Ebit und Gewinn: Nun kommt wieder die Zeit der Jahreszahlen der Unternehmen. Wie es um eine Firma steht, untersuchen die Profis mit weitereren Kennzahlen. cash.ch sagt, welche.
24.01.2017 08:19
Um beispielsweise den Novartis-Abschluss zu verstehen, braucht es etwas Wissen über die Kennzahlen des Konzerns.
Um beispielsweise den Novartis-Abschluss zu verstehen, braucht es etwas Wissen über die Kennzahlen des Konzerns.
Bild: Bloomberg

Die Zahlensaison 2016 ist im Gang. Über 200 kotierte Schweizer Unternehmen werden bis Anfang April detailliert über ihren Geschäftsgang berichten, weil dies die Börsenregeln so vorscheiben. Den Anfang machen in der Regel Firmen aus der Pharmaindutrie, die Versicherer kommen meist am Ende der Zahlensaison.

Am Gerüst aus Umsatz (bei Banken Ertrag, bei Versicherern Prämieneinnahmen), Betriebsgewinn und Reingewinn kommt man nicht vorbei. Vom Reingewinn etwa geht die Dividende für die Aktionäre aus. Bei den meisten börsenkotierten Unternehmen sind dies die wichtigsten Kennzahlen, vor allem den Small und Mid Caps. Zusammen mit der Rendite auf dem Eigenkapital und dem Cash-Flow ergeben diese Zahlen oft schon ein genaues Bild.

Doch so ein Zahlensatz bedeutet je nach Unternehmen oder Branche unterschiedliches: Um die Qualität des Ergebnisses oder künftige Gewinnaussichten zu beurteilen, braucht es weitere Kennzahlen, speziell bei den SMI-Unternehmen. Branchenspezifisch gibt es Unterschiede. Im folgenden eine Übersicht:

Grosse Banken

Bei der UBS, Credit Suisse oder Julius Bär ist die Höhe des Neugeldzuflusses eine wichtige Information. Sie sagt aus, wie erfolgreich die Vermögensverwalter Kundengelder gewinnen konnten. Die Bruttomarge wiederum, die in Basispunkten angegeben wird, sagt aus, wie profitabel die verwalteten Vermögen für die Bank waren. Bei der Credit Suisse wurde beispielsweise kritisiert, dass die Bruttomarge im dritten Quartal 2016 von 110 auf 104 Punkte gefallen war.

Bei den grossen Banken sagt der Vorsteuergewinn etwas mehr über die Profitabilität aus als der Reingewinn, da dieser stark von Sonderfaktoren wie Steuern, Steuergutschriften, Rückstellungen für Rechtsfälle oder der Bewertung von Anleihen geprägt sein kann. Vor allem auch beim Investmentbanking von UBS und CS werden die Vorsteuergewinne mit dem Vorquartal und dem Vorjahr verglichen, um saisonale Trends herauszufiltern.

Kleinere Banken

Bei kleineren Banken werden vor allem die Erträge aus dem Zinsgeschäft, den Kommissionen und dem Handel zum Bruttoertrag zusammengerechnet. Bei den meisten kleineren und mittelgrossen Banken an der Börse ist das Zinsgeschäft mit der Unternehmensfinanzierung, Hypotheken und Krediten der wichtigste Pfeiler des Ertrags.

Industrie

Bei ABB & Co. zeigt der Umsatz an, wie viel das Unternehmen verkauft und eingenommen hat. Genauso wichtig ist aber der Auftrags- oder Bestelleingang: Dieser bedeutet künftigen Umsatz und lässt Rückschlüsse darauf zu, wie die Unternehmen am Markt stehen. Ebenfalls wichtig ist die EBIT- oder Betriebsmarge: Je höher das Verhältnis vom Gewinn (vor Zinsen und Steuern) zum Umsatz ist, desto profitabler hat ein Unternehmen gearbeitet.

Bei LafargeHolcim gilt das Betriebsergebnis als sehr aussagekräftig, wobei es sich um den um Fusions- und Einmalkosten bereinigte EBITDA handelt – also der Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen auf Sachanlagen und immateriellen Vermögensgenständen. Damit werden gewisse Verzerrungen, die durch die Fusion von Lafarge und Holcim entstehen, herausgefiltert, genauso wie unterschiedliche Regelungen in den zahlreichen Ländern, wo der Konzern präsent ist.

