Wie angeschlagen ist der SMI?

Der Swiss Market Index notiert auf dem tiefsten Stand seit dem Brexit. Die schwachen Pharmawerte belasten. Zwei Charttechnikexperten gehen der Frage nach, ob das Schlimmste nun überstanden ist.
02.11.2016 08:20
Von Lorenz Burkhalter
Der Schweizer Aktienmarkt notiert so tief wie letztmals Ende Juni.
Der Schweizer Aktienmarkt notiert so tief wie letztmals Ende Juni.
Bild: cash

Am gestrigen Dienstag geriet der Schweizer Aktienmarkt im Laufe des Nachmittags erneut unter starken Verkaufsdruck. Der Swiss Market Index (SMI) beendete den Handelstag auf seinem Tagestiefststand bei 7761 Punkten. Ähnlich tief notierte dieses Börsenbarometer letztmals Ende Juni dieses Jahres. Deshalb fragt sich nun: Wie angeschlagen ist der SMI wirklich?

Eine Antwort liefert die Charttechnik. Sie versucht anhand von früheren Verhaltensmustern die zukünftige Kursentwicklung vorherzusagen. Das macht denn auch Sinn, verhalten sich die Aktienmarktakteure in vergleichbaren Situationen meist sehr ähnlich.

SMI noch nicht wieder im Abwärtstrend

Michael Riesner von der UBS Investmentbank macht seinerseits den Verkaufsdruck im Gesundheitssektor für das zuletzt schwache Abschneiden des SMI verantwortlich. Schliesslich sind alleine schon die beiden Indexschwergewichte Roche und Novartis für gut 40 Prozent seiner Gesamtkapitalisierung verantwortlich.

Quelle: UBS Investmentbank

Der viel beachtete Charttechnikexperte wähnt das Börsenbarometer in einer Korrektur auf den erst im Juli nach oben durchbrochenen mittelfristigen Abwärtstrendkanal. Dessen oberes Ende verläuft derzeit in der Region von 7800 Punkten. Aufgrund der überverkauften Situation sieht Riesner gute Chancen für eine kurzfristige Erholung. Allerdings sieht er den SMI den anderen europäischen Aktienindizes auch weiterhin hinterher hinken, solange der Schlüsselwiderstand bei 8300 Punkten nicht nach oben durchstossen werden kann.

Ist der Rückschlag schon bald ausgestanden?

Deutlich zuversichtlicher gibt sich der für Kepler Cheuvreux tätige Edouard Garrana. Der SMI befinde sich inmitten einer fortgeschrittenen Korrektur innerhalb des seit 2011 beobachteten Aufwärtstrends, so schreibt er. In den Tiefstständen bei 7475 Punkten rund um das EU-Referendum Grossbritanniens von Ende Juni herum sieht der Charttechnikexperte einen sogenannten "doppelten Boden". Solange das Börsenbarometer nicht unter diese Schlüsselunterstützung fällt, bleiben die Vorzeichen seines Erachtens positiv.

Garrana sieht den SMI zwischen dem 7. und dem 10. November einen Boden finden und zu einer kurzfristigen Gegenbewegung ansetzen. Liegt der Experte mit dieser Einschätzung richtig, ist der jüngste Rückschlag schon bald ausgestanden.

Mit einer Wiederaufnahme des langfristigen Aufwärtstrends rechnet er allerdings erst dann, wenn der SMI wieder über den Schlüsselwiderstand bei 8311 Punkten findet. In diesem Punkt ist er sich mit seinem Berufskollegen von der UBS Investmentbank mehr oder weniger einig.