Uhrenbranche

Bei den beiden Luxusgüterkonzernen Swatch und Richemont geht es vor allem um Umsatz und Gewinn. Die Warenvorräte gemessen am Umsatz bzw. Lagerbestände geben ebenfalls Aufschluss über die Verkäufe, bzw., wie viele "Ladenhüter" herumliegen. Wegen der Bedeutung des Asiengeschäfts für die Branche richtet sich die Aufmerksamkeit auf die Aufteilung der Einnahmen gemäss weltweiter Verkaufsregionen. Auch das Verhältnis von Schmuck- und Uhrenumsatz ist wichtig: Bei Swatch steuert das gebeutelte Uhrengeschäft 90 Prozent zum Umsatz bei, bei Richemont nur etwa 45 Prozent.

Lebensmittelbranche

Bei Nestlé, der am stärksten gewichteten SMI-Aktie, schauen die Analysten auf das organische Wachstum. Dieses klammert Umsatzveränderungen, die durch Zu- oder Verkäufe bedingt sind, aus. Auch Wechselkurse klammert die Kennzahl aus. In den ersten neun Monaten 2016 wuchs Nestlé organisch um 3,3 Prozent – weniger, als Analysten erwartet hatten und auch weniger als das eigene Ziel. Nestlé hat nämlich ein selbstgesetztes Mittelfrist-Ziel von 5 bis 6 Prozent organischen Wachstums, das allerdings seit 2013 nicht mehr erreicht wurde. 

Pharma

Auch bei den Pharmaunternehmen wird stark auf das Umsatzwachstum geschaut. Novartis werden auch die Umsatzzahlen für bestimmte Medikamente gesondert ausgeweisen, bei Roche Spartenergebnisse. Keine eigentlichen Kennzahlen sind auch die Informationen zur so genannten Pipeline, also wie sich gewisse Forschungen entwickeln und in welchem Stadium Medikamentenprojekte stehen. Novartis weist zudem ein "operatives Kernergebnis" aus: Dies ist keine Kennzahl gemäss dem Buchhaltungs-Regelwerk IFRS und bezieht sich nur auf fortzuführende Geschäftsbereiche.

Sachversicherungen

Die grossen Versicherungskonzerne sowie der Rückversicherer Swiss Re weisen im Sachgeschäft die Combined Ratio aus: Diese misst die Lasten durch Schadenleistungen und administrative Kosten an den Prämieneinnahmen. Liegt die Combined Ratio unter 100 Prozent, verdient der Versicherer im Schadengeschäft. Bei einer Häufung von Naturkatastrophen oder Unfällen kann die Combined Ratio über 100 Prozent steigen. Bei Versicheren schauen die Analysten auch auf das Anlageergebnis: Mit guten Finanzmarktinvestitionen kann ein Versicherer Belastungen aus Schadenfällen eventuell ausgleichen. Handkehrum können schlecht performende Anlagen ein gutes operative Ergebnis zunichte machen.

Der Zurich-Konzern verwendet zudem die eigene Kennzahl Business Operating Profit (BOP): Dieses Betriebsergebnis klammert nicht-operative Elemente wie Finanzmarktschwankungen, Abschreibungen oder auch Wechselkurseffekte und Rechtskosten aus und wird von den Analysten als Information über die dem Geschäfts zugrundeliegende Leistung des Unternehmens anerkannt.

Lebensversicherungen

Der SMI-Konzern Swiss Life vertreibt nur Lebensversicherungen und Vorsorgeprodukte. In diesem Geschäft gibt es keine Combined Ratio, welche die Profitabiliät des Versicherungeschäfts misst. Eine Lebensversicherer-spezifische Kennzahl ist der Embedded Value: Diese Kennzahl informiert über den Wert des Versicherungsbestandes und beinhaltet auch Informationen über die künftigen Nettoerträge aus dem Versicherungsbestand. Der Market Consistent Embedded Value (MCEV) berücksichtigt zudem Annahmen zur Finanzmarktentwicklung. Die Qualität des Neugeschäfts ist an der Neugeschäftsmarge ablesbar. Ihre Errechnung ist aber einigermassen kompliziert; Ein guter Wert ist über 10.

Stellenvermittlung

Beim Temporärkräftekonzern Adecco liegt ein Augenmerk auf der Kennzahl SG&A. Dies steht für Selling, General and Administrative Expenses, was auf deutsch mit Verkaufs- und Verwaltungskosten übersetzt werden kann. Bei einem strikt auf Kostendisziplin getrimmten Unternehmen wie Adecco sagt diese Ziffer etwas aus über die Effizienz, mit der das Geschäft betrieben wird